Seit April kann in Deutschland legal „gekifft“ werden – doch noch immer ranken sich viele Fragen und Bedenken rund um das Thema. In Königsfeld wurden diese nun bei einem Informationsabend zur Suchtprävention besprochen. Unterschiedliche Meinungen wurden laut.
Verschiedenste Aspekte von Drogenkonsum waren Thema beim Infoabend zu „Suchtprävention und Cannabis-Legalisierung“.
Bürgermeister Fritz Link berichtete, dass unbestimmte Rechtsbegriffe in den Gesetzen zur Cannabisfreigabe in der Praxis Herausforderungen brächten. Vermehrten Drogenkonsum am Natursportpark gebe es nach bisherigem Kenntnisstand nicht. Legaler Cannabiskonsum sei dort aber auch künftig nicht möglich.
Cannabis ist die am häufigsten konsumierte Droge
Laut Simone Burger, Leiterin der Fachstelle Sucht Villingen-Schwenningen, ist Cannabis zwar die am häufigsten konsumierte, erst seit Kurzem legale, Droge in Deutschland, diesbezügliche Todesfälle lagen im vergangenen Jahr aber bei Null, bei Alkohol dagegen bei 74 000. Nikotin mit 120 000 Todesfällen zähle zu den harten Drogen, mit einem Abhängigkeitspotenzial ähnlich zum Heroin.
Gefahr der Psychose für jüngere?
Cannabinoide wirkten sich auf Wahrnehmung, Gedächtnis, Motorik oder Appetit aus, Entzugserscheinungen seien Schlafprobleme, Aggressivität, Erbrechen oder Kopfschmerzen. Cannabis als Einstiegsdroge sei aber durchgängig nicht nachgewiesen. Für die jetzige Legalisierung würden die bessere Kontrolle der Wirkstoffstärke oder die Verhinderung von Streckstoffen sprechen, dagegen der mögliche Anstieg des Konsums. Eine Erhebung in Kanada zeige aber, dass der nicht signifikant sei.
Weitaus problematischer sah Burger Psychosegefahren, da der Konsum schon für 18-Jährige legal ist. Experten rieten eher zu 21, Link sprach gar von 25. Es gebe zwar wenige Fälle, die seien dafür aber um so dramatischer, so Burger: „Cannabis ist nicht harmlos, der Konsum ist so gering wie möglich zu halten, ein Verbot verhindert diesen aber nicht.“
Fragen der Besucher stellten sich neben Burger und Link auch Joachim Jünemann, Internatsleiter der Zinzendorfschulen, Siegfried Silberer, Rauschgiftsachbearbeiter beim Polizeirevier St. Georgen und Michael Ilg, Leiter des Referats Prävention beim Polizeipräsidium Konstanz.
Probleme mit THC im Verkehr
Letztere verdeutlichten Probleme wie zum Beispiel, dass drei Pflanzen für Privatpersonen wohl mehr als die erlaubten 50 Gramm produzieren. Auch sei die bei Verkehrskontrollen nicht zu beanstandende Menge THCs problematisch, da es im Gegensatz zum Alkohol keine feste Zeitspanne gebe, nach der sich THC im Körper abbaue. Anders als der Alkohol sammle sich der Suchtstoff im Fettgewebe und könnte zu einem späteren Zeitpunkt abgegeben werden.
Kritisch sah Link, dass es faktisch unmöglich ist, jetzt schon legal angebautes Cannabis zu besitzen.
Besucher wünschen sich mehr Aufklärung
Jünemann beschrieb das mehrstufige Konzept der Zinzendorfschulen, um Suchtverhalten jeglicher Art zumindest einzudämmen. Ein Besucher wünschte sich mehr Aufklärung, Ilg wies auf fast 200 Veranstaltungen der Polizei 2023 hin, unter anderem in einem Präventionstheater, in dem die Akteure ehemals Abhängige sind. Allgemein erscheint aber die Finanzierung von Angeboten als Problem.
Ein Gast kritisierte die Verharmlosung psychischer Schäden, ein weiterer mahnte, dass Alkohol dem jungen Gehirn genauso wenig gut tue und stellte dessen Abgabe ab 16 Jahren infrage. Das könne kein Argument sein, Cannabis zu legalisieren, so Link. Eine Besucherin kritisierte Vereine und die gesellschaftliche „Feierkultur“.
Die Droge gebe es seit Jahrzehnten, das neue Gesetz sei ein Versuch, damit umzugehen, so eine Besucherin. Einig war man sich, dass niederschwellige Anlaufstellen zur Aufklärung nötig sind, um die Eigenverantwortung zu stärken und damit einen bewussten, kritischen Umgang zum Suchtmittelkonsum zu ermöglichen.