Gut gefüllt war der Rathaussaal zum Thema Verkehrsberuhigung in Marbach. Nach den ausführlichen Informationen der Initiatoren wurde gemeinsam überlegt, welche Schritte zum Erreichen von Tempo 30 eingeleitet werden sollten. Foto: Ursula Kaletta

„Wen stört’s? Was soll passieren?“ So begann das Treffen zur Gründung einer Interessengemeinschaft zwecks Verkehrsberuhigung auf Marbachs Durchgangsstraßen.

Der starke durch den Ort fahrende Straßenverkehr ist offensichtlich vielen Marbachern ein Dorn im Auge. Daher engagierten sich Ulrich Förderer, Walter Schütz, Kirstin Holst und David Krügel-Holst, um gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern eine Lösung zu finden, mit dem Ziel, Tempo 30 für den gesamten Ort zu erreichen.

 

„Ich freue mich über die große Resonanz,“ sagte Ulrich Förderer, denn 30 Personen kamen zu dem Treffen im Rathaussaal. Unter ihnen fünf Angehörige des Ortschaftsrates. Auch Ortsvorsteherin Irina Ebauer war anwesend, hielt sich jedoch bewusst zurück. „Die Meinungen über Tempo 30 gehen auseinander. Die einen dafür, die anderen dagegen“, bemerkte sie.

Den Zuhörern wurden die Gründe der zunehmenden Verkehrsbelastung erläutert: Seit rund 40 Jahren besteht die Umgehungsstraße B 33, daher wachse das Verkehrsaufkommen. Im benachbarten Brigachtal entstanden Wohn- und Gewerbegebiete, in beiden Orten ist die Zahl der Einwohner gestiegen und somit auf die Zahl der Fahrzeuge, die täglich durch den Ort fahren. Das bringe für alle Verkehrsteilnehmer größere Gefahren, Lärm und Feinstaub mit sich.

Die Vorschläge

Was ist zu tun, um das zu ändern? Die vier Versammlungsleiter hatten folgende Vorschläge: Geschwindigkeitsreduzierung, mit mehr Zebrastreifen gesicherte Fahrbahnübergänge, Schwellen anlegen, Fahrbahnverengung und Verkehrsüberwachung. Vorteile bei Tempo 30: ruhiger, kontinuierlicher Verkehr, 50 Prozent weniger Lärmbelästigung, 62 Prozent weniger Personenschäden, bis zu 72 Prozent weniger Ausstoß von Schadstoffen. Des weiteren Entschärfung der Verkehrsgefahren, geringerer Spritverbrauch, wegen geringerem Bremsen und Beschleunigen.

Bürger berichten

Nach den umfangreichen Informationen nutzen die Anwesenden die Gelegenheit, ihre Erfahrungen mit dem Straßenverkehr zu schildern. Viel zu schnell werde bei den Ampeln an den Zebrastreifen gefahren, Kraftfahrzeuge würden noch bei Rot drüber brettern, wer ordentlich fährt, werde von anderen überholt. Kinder, die eigentlich zur Selbstständigkeit erzogen werden sollten, könne man beim Überqueren der Straße nicht alleine lassen, so äußerte sich eine Mutter. Bewohner an der Kirchdorfer Straße beklagten, dass sie auch im Sommer im Schlafzimmer das Fenster wegen des Lärms nicht öffnen können.

Unterschriften sammeln

Gemeinsam wurde überlegt, was nun zu tun ist. Tempo 30 auf den Durchgangsstraßen sei keine große Sache, in vielen Gemeinden sei dies schon längst passiert, so die Erfahrung der Initiatoren. Nicht gewartet werden soll auf die Große Verkehrskommission, die 2028 vorgesehen sei. Durch eine Unterschriftenaktion, die den entsprechenden Ämtern zugestellt werden soll, könne etwas erreicht werden. Als sinnvoll wurde auch eine Verkehrszählung und eine Lärmmessung angesprochen.

Dies, so berichtete Kirstin Holst, sei zuletzt 2019 geschehen, gezählt wurden 12.754 Fahrzeuge, die täglich durch den Ort gefahren sind. Inzwischen so wird vermutet, habe sich die Zahl erhöht. Tagsüber viele Lastwagen, an Sonn- und Feiertagen Motorradfahrer.

An den Ortschaftsrat wurde die Bitte gerichtet, das Thema in einer nächsten Sitzung aufzunehmen, um es dann nach mehrheitlicher Zustimmung an das Landratsamt weiterzuleiten.

Als weitere Maßnahme wurde vorgeschlagen, Unterschriftenlisten auszulegen: im Rathaus, Kindergarten, Schule, beim Getränkehändler, bei den Vereinen. Hierbei müsse nicht nur der Name eingetragen werden, sondern auch die Adresse. Noch nicht festgelegt wurde, wer die Verteilung dieser Listen übernimmt. Die Ortsvorsteherin machte darauf aufmerksam, dass dabei unbedingt der Datenschutz beachtet werden müsse.

Ausgefüllt mit E-Mail-Adressen wurden an diesem Abend schon einmal die ersten Listen. Ulrich Förderer möchte nun mit allen Kontakt aufnehmen, so dass auch die Möglichkeit bestehe, die Unterschriftenliste digital zu erstellen.