Zahlreiche Bürger kamen zum öffentlichen Waldbegang im Glattener Wald. Foto: Uwe Ade

Großflächige Holzerntemaßnahmen haben in Glatten für Unmut und Informationsbedarf gesorgt. Forstvertreter kamen dem jetzt mit einem öffentlichen Waldbegang nach.

Mehr als 30 interessierten Bürger, Gemeinde- und Ortschaftsräte kamen am Samstagmorgen zum öffentlichen Waldbegang im Glattener Wald und bekamen interessante Einblicke in die nachhaltige Waldbewirtschaftung und Ziele für die Zukunft. Aufgezeigt wurde, dass die Auswirkungen des Klimawandels deutlich zu spüren sind den Gemeindewald stark herausfordern.

 

Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer freute sich über das rege Interesse. Er hieß den Forstbereichsleiter des Stadtwalds Freudenstadt, Björn Waidelich, und Glattens Revierförster Jochen Armbruster willkommen. „Dass so viele gekommen sind, zeigt, dass Sie eine enge Verbindung zu ihrem Wald haben, dass er Ihnen am Herzen liegt und Sie wissen wollen, was da passiert“, freute sich auch Waidelich über das Interesse. Ziel sei ein klimaresistenter und stabiler Mischwald, betonte er.

Karl Franz, einer der Bürger, lobte mehrfach die Maßnahmen am Schopflocher Berg neben dem Weg vom Parkplatz Richtung Steinbruch. Er komme schon Jahre hierher und schaue den Wald hier an. Ernten könne man hier eigentlich jedes Jahr zwei Pfund Haselnüsse, aber keinen Wald. Er meine, das sei hier sehr gut gemacht und er hoffe auch, dass der Wald hier wieder wachse.

Lichtraum geöffnet

Nahe dem Treffpunkt am Waldparkplatz „Lichthof“ war der erste Informationspunkt. Dort erläuterte Revierförster Armbruster auch anhand von Schaubildern Maßnahmen, Zustand und Entwicklung des Glattener Walds. Entlang der Schopflocher Steige etwa sei der „Lichtraum geöffnet“ worden. Bäume die in den Fahrbahnbereich ragten, einen schlechten Gesundheitszustand aufwiesen, beschädigt waren oder geringe Qualität hatten, seien gefällt worden.

Dies war in der Bevölkerung teilweise als übertrieben angesehen worden. Ein Bürger hatte jüngst in der Einwohnerfragestunde im Gemeinderat gar von „Raubbau“ gesprochen.

Revierförster Jochen Armbruster, Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer und Forstbereichsleiter Björn Waidelich (von links) informierten zum Gemeindewald und dessen Bewirtschaftung. Foto: Uwe Ade

Armbruster erklärte, dass es für Fichten und auch Tannen zunehmend, vor allem auf Muschelkalkböden wie hier an der Hangoberkante an den Feldern, Probleme durch Trockenheit und größere Schäden gebe. Deshalb seien hier nun Hybridlärchen gepflanzt worden. Zur Frage, was bei möglichen Ausfällen bei Anpflanzungen passiere, sagte Armbruster, dass dann nachgepflanzt werde. Weiter informierte Armbruster über die auf zehn Jahre ausgelegte Forsteinrichtung, bei der auch der Klimawandel ein großes Thema sei. Was die festgelegten Hiebsätze angehe, sei man im Plan. Nachhaltigkeit sei gegeben, betonte er, und es werde nicht mehr genutzt als nachwachse.

Vom Sommer 2025 bis Frühjahr 2026 sei der Gemeindewald Glatten durchforstet worden. Ein Großteil der Erlöse fließe direkt zurück in den notwendigen Waldumbau hin zu klimaangepassten Beständen.

Laubholzanteil soll steigen

An Station zwei informierte Armbruster zu einer Pflanzfläche. Mit Blick auf die auch in Glatten durchschnittlich steigenden Jahrestemperaturen bestehe im Gemeindewald durch den hohen Nadelholzanteil von 92 Prozent ein hohes Risiko für Tanne und Fichte. Zentrales Ziel sei es deshalb, den Laubholzanteil deutlich auf 30 Prozent zu erhöhen. Seit 2022 seien Laubbäume auf einer Fläche von 8,7 Hektar gepflanzt worden. In diesem Frühjahr sollen rund 5000 weitere Bäume gesetzt werden, darunter Eichen, Winterlinden, Vogelkirschen, Bergahorne sowie Douglasien und Lärchen.

Auch wies Armbruster darauf hin, dass in den kommenden zehn Jahren rund 14 Hektar Waldfläche mit klimaresistenten Baumarten künstlich verjüngt werden sollen. Als weitere Ziele nannte er die Förderung natürlicher Verjüngung, eine dauerhafte Anpassung der Rehwildbestände und eine standortgerechte Baumartenwahl unter Berücksichtigung der Folgen des Klimawandels.

Nach dem Waldbegang wurde noch die Möglichkeit geboten, rund um Böffingen Pflanzflächen zu besichtigen.

Insgesamt 470 Hektar

Gesamtgröße
Der Gemeindewald Glatten ist circa 470 Hektar groß und reicht von Loßburg bis Neuneck. Der Holzvorrat mit 485 Vorratsfestmetern (2022) pro Hektar (Vfm/ha) liegt über dem Kreisdurchschnitt und beträchtlich über dem deutschlandweiten Durchschnitt von 335 Vfm/ha.

Problemzonen
Dürreschäden und Probleme für Fichte und Tanne treten vor allem an den Kalkschutthängen im Bereich Muschelkalk rund um Glatten auf. Im oberen Wald bei Loßburg (rund 140 Hektar) mit guter Naturverjüngung gibt es weniger Probleme durch Buntsandstein, höhere Niederschläge und stufig aufgebaute Wälder aus Tanne, Fichte und Buche.