Wie kann und soll sich Königsfeld in Zukunft städtebaulich entwickeln? Diese Frage stand nun bei einem Infomarkt am Tag der Städtebauförderung im Mittelpunkt. Dabei durfte das Publikum auch eigene Ideen zur Ortsentwicklung formulieren.
Die Dimension der bevorstehenden Aufgaben verdeutlichte Bürgermeister Fritz Link anhand des abgeschlossenen Sanierungsverfahrens „Ortskern Königsfeld“ mit förderfähigen Kosten von 5,44 Millionen Euro und Zuschüssen von 3,26 Millionen Euro. Er erinnerte unter anderem an 16 private Modernisierungsmaßnahmen sowie die Neugestaltung von Rathausumfeld und Zinzendorfplatz. Ein ähnliches Programm soll für den südlichen Ortskern aufgelegt werden. Bürger sind dazu aufgerufen, sich mit Anregungen einzubringen.
Voraussetzung für Zuschüsse sind ein gesamtörtliches Entwicklungskonzept (GEK) sowie ein gebietsbezogenes, integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept, das neben dem Kernort alle Ortsteile berücksichtigt. Untersucht wird bereits die Möglichkeit einer Kita in der Grundschule im Kernort und der Umbau der dortigen Sporthalle zu einer Mehrzweckhalle für die Gesamtgemeinde. Auch werden Standorte für ein Feuerwehrgerätehaus für die Abteilungen Königsfeld, Erdmannsweiler und Burgberg untersucht. Einer davon ist ein Grundstück beim Sägeweiher, das die Gemeinde zurückkaufen kann.
Die Bevölkerung altert
Laut Thomas Geissler von der KE GmbH fließen in die Planung Aspekte wie Tourismus, Wirtschaft und soziale Infrastruktur ein. Ihm zufolge bekam Königsfeld seit 1990 jährlich durchschnittlich 34 Neubürger. Bei 20- bis 25-Jährigen gab es aber mehr Fort- als Zuzüge. Der Anteil über 70-Jähriger werde bis 2040 von 19 auf 25 Prozent ansteigen. Das bedinge Wohnbedürfnisse wie Barrierefreiheit oder Anforderungen an Gehwege.
Zusammen mit Kollegin Martina Steireif berichtete Geissler über den östlichen Ortskern, wo Wohnen mit 45 Prozent die vorherrschende Nutzung ist. 39 Prozent der Gebäude weisen erkennbare Mängel auf, 54 Prozent gar starke Mängel. Sanierungen können zu 60 Prozent mit Mitteln der Städtebauförderung finanziert werden, 40 Prozent muss die Gemeine aufbringen.
Neue Flächen sind nötig
Laut Michael Schröder vom Büro Wick und Partner sind aktuell im Flächennutzungsplan aufgeführte Entwicklungsflächen ausgeschöpft, weshalb neue Flächen nötig sind. Dabei gehe es auch um Nachverdichtung, Landschaft, die erst hohe Wohnqualität ermögliche, den öffentlichen Nahverkehr oder Tourismus. „Jeder Ortsteil soll eine gewisse Bauentwicklung haben“, so Schröder.
Marius Weisshaupt vom Büro Weisshaupt zeigte Möglichkeiten zur Freiflächenplanung im Sanierungsgebiet am Beispiel der Rotwaldstraße. Ziel sei die Verbesserung des Mikroklimas, zum Beispiel durch die Verschattung mittels Bäumen oder durch Verdunstungsbeete. Wichtig sei auch der Radverkehr.
Untersuchungen zum Wärmebedarf
Über Wärmeplanung sprach Thomas Beck von Smart Geomatics Informationssysteme. Die Untersuchung soll Erkenntnisse bringen zum Beispiel zum Wärmebedarf von Gebäuden, dem Potenzial von Geothermie, dem Anteil einzelner Energieträger oder dem durch Sanierungen möglichen Einsparpotenzial.
Bürger bringen sich ein
Zuletzt durften Bürger ihre Gedanken formulieren. Sie warnten vor der Zersiedelung der Ortschaften und davor, wie in der Hermann-Voland-Straße durch versetzte Parkflächen Staus zu produzieren, mahnten sanfte Entwicklung in Ortsteilen an. Ideen waren, große Wohnungen teilbar zu machen oder das Zusammenwohnen im Alter zu fördern. Auch Ideen für eine zentrale Wärmeversorgung wurden geäußert.