Der Leser beschäftigt das Impfen, das Gesundheitsamt beantwortet Fragen. (Symbolfoto) Foto: Puwasit Inyavileart – stock.adobe.com

Nebenwirkungen sind selten. Auch bei Erkältung kann geimpft werden.

Kreis Rottweil - Auch wenn sich der Impfstart im Kreis Rottweil wie in anderen im Land verzögert, so gibt es doch Fragen zum Thema von unseren Lesern. Wir haben sie an die Landkreisverwaltung weitergeleitet und entsprechende Antworten erhalten-  mit Verweis unter anderem auf das Robert-Koch-Institut (RKI). Es ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention.

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Wie gesund und fit muss man sein, um gegen das Coronavirus geimpft werden zu können, also: Was sind die körperlichen Kriterien, um geimpft werden zu können?

Laut Robert-Koch-Institut sollen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, für die der Impfstoff aktuell nicht zugelassen ist, nicht geimpft werden. Da noch nicht ausreichende Erfahrungen vorliegen, ist die Impfung in der Schwangerschaft und Stillzeit derzeit nur nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung empfohlen.

Wer an einer akuten Krankheit mit Fieber über 38,5 Grad Celsius leidet, soll erst nach Genesung geimpft werden. Eine Erkältung oder gering erhöhte Temperatur (unter 38,5 Grad) ist jedoch kein Grund, die Impfung zu verschieben. Bei einer Überempfindlichkeit gegenüber einem Impfstoffbestandteil sollte nicht geimpft werden. Der Impfärztin und dem Impfarzt soll vor der Impfung mitgeteilt werden, wenn man Allergien haben.

Kann man oder muss man sich auch impfen lassen, wenn man bereits eine Virus-Erkrankung überstanden hat oder ist eine Impfung dann nicht mehr notwendig?

Nach den bisher vorliegenden Daten – so das RKI – gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Covid-19-Impfung nach unbemerkt durchgemachter Sars-CoV-Infektion gefährlich ist. Daher ist es auch nicht notwendig, vor Verabreichung einer Covid-19-Impfung eine akute asymptomatische oder unerkannt durchgemachte Sars-CoV-2 Infektion labordiagnostisch auszuschließen.

Zur Frage, wann Personen mit nachgewiesenermaßen durchgemachter Sars-CoV-2-Infektion eine Impfung angeboten werden sollte, kann die Ständige Impfkommission (Stiko) auf Basis der aktuell vorliegenden Evidenz noch keine endgültige Aussage machen. Nach überwiegender Expertenmeinung sollten Personen, die eine labordiagnostisch gesicherte Infektion mit Sars-CoV-2 durchgemacht haben, zunächst nicht geimpft werden.

Es ist davon auszugehen, dass nach einer überstandenen Infektion bei den meisten Menschen zumindest eine gewisse Schutzwirkung besteht. Wie lange diese anhält, ist jedoch noch nicht abschließend zu beantworten. Wenn neue Daten zu dieser Frage vorliegen, wird sich die Stiko dazu positionieren, ob und wann eine Impfung nach durchgemachter Infektion erfolgen soll.

Wie lange ist man nach einer Impfung vor einer Viruserkrankung geschützt? Und muss man sich, sollte dieses Coronavirus nicht verschwinden, dann von Jahr zu Jahr impfen lassen?

Noch können keine Langzeitstudien vorliegen, die entsprechende Antworten liefern, dafür laufen die Phase-III-Studien noch zu kurz. Erste Hinweise lassen sich jedoch aus Untersuchungen mit genesenden Covid-19-Patienten ablesen. Eine kürzlich veröffentlichte Studie des kalifornischen La-Jolla-Instituts für Immunologie hat infizierte Menschen untersucht. Demnach sind sowohl Antikörper als auch T-Zellen (zwei der zentralen Waffen unseres Immunsystems) zumindest fünf Monate nach dem Einsetzen der Symptome noch nachweisbar, selbst bei Verläufen mit milder Symptomatik. Die Studie wurde als sogenanntes Preprint veröffentlicht, ist also bislang nicht von unabhängigen Experten begutachtet worden.

