Standen Rede und Antwort (von links): Konrad Nübel von der IBS Ingenieurgesellschaft, Bürgermeister Bernhard Haas, Katrin Rehm vom Beratungsbüro Endura kommunal und Harald Rothfuß von den Stadtwerken Freudenstadt, die den Betrieb führen werden. Foto: Ade

Das Interesse der Dornstetter am Nahwärmenetz scheint riesig. Darauf deutete zumindest die Zahl derer hin, die zur Infoveranstaltung in die Stadthalle kamen.

Dornstetten - Man gehe davon aus, dass das Potenzial für die Nahwärme in Dornstetten so groß ist, dass die Wirtschaftlichkeit des Projekts gegeben sei, sagte denn auch Bürgermeister Bernhard Haas gleich zu Beginn und freute sich über das Interesse.

Haas erinnerte an die Vorgeschichte. So sei man bereits 2019 mit einem energetischen Quartierskonzept im Kernbereich Dornstettens durch das Beratungsbüro Endura kommunal ins Thema gestartet. Es habe sich herausgestellt, dass der Bau einer Nahwärmeversorgung technisch und wirtschaftlich realisierbar erscheine. Interessant sei das Netz auch durch größere Abnehmer wie Schulen, Stadthalle und Rathaus.

Keine Gewinnerzielungsabsichten

Im Sommer 2020, so Haas weiter, startete eine weitere Fragebogenaktion, und die Ingenieurgesellschaft IBS wurde mit einbezogen. Relativ schnell sei klar gewesen, dass man keinen externen Betreiber finde und die Stadt selbst Eigentümer des Netzes und der Heizzentrale werde, so Haas. Schon deshalb lägen bei dem Projekt keine Gewinnerzielungsabsichten vor.

Mitte November sollen nun die Anträge für die Hausanschlüsse an die Interessenten in den Bauabschnitten eins und zwei versandt werden. Bis März 2023 sollten die verbindlich unterzeichneten Verträge der Eigentümer vorliegen, bat der Bürgermeister. Das Prinzip der Nahwärme – "Die Heizung unter der Straße" als nachhaltige Wärmeversorgung – stellte Projektleiterin Katrin Rehm von "Endura kommunal" vor. "Wartungsarm, nachhaltig und langlebig", pries sie die Vorteile der Nahwärme an. Zudem sei man durch sinnvollen Brennstoffmix unabhängiger von der Gas- und Ölpreisentwicklung.

Zwei-Kilometer-Trasse im ersten Bauabschnitt

Eckdaten zum konkreten Konzept nannte Konrad Nübel von der IBS Ingenieurgesellschaft. Angestrebt sei, im Frühjahr und Sommer 2024 mit dem ersten Bauabschnitt zu starten, sodass im Winter 2024/2025 Wärme geliefert werden könne. Im ersten Abschnitt sei eine zwei Kilometer lange Wärmeleitungstrasse vorgesehen: von der Heizzentrale beim Schulzentrum aus am Gymnasium vorbei, dann die Hauptstraße hinab und an der Stadthalle vorbei bis zum Rathaus. Alle Gebäude rechts und links der Straße könnten angeschlossen werden.

Die Wärmegewinnung soll über zwei Heizzentralen erfolgen. So wird die Heizanlage des Schulzentrums um ein Blockheizkraftwerk, das mit Erdgas betrieben wird, ergänzt. Zudem wird eine 1200-kW-Heizanlage mit Hackschnitzeln an der Ausfahrt von der Bundesstraße 28 zur Firma Kaltenbach errichtet. Dort sollen außerdem ein 750 Kubikmeter fassender Wärmespeicher und eine 1800 Quadratmeter große Solaranlage für die Wärmegewinnung errichtet werden. Bei der Heizzentrale gebe es, so Nübel weiter, sollte später Bedarf bestehen, die Möglichkeit einer Erweiterung.

Konzept ermöglicht weitere Bauabschnitte

In beiden Bauabschnitten zusammen ist eine Wärmeerzeugung von rund 6,8 Millionen Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a) geplant – 4,8 Millionen im ersten und etwas über zwei Millionen im zweiten. Das ganze Konzept sei so aufgebaut, dass weitere Bauabschnitte und Anschlüsse möglich seien, so Nübel.

Zur Wärmeerzeugung führte Nübel aus, dass im Brennstoffmix zum Großteil erneuerbare Energien verwendet würden. Zu 63 Prozent soll die Wärme über Hackschnitzel erzeugt werden, zu zehn Prozent über Solarthermie. Im Bauabschnitt eins würden 25 Prozent über das Blockheizkraftwerk und im Bauabschnitt zwei noch 18 Prozent über das Blockheizkraftwerk sowie zehn Prozent über einen Zusatzkessel erzeugt.

Zur Holzheizung informierte Nübel, dass die geplante Wärmeerzeugung bei 3,4 Millionen kWh/a liege. Dafür würden 6100 Kubikmeter Hackschnitzel benötigt, was im Jahr etwa 75 Anlieferungen à 80 Kubikmeter bedeute. Mit dem gasbetriebenen Blockheizkraftwerk am Schulzentrum sei eine Wärmeerzeugung von 1,39 Millionen kWh/a und eine Stromerzeugung von 875 000 kWh/a möglich.

Gemeinderat legt Anschlusspreis fest

Nübel wies darauf hin, dass die Anschlusskosten – bisher sei man von rund 8000 Euro ausgegangen – wegen gestiegener Preise neu berechnet würden. Der Gemeinderat werde sie wohl im November festlegen. Ebenfalls noch festgelegt würden die Preise für den Wärmebezug. Mit 10 000 bis 20 000 Euro müsse für die neue Heizung gerechnet werden, so Nübel. Hinzu kämen die laufenden Kosten, die sich nach dem Verbrauch und den Wärmepreisen richteten.

"Endura kommunal"-Geschäftsführer Rolf Pfeifer bat die Zuhörer, noch ein paar Wochen Zeit zu lassen für