Viele Fragen gibt es zum einen interkommunalen Windpark zwischen Oberndorf und Fluorn-Winzeln.
„Windmühlen“ im Wisoch? „Warum nicht!“, sagt der Regionalverband, der Flächen ausweisen muss. In seinem Verbandsgebiet – das sind die Landkreise Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar – sind in der Zusammenschau von einem gewissen Maß Windhöffigkeit, der Siedlungsverteilung und ausschließenden Natur- und Artenschutzlokalisierungen mögliche Standorte zu benennen.
Dazu gehört auch die jetzt in Diskussion stehende Fläche, die sich fast über den gesamten „Wisoch“-Wald, also Stadtwald von Oberndorf, und von dort nach Westen Richtung Kirntal erstreckt und mit etwas Abstand im Norden und Süden von der L415 beziehungsweise der Oberndorfer Straße begrenzt wird.
Badenova will einsteigen
Der kommunale Versorger Badenova interessiert sich für diese Fläche und könnte sich vorstellen, dort einen Windpark zu errichten und zu betreiben. Gerne auch mit kommunaler oder, etwa im Sinne einer Bürgergenossenschaft, privater Beteiligung.
In den Gemeinderäten in Fluorn-Winzeln und Oberndorf ist das Projekt bereits andiskutiert worden. In der Doppelgemeinde gibt es einen Grundsatzbeschluss zur Förderung von Windkraft, das Oberndorfer Protokoll weist eine „Kenntnisnahme“ aus. Was „Wisoch“ betrifft, ist man also gerade mal kurz vor Anfang.
Saalmikro und Online-Frage-Tool
So ist der Informationsabend am Donnerstag als, ganz untechnisch, frühe Bürgerinformation und informelle Anhörung zu interpretieren. Die Moderation obliegt Stefanie Ruschek, die nicht nur das Podium vorstellt und durch den Abend führt, sondern auch die Teilnahme der Öffentlichkeit immer wieder sicherstellt.
Für Fragen und Anmerkungen gibt es, wie man es seit jeher kennt, ein Saalmikrofon. Allerdings können Teilnehmer, die sowohl in Präsenz in der Winzelner Halle sitzen, als auch dem – kurzfristig unterbrochenen – Livestream folgen, elektronisch Fragen stellen. Und dieses Angebot wird gerne wahrgenommen: Eine Stunde nach Veranstaltungsstart gibt es bereits mehr als 100 Wortmeldungen, gegen Ende der Vorträge sind gut 150 Statements und Fragen aufgelaufen.
Inhalte werden öffentlich gemacht
Deren Priorisierung geschieht auch elektronisch. Die am höchsten gewichteten Fragenkomplexe werden vor Ort beantwortet. Alle anderen entweder anschließend in kleinen Runden an Thementischen beziehungsweise -tafeln diskutiert oder schriftlich online nachgereicht. Apropos online: Nicht nur die Präsentation des Podiums, wird öffentlich einzusehen sein, sondern auch ein Protokoll der Veranstaltung.
Transparenz ist gefragt
Information und Transparenz, so die Idee, stehen ganz weit oben. Und dazu gehört in diesem Fall, dass nicht nur Regionalverbandsdirektor Marcel Herzberg das Thema Flächenausweisung und Rahmenbedingungen in der Region erörtert und Sabine Stampf vom Regierungspräsidium rechtliche Voraussetzungen und immissionsrechtliches Genehmigungsverfahren vorstellt. Dazu gehört aber auch, dass Sebastian Schüssler von der Badenova unmissverständlich klarstellt: „Wir haben Interesse. Alle, die bisher gesprochen haben, sind Ausführende für Bundes- und Landesregierung“.
Eine von mehreren Anlagen
Das heißt: Die Badenova will den Windpark realisieren. Zumal sie in Schlagdistanz weitere Engagements im Köcher hat und so Synergien heben könnte. Das ist und bleibt an diesem Abend alles kein Geheimnis. Auch wie der Betreiber als Wegbereiter für den Windpark vorgehen würde, wie er ihn gegebenenfalls betreiben, gerne aber auch Beteiligung abgeben würde, wird kommuniziert. Und dass mit Blick auf die Nachfrage gar nicht mehr so sehr die Idee, grüne Energie für ökologisch engagierte Privathaushalte anbieten, oder Masse mit grüner Energie abdecken zu können, im Vordergrund steht.
Standortfaktor grüner Strom
Rechnerisch könnte der Windpark 40 000 Menschen mit Strom versorgen – 2,3-mal so viel wie die Gesamtstadt Oberndorf und die Gemeinde Fluorn-Winzeln Einwohner haben. Schüssler weist den Blick in eine andere Richtung. Industrielle Kunden fragen grünen Strom nach – zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und dadurch mittelbar Sicherung des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg. Ein Aspekt, den Fluorn-Winzelns Bürgermeister Rainer Betschner in seinem Schlusswort noch einmal aufgreifen und aus der eigenen Praxis bestätigen wird.
Fragen beziehen sich indes vor allem auf zu erwartende mögliche Beeinträchtigungen. Infraschall ist ein großes Thema und das Problem des Schattenwurfs. Werden nicht wichtige Biotope ge- oder gar zerstört? Was ist mit der Feldlerche, die für das Gebiet nachgewiesen sei, und dann ist da noch die Sache mit dem Grundwasser: Wird es in Quantität oder Qualität beeinträchtigt?
Noch bevor die Untersuchungen überhaupt begonnen haben – die werden ja frühestens ausgelöst, wenn ein Betreiber in die Projektplanung einsteigt – hat die Badenova, und das ist ein Pfund mit dem der Anbieter wuchern kann, schon einiges an Vorleistung gebracht.
„Ehrenamtliche Lobbyisten“
Da kommt dem Unternehmen natürlich auch die regionale Kompetenz zupass. Und der Umstand, dass die jetzt auf der Landkarte beteiligten Kommunen auch am Unternehmen beteiligt sind. Fluorn-Winzeln und Oberndorf würden also von dieser Lösung profitieren. Auch daraus macht Betschner keinen Hehl, wenn er sich und seinen Kollegen Winter als „ehrenamtliche Lobbyisten“ darstellt, die es begrüßen würden, wenn dieser Anbieter in die Realisierung ginge. Vor allem mit Blick auf Fluorn-Winzeln.
Denn während sich Oberndorf komplett sperren könnte, da dort nur Stadtwald betroffen ist, hat Fluorn-Winzeln im Zweifelsfall wenig zu entscheiden, weil der Großteil der Flächen auf dieser Gemarkung in Privateigentum sind. Dort könnten also alle möglichen Investoren Vorhaben realisieren, ohne von der Öffentlichkeit eingehegt zu werden.