Mit welchen kurzfristigen Nebenwirkungen beim Impfen ist zu achten? Wer haftet dafür, sollte der Impfstoff zu akuten Komplikationen oder dann auch zu Spätfolgen führen?

Das Robert-Koch-Institut sagt dazu: Wie bei jeder Impfung können auch nach der Covid-19-Impfung Impfreaktionen und Nebenwirkungen auftreten. Impfreaktionen treten in der Regel kurz nach der Impfung auf und halten wenige Tage an. Die Stiko hat zunächst nur die Evidenz für den Biontech/Pfizer-Impfstoff, bei dem die Zulassung in Deutschland unmittelbar bevorsteht, bewertet. Dabei wurde die Häufigkeit von Impfreaktionen und Nebenwirkungen, die innerhalb von bis zu 14 Wochen nach Verabreichung des Impfstoffs auftraten, bei Geimpften mit einer Placebogruppe verglichen.

Was lokale Reaktionen anbetrifft, so berichteten in der Altersgruppe 16 bis 55 Jahre 83 Prozent der Geimpften und 14 Prozent der Teilnehmer der Placebo-Gruppe über Schmerzen an der Einstichstelle nach der ersten Dosis. Sechs Prozent der Geimpften und ein Prozent der Placebo-Gruppe dieser Altersgruppe berichteten über Rötung an der Einstichstelle, während sechs Prozent gegenüber null Prozent über Schwellung klagten. Insgesamt traten in der Altersgruppe der über 55-Jährigen weniger Lokalreaktionen auf.

Unter den systemischen Reaktionen waren Abgeschlagenheit (Impfung: 47 Prozent; Placebo: 33 Prozent), Kopfschmerzen (42 Prozent gegenüber 34 Prozent) sowie Muskelschmerzen (21 Prozent gegenüber elf Prozent) die häufigsten Ereignisse nach der ersten Dosis in der Altersgruppe 16 bis 55 Jahre.

Nach der zweiten Impfstoffdosis traten systemische Reaktionen ähnlich häufig auf.

Insbesondere schwere unerwünschte Ereignisse mit hohem Schweregrad und solche, die als lebensbedrohlich klassifiziert wurden, traten in der Impfstoff- und Placebogruppe gleich häufig auf. Vier schwere unerwünschte Ereignisse wurden als impfstoffbezogen klassifiziert (etwa Schulterverletzung). Weder in der Verum- noch in der Placebogruppe traten Todesfälle auf, die auf die Injektion des Impfstoffs oder der Kochsalzlösung zurückzuführen waren. (Verumgruppe ist die Gruppe, die den Impfstoff erhalten hat).

Das Bundesministerium für Gesundheit äußert: Nebenwirkungen bei Impfstoffen sind selten, aber nie ganz auszuschließen. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) beobachtet auftretende Nebenwirkungen aufmerksam. Verdachtsfälle von Impfkomplikationen können dem PEI direkt über die Webseite übermittelt werden. Jede und jeder kann sich dort melden, wenn er oder sie einen Zusammenhang mit der Impfung vermutet. Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker und die Unternehmen sind zu Meldungen verpflichtet.

Darüber hinaus kann eine Meldung künftig auch über eine spezielle App erfolgen. Diese wird vom Paul-Ehrlich-Institut entwickelt und ist in Kürze in den App-Stores verfügbar.

Wenn es durch die Anwendung des Impfstoffs zu einer Schädigung kommt, kommt je nach Fallgestaltung eine Haftung unter anderem des pharmazeutischen Unternehmens aufgrund verschiedener gesetzlicher Grundlagen in Betracht. Haftungsregelungen können sich ergeben aus dem Arzneimittelrecht, dem Produkthaftungsgesetz sowie den allgemeinen Haftungsregelungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Im Infektionsschutzgesetz (Paragraf 60 Absatz 1 Seite 1 IfSG) ist genau geregelt, wann jemand einen Antrag auf Versorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz stellen kann. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn jemand durch eine Impfung, die von einer zuständigen Landesbehörde öffentlich empfohlen wurde, gesundheitlichen Schaden erlitten hat.

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