Die Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Schwarzwald-Baar-Heuberg, Henriette Stanley, wirbt für die Vermittlung junger Leute aus dem Inselstaat. Dass dies gut klappen kann, zeigt dieses Beispiel.
Azubis sind mittlerweile Mangelware in Deutschland, auch im Bereich Schwarzwald-Baar-Heuberg. Doch es gibt eine Alternative – die der Zuwanderung. Nun fand im Rathaus Schönwald eine Informationsveranstaltung statt, die genau dieses Thema behandelte. Sind Auszubildende aus Indonesien die Lösung?
Bürgermeister Christian Wörpel begrüßte die eher übersichtliche Menge, die sich von Henriette Stanley, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung Schwarzwald-Baar-Heuberg (WiFöG SBH), und Projektleiterin Nurul Aini, einer promovierten Medizinerin aus Indonesien, über Möglichkeiten informieren ließ.
Begonnen habe sie damit, Studierende nach Deutschland zu vermitteln, nachdem sie ein weiterführendes Studium an der Hochschule Furtwangen absolviert hatte. Rund 2500 Studierende habe ihre Organisation mittlerweile vermittelt. Dann aber sei die WiFöG SBH auf die zugekommen, ob sie das auch für Azubis machen könne. Ihre erste Frage: „Was ist das?“
Erste Hürde: die Sprache
Dann begann sie ihr Werk, das aber erst seit knapp zwei Jahren Früchte trägt. Denn erste Voraussetzung ist die Sprache, welche für Menschen aus asiatischen Ländern sehr herausfordernd sei, weil es keinerlei Sprachverwandtschaft gebe. Daher war ihr erstes Projekt, interessierten Jugendlichen ein (erfreulich hohes) deutsches Sprachniveau zu vermitteln.
Hunderte Stunden büffeln
Rund 1200 bis 1300 Stunden lernen die Schülerinnen und Schüler Deutsch, bis sie das B1-Niveau erreichen. In Deutschland angekommen, findet weiterführender Online-Unterricht statt, der sie zum B2-Niveau führt.
Man müsse betonen, so Stanley, dass die Alterspyramide auf den gut 17 000 Inseln eher genau umgekehrt aussieht wie in Deutschland – sehr vielen jungen Menschen stünden verhältnismäßig wenige Alte gegenüber. Erschwerend komme hinzu, dass es wenige Arbeitsplätze gebe. „Die jungen Leute bei uns wollen arbeiten und haben kaum Perspektiven“, räumte auch die indonesische Projektleiterin ein.
Wenn nun ein Unternehmen, gleich welcher Art, Interesse habe, Azubis aus dem Inselstaat aufzunehmen, gebe es einen sehr strukturierten Ablauf, der von beiden Seiten Transparenz erfordere.
Unternehmen gefordert
Die Unternehmen müssten sehr genau darstellen, was auf die jungen Menschen zukomme – am Ende erhielten sie entsprechende Bewerbungen. Online bestehe dann die Möglichkeit, per Video-Anruf Bewerbungsgespräche zu führen.
Ein kleines Hemmnis sei noch das Thema Visum, für das es einige Zusagen (vor allem finanzieller Art seitens der Betriebe) brauche.
Beispiel aus der Praxis
Als Beispiel hatte Stanley von der Firma Burger Industriewerke (BIW) in Schonach die Ausbildungsleiterin Angie Lafrentz und den Azubi Bagas Kurniawan mitgebracht. Dieser zeigte sich begeistert von der Arbeit bei BIW und wie er dort und auch in der Berufsschule aufgenommen worden sei. Und wie Lafrentz betonte, obwohl er in Villingen wohne, komme er immer pünktlich und sei höchst motiviert.
Herbert Rombach vom gleichnamigen Schonacher Sägewerk zeigte sich hoch interessiert, bewies aber auch eine leichte Skepsis. So sei seine Firma eher schwer erreichbar, da brauche es schon eine Unterkunft zumindest in Schonach.
Wohnen im Skidorf
Was aber mittlerweile auch kein Problem darstelle, da sich bereits einige Schonacher Arbeitgeber gefunden hätten, die für das nächste Ausbildungsjahr indonesische Azubis einstellen – die Mehrzahl wohne dann im Skidorf. „Wo mal einige leben, kommen andere dazu. Und da auch nach einer guten Ausbildung im Herkunftsland keine Arbeitsplätze vorhanden sind, werden wohl die meisten bleiben“, betont die Wirtschaftsförderin.