Bei der Infoveranstaltung zum Wasser waren zahlreiche Zuhörer gekommen. Foto: Jansen

Die Stimmung in Wildberg ist aufgeheizt durch die Diskussion über die Wasserpreise. In der Infoveranstaltung in Gültlingen ging es auch um Anfeindungen gegen Stadtmitarbeiter – und deren Kinder. Zum Wasser ging es um mögliche Brunnenbohrungen in Wildberg, Gewinnerzielung und wie Wassersparen den Preis pro Kubikmeter in die Höhe treibt.

Nachdem das Thema Wassergebühren in Wildberg in den vergangenen Wochen für Frust sorgte, hat die Stadt Infoveranstaltungen abgehalten. Die zweite Versammlung in Gültlingen blieb zwar friedlicher als die erste, doch es zeigte sich, wie aufgeheizt die Stimmung ist.

 

Manuel Angerhofer vom Abwasserbetrieb nutzte die Gelegenheit, einen Appell an die Bürger zu richten. Stadtmitarbeiter würden in der aufgeheizten Stimmung angefeindet, auch er sei davon betroffen. Doch es ging noch weiter: Diesen Anfeindungen seien auch seine Kinder ausgesetzt gewesen – eine klare Grenzüberschreitung. Niemand könne wollen „dass Kinder geduckt durchs Leben gehen“. Deshalb: „Mein Appell an euch alle: bleibt sachlich“, bat er. „Überlegt auch, was soziale Medien für eine scharfe Waffe sein können.“ Er wurde mit zustimmendem Applaus bedacht.

Darauf ging auch die Initiatorin der Wasserpetition, Caroline Schulz, in der Fragerunde ein. Auch ihre Kinder hätten Angst wegen der Situation. Sie distanzierte sich ausdrücklich von den Anfeindungen gegen Stadtmitarbeiter: „Es ist nicht zielführend, wenn die Leute angeschuldigt oder bedroht werden. Wir müssen schauen, dass wir gemeinsam an einer Lösung arbeiten.“

Ein anderer Effringer erklärte: „Die Wut ist durch die 4,55 Euro für den Kubikmeter entstanden.“ In Deckenpfronn, die durch den Buchenwasserzweckverband genau das gleiche Wasser wie Wildberg bekommen, liege der Preis nur bei 2,15 Euro für den Kubikmeter.

Stadtrat Edwin Bäuerle lobte in der Fragerunde Schulz’ Petition für faire und transparente Gebühren. Über diese werde erst richtig klar, wie viele Menschen das Thema Wassergebühren eigentlich beschäftigt. Er plädierte dafür, nicht gewinnerzielend, sondern kostendeckend zu arbeiten. „Nicht alle Gemeinderäte stimmen für solche Sachen“, betonte er. Im Vorfeld hatte es Kritik an einer Entscheidung des Gemeinderats aus dem Jahr 2017 gegeben, mit dem Wasser Gewinn erzielen zu wollen. An anderen Stellen könne eingespart werden, etwa bei der Musikschule, meinte Bäuerle.

Bürgermeister Ulrich Bünger zeigte sich erstaunt über Bäuerles öffentliche Erklärung: „Als Gemeinderat haben Sie gelobt, für das Allgemeinwohl einzutreten.“ Eine Frau rief dazwischen, dass Bäuerle als Privatperson bei der Veranstaltung sei. Bünger antwortete weiter, dass es in seinen Augen nicht in Ordnung sei, die Musikschule gegen die Wassergebühren auszuspielen.

Die Zwischenruferin war die nächste Rednerin. „Herr Bäuerle ist hier privat, der kann sagen, was er möchte, so sehe ich das und finde es nicht in Ordnung, dass man ihn so runterputzt“, erklärte sie deutlich. Bäuerle erwiderte gelassen: „Das bin ich gewohnt.“ Zu den Finanzen meinte die Gültlingerin: „Vielleicht muss man auch mal schauen, wie man das Geld verteilen kann. Also ich habe noch niemanden gehört, der gesagt hat: „Ja, diesen Kreisverkehr, den braucht man unbedingt.“ Sie wurde mit starkem Applaus bedacht.

„Also wenn wir alle mehr Wasser verbrauchen, wird’s billiger?“

Auch eine Art Teufelskreis wurde in der Fragerunde zur Sprache gebracht. Denn der Durchschnittsverbrauch sei gesunken, berichtete Bünger. Das bedeute aber auch, dass die Kosten, die unabhängig vom Verbrauch sind, auf weniger Kubikmeter Wasser aufgeteilt werden müssten.

Somit steige der Preis pro Kubikmeter, wenn weniger Wasser verbraucht wird. Die direkte Antwort aus dem Publikum: „Also wenn wir alle mehr Wasser verbrauchen, wird’s billiger?“ Nein, ganz so sei es auch nicht. Denn durch den geringeren Verbrauch werde trotzdem Geld eingespart, erklärte Bünger.

Brunnenbohrungen kosten mindestens 100.000 Euro

Es wurde die Frage gestellt, ob es möglich wäre, im Stadtgebiet neue Brunnen zu bohren. Der Brunnen in Effringen, wurde im Vortrag der Stadt deutlich, sei kurz vorm Versiegen. Bünger erklärte: „Eine Bohrung kostet zwischen 100 000 und 200 000 Euro. Da muss man sich gut überlegen, ob es Erfolg verspricht.“

Eine weitere Zuhörerin blickte in die Zukunft: „Wo sind die Kosten in einigen Jahren? Und können sich das Familien und Betriebe noch leisten?“ Bünger antwortete: „Das kann ich Ihnen in Zahlen nicht beantworten.“ Die Prognosen für zukünftige Entwicklungen seien zu unsicher. Beispielsweise mache etwa die Quagga-Muschel im Bodensee massive Probleme für die Trinkwasserversorgung. Die Quagga-Muschel verstopft die Leitungen, wodurch weniger Wasser gefördert und aufbereitet werden kann.

Was das Wasser laut Stadt teuer macht

Topografie und Personal
Die Gründe für die hohen Wassergebühren sind laut Stadt vor allem die Topographie Wildbergs mit seiner Berg- und Tallandschaft. Personell werden zwei Teams, je für Abwasser als auch für Frischwasser, untererhalten. Diese sind stets in Bereitschaft und, vor allem bei Notfällen wie Rohrbrüchen, rund um die Uhr im Einsatz.

Eigenbetriebe
Frischwasser und Abwasser sind in Eigenbetrieben organisiert. Ihre Gewinne und Verluste werden nicht mit dem Kernhaushalt verrechnet. Allerdings zahlt der Frischwasserbetrieb eine Konzessionsabgabe, für die Nutzung der städtischen Infrastruktur. Die Eigenbetriebe haben darüber hinaus etwa Aufwendungen für die Qualitätssicherung.

Knappheit
Wasser ist mittlerweile ein knappes Gut. Manche Gemeinden würden bereits unter Wasserknappheit leiden, das hat dann Auswirkung auf Neubau, Gewerbe und Löschwasserverfügbarkeit, erläuterte Bürgermeister Ulrich Bünger. Der Bodenseewasser-Zweckverband könne keine Erhöhung des Wasserbezugs mehr gewähren. Dementsprechend bedürfe es Investitionen in die zukünftige Wasserversorgung.

Mehrere Versorgungsgebiete
Das Stadtgebiet mit seinen Teilorten besteht aus drei Versorgungsgebieten. So entstehen etwa Kosten durch verschiedene Zweckverbands-Mitgliedschaften. Derzeit wird baulich umstrukturiert, damit sich die Stadtteile gegenseitig mit Wasser aushelfen können. Im Moment geht das nicht: So existiert etwa zwischen Effringen und Wildberg keine Wasserleitungsverbindung.