Für Menschen mit Handicap kann schon ein hoher Bürgersteig zum Hindernis werden. (Symbolfoto) Foto: RioPatuca Images - stock.adobe.com

„Ein Armutszeugnis ist das“, meint ein Leser zum Thema Barrierefreiheit in Oberndorf und zählt einige Problemstellen auf. Was sagt die Stadt dazu?

Wer mit einem Handicap in einer bergigen Stadt lebt, für den hält der Alltag einige Herausforderungen bereit. Ein Leser, der davon betroffen ist, bemängelt nun die Barrierefreiheit in Oberndorf. Er erzählt uns, wo die Problemstellen aus seiner Sicht liegen. Der Bürgermeister bittet indes in manchen Fällen um Geduld.

 

Unser Leser saß selbst einige Jahre seines Lebens im Rollstuhl, inzwischen ist er „nur“ noch auf einen Krückstock angewiesen. Ihm ist wichtig, dass Menschen mit Behinderungen ein möglichst uneingeschränktes Leben in ihrer Heimat führen können.

Sanitäranlagen großes Problem

Im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt er von den Problemstellen in der Stadt. Das seien zuallererst die sanitären Einrichtungen. So müssten die Behindertentoiletten im Freibad dringend renoviert werden. Auch wünscht er sich einen Schlüssel für die Toiletten, so dass der Zutritt nur noch Menschen mit Handicap vorbehalten ist. Am Rathaus gebe es zudem keine Spiegel in den Behindertentoiletten.

„Ein Armutszeugnis ist das“, meint er zur Gesamtsituation. In Parkhäusern sei zudem oftmals das Problem, dass die Behindertenparkplätze bei Festen oder Veranstaltungen auch von Menschen ohne Handicap genutzt würden.

Auf das Thema angesprochen, versichert uns Bürgermeister Matthias Winter: „Wir achten so viel wie möglich auf Inklusion.“ Bei jeder Baumaßnahme werde die Frage gestellt, ob auch Menschen mit Handicap davon profitieren.

Reaktion des Bürgermeisters

Im kommenden Jahr sei in Sachen Barrierefreiheit der Umbau einer Bushaltestelle geplant, kündigt Winter an. Der Einbau von sogenannten Niederflurbordsteinen und taktilen Leitelementen sollen die Nutzung des ÖPNV für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste verbessern. Durch die niedrigeren Einstiegshöhen könne das Ein- und Aussteigen erleichtert, durch die Bodenleitsysteme die Orientierung verbessert werden, war in einer Gemeinderatssitzung im Juli zu hören.

Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat seien stets bemüht, die Entscheidungen so zu treffen, dass kein Einwohner ausgeschlossen wird. Wünsche und Anregungen bezüglich dieses Themas seien ganz normal und wichtig.

Veränderungen gehen nicht von heute auf morgen

Er könne aber nicht von heute auf morgen Veränderungen einleiten, wirbt der Bürgermeister um Verständnis. Vieles müsse für die darauffolgenden Jahre geplant werden. Dass keine Vorkehrungen für die Barrierefreiheit getroffen würden, komme also selten vor. Oftmals könnten diese eben nur nicht direkt vollzogen werden.

Bei manchen Renovierungen und Sanierungen alter Gebäude lohne es sich deshalb, abzuwarten, bevor voreilige Schlüsse gezogen würden. „Manchmal muss man einfach etwas Geduld mitbringen, statt isolierte Maßnahmen vorzunehmen“, sagt Winter. Bauliche Maßnahmen umzusetzen sei aufgrund des Alters mancher Gebäude, die teilweise auch unter Denkmalschutz stehen, oftmals nicht einfach.