Den Ausbau der Windkraft sehen einige Bürger äußerst kritisch. Foto: Andy Ilmberger - stock.adobe.com

Drei Windräder stehen bereits, 16 seien geplant und weitere zehn könnten hinzukommen. Die Bürgerinitiative Gegenwind-Kraftgruppe Sulz-Dornhan-Vöhringen sieht „unsere Heimat in großer Gefahr“ und hat zu einer Infoveranstaltung in die Stadthalle eingeladen. Dabei wurde es mitunter emotional.

Es dürften rund 400 Interessierte, viele auch von außerhalb Sulz, Dornhan und Vöhringen, gewesen sein, die sich die Vorträge von Hansjörg Jung aus Herrenberg und Michael Thorwart aus Haigerloch-Gruol anhörten.

 

Beide machten deutlich, dass Windkraftanlagen zumindest dort keinen Sinn machen, wo kein Wind weht. „Sie gehören nicht in den Wald“, sagte Jung. Und die Alternative zur Klimarettung? Laut Thorwart ist es die Rückkehr zur Kernenergie.

„Mit gravierenden Folgen zu rechnen“

Die Veranstaltung moderierte Simone Walker-Hertkorn aus Starzach, wo ebenfalls eine Bürgerinitiative gegründet worden ist. Hier seien zehn bis zu 290 Meter hohe Windkraftanlagen geplant: „Wir müssen mit gravierenden Folgen rechnen“, meinte sie.

Einige davon zeigte Jung auf. Er betrachtete Windkraft mehr aus einer technischen Sicht. „Entscheidend ist die Windgeschwindigkeit“, erklärte er. Höhere Anlagen brächten größere Erträge. Die neuesten Anlagen hätten eine Höhe von 285 Meter, denkbar seien sogar noch höhere. Allerdings seien nur 59 Prozent der Windleistung nutzbar.

Zu wenig Wind

Wenn dann noch weitere Verluste mit einberechnet würden, seien es sogar nur noch 49 Prozent, die als Strom ins Netz eingespeist würden. „In Baden-Württemberg sind wir nicht mit Wind gesegnet“, sagte er. Den Windgutachten bescheinigte er „grobe Berechnungsfehler“.

Seine Empfehlung: Zwei Gutachten erstellen zu lassen. Was die Stromerträge ebenfalls reduzierten, seien Abschaltungen, etwa bei Sturm oder wegen des Artenschutzes. Dabei sei inzwischen die Liste der kollisionsgefährdeten Vogelarten mit Windrädern halbiert worden, monierte er. Für die Anlagen würden zudem riesige Betonmengen erforderlich. Eiswurf sei eine reale Gefahr. Ein Brand in der Gondel sei nur schwer zu löschen, zudem könnten bei einem Brand feine Fasern gesundheitsschädliche Auswirkungen haben.

Kernkraft als Lösung

„Mir geht es um die große Sichtweise“, erklärte Michael Thorwart, der die Energiewende als gescheitert sieht. Er argumentierte mit der Physik: Er zeigte auf, dass die erneuerbaren Energien gegenüber der Kernkraft eine sehr geringe Energiedichte hätten, deshalb auch mehr Platz und Material beanspruchten.

Die Versorgungssicherheit sei ein zweites unlösbares Problem. CDU-Mitglied Thorwart versicherte, kein Leugner der Klimakrise zu sein, man müsse etwas gegen den Klimawandel unternehmen. Sein Credo sei: „Klimaschutz funktioniert nur mit Kernenergie“, aber nicht mit den alten Atomkraftanlagen, sondern mit Kernenergie der vierten und fünften Generation. So könnten Salzschmelze- und Dual-Fluid-Reaktoren bereits in wenigen Jahren gebaut werden.

Durch Zwischenrufe gestört

Im Gegensatz zu Deutschland beschäftigten sich andere Länder mit diesen modernen Anlagen. Diese seien „inhärent sicher“, militärisch uninteressant und hätten eine hohe Wirtschaftlichkeit. Zudem könnten sie mit der Wiederverwertung des vorhandenen Atommülls 25 Jahre lang den Strombedarf in Deutschland decken. Dabei lägen die Stromkosten bei 0,6 Cent pro Kilowattstunde.

Der Vortrag wurde vereinzelt durch Zwischenrufe gestört. Auch bei der Fragerunde ist es teilweise emotional geworden. Ein Windkraftbefürworter wollte einen Gegenvortrag halten, wurde aber vom Publikum gedrängt, seine Frage zu stellen. Derweil durfte ein Windkraftgegner und Vorsitzender einer Bürgerinitiative seine Empfehlungen ungehindert aussprechen.

Einige Fragen blieben unbeantwortet

Unbeantwortet blieben die schriftlich gestellten Fragen an die Bürgerinitiative, was gegen Windkraft in Sulz und Dornhan unternommen werden könne und ob es eine Unterschriftenaktion gegen Windräder gebe.