Politischer Grundsatzbeschluss: Der Bad Bellinger Gemeinderat gibt grünes Licht für den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses am Kurpark.
Vorgesehen ist das mehrgeschossige Gebäude (drei Stockwerke plus Attika-Geschoss) zwischen Rewe-Markt und Kurhaus, auf dem Grundstück des bestehenden Wohnmobilstellplatzes. „Bevor das Projekt umgesetzt werden kann, muss deshalb zuerst der Stellplatz verlegt werden“, sagte Bauamtsleiter Marc Braun in der Sitzung. Als neuen Standort hat die Verwaltung das Areal der Kurpark-Gärtnerei im Blick.
Mit dem neuen Wohn- und Geschäftsgebäude, das sich bei Höhe und Kubatur an neueren Gebäuden im Kurgebiet wie dem Gesundheitszentrum orientiere, will die Gemeinde „eine städtebauliche Lücke schließen“, hieß es. Bürgermeister Carsten Vogelpohl sprach von einer „Nutzung, die ins Kurgebiet passt“ und das bestehende Angebot abrunde. Er berichtete, dass Rewe – Mutterkonzern des Penny-Markts - das Projekt initiiert habe und auf die Gemeinde zugekommen sei.
Als Bauprojekt-Entwickler fungiert die Kopf-Gruppe, die in Schwanau ansässig ist. Sie soll die geplante kombinierte Nutzung von Einzelhandel und Wohnhaus umsetzen.
Das ist geplant
Im Erdgeschoss ist eine Filiale des Lebensmittel-Discountermarkts Penny mit einer Verkaufsfläche von knapp 800 Quadratmetern geplant. Vorgesehen ist, dass die Kopf-Gruppe die Gewerbefläche für diesen Zweck an die Rewe-Gruppe vermietet. Der Mietvertrag soll bereits vor Baubeginn mit langen Laufzeiten abgeschlossen werden, hieß es.
Über dem Markt ist ein mehrgeschossiges Wohngebäude geplant mit barrierefreien Wohnungen, Gemeinschaftsräumen und Büroräumen für Betreuungspersonal. Laut Bauamtsleiter sind zwischen 34 und 38 Wohneinheiten angedacht. Die Zwei-Zimmer-Wohnungen sollen über 52 beziehungsweise 66 Quadratmeter verfügen.
Um eine Zweckentfremdung auszuschließen, soll im Grundbuch eine Nutzungszweckbindung zugunsten der Gemeinde eingetragen werden. Diese soll eine ausschließliche Unterbringung von älteren Menschen sowie von Personen mit Unterstützungs- und Pflegebedarf festlegen (und deren Lebenspartner).
Vogelpohl betonte in der Sitzung, dass der Standort am Kurpark geradezu prädestiniert sei für ältere Menschen, auch weil sie „die barrierefreien Wege vor der Haustür zu schätzen wissen“.
DRK übernimmt
Als Partner für die Senioren-Wohnanlage mit im Boot ist das Deutsche Rote Kreuz. Vorgesehen ist, dass die Wohnungen von der Kopf-Gruppe an den DRK-Kreisverband Müllheim vermietet werden. Der Mietvertrag soll bereits vor Baubeginn mit langen Laufzeiten abgeschlossen werden.
Ob der Bedarf für solche Wohnungen überhaupt gegeben sei, wollte Gemeinderat Thorsten Fräulin (CDU) wissen. Bürgermeister Vogelpohl verwies hier auf das Landratsamt Lörrach, das den Bedarf für diese Wohnform gegenüber der Gemeinde bestätigt habe. Dies bekräftigte Johanna Mauser-Loret, die beim DRK-Kreisverband die stellvertretende Abteilungsleitung für Soziale Dienste innehat. Für das Fridolinshaus in Neuenburg gebe es beispielsweise eine Warteliste mit rund 80 Personen.
Altersgerechtes Wohnen
Mauser-Loret gab einen Einblick in das Konzept des sogenannten DRK-Service-Wohnens, das je nach Alter und Bedarf unterschiedliche Unterstützungsangebote offeriere. Wichtig sei bei dieser Wohnform außerdem, „dass dort ein Sozialleben stattfindet“, betonte Mauser-Loret, die auf Gemeinschaftsangebote wie Gymnastik, Rotkreuz-Café und Singnachmittage verwies.
Stimmen aus dem Ratsrund
André Kammüller (Freie Wähler) begrüßte das Gesamtvorhaben ausdrücklich und verwies auf eine Verbesserung der Infrastruktur und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Gemeinde profitiere zudem von Gewerbesteuer und Schlüsselzuweisungen. Der Ortseingang werde durch das Projekt aufgewertet. Der neue, abseits gelegene Wohnmobilstellplatz sei zudem deutlich besser geeignet als der bisherige. Fraktionskollege Daniel Billich schloss sich dem „vollumfänglich an“. Darüber hinaus war ihm wichtig, dass mit dem Erlös aus dem Grundstücksverkauf die Kosten für den neuen Stellplatz sicher gedeckt werden.
Wenig abgewinnen konnte dem Projekt hingegen Wolfgang Müller (Freie Wähler). „Die Versorgung ist schon heute ausreichend, wenn ich in umliegende Gemeinden schaue“, befand er. Außerdem sah er es kritisch, dass Rewe und Penny dem gleichen Konzern, der Rewe-Gruppe, angehören. „Ich vermisse ein stringentes Konzept der Verwaltung“, meinte er zudem mit Blick auf den im Jahr 2019 angelegten Wohnmobilstellplatz, der nun wieder weichen soll, und er bezweifelte in diesem Zusammenhang, „ob sich das Ganze rechnet“. Darüber hinaus beklagte er den Verlust eines „Filet-Grundstücks am Kurpark“.
Kammmüller hielt dagegen: „Wir haben hier drei stabile, leistungsfähige Partner, so dass wir davon ausgehen können, dass das Projekt funktioniert.“
Wie ein kleines Hotel
Ob der neue Stellplatz überhaupt notwendig sei, wollte René Schladerer (Freie Wähler) wissen. Das stehe außer Frage, meinte dazu Vogelpohl. Der Wohnmobilstellplatz zähle mittlerweile rund 11 000 Übernachtungen pro Jahr, was in etwa der Auslastung eines kleinen Hotels entspreche. Der Standort sei für viele Camper durchaus attraktiv mit der Nähe zu Therme und Lebensmittelgeschäft, ergänzte der Rathauschef, der zudem auf ein „sehr schnell wachsendes Klientel“ verwies. Die Gemeinde würde am neuen Standort sogar gerne noch mehr Plätze anbieten, da der aktuelle Standort oft voll sei.
Wie es weitergeht
Der Gemeinderat hat mit zwei Gegenstimmen (Wolfgang Müller und Thorsten Fräulin) den Grundsatzbeschluss gefasst, das Projekt „Wohn- und Geschäftshaus am Kurpark“ weiter voranzutreiben. Die Verwaltung wurde beauftragt, das Vorhaben konzeptionell mit dem Bauprojektentwickler, dem DRK und Fachplanern weiterzuentwickeln. Zu den notwendigen Planungsschritten gehören insbesondere die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie die Einholung der Stellungnahmen der Fachbehörden. Parallel soll mit dem Projektentwickler ein städtebaulicher Vertrag über Rahmenvereinbarungen und Kostenbeteiligung erarbeitet werden. Darüber hinaus ist der Vertrag zum Verkauf der notwendigen Grundstücksflächen abzuschließen, heißt es in der Verwaltungsvorlage.
Die Kosten für das Bebauungsplanverfahren trägt der Investor, hieß es auf Nachfrage von Florian Wunderlin (CDU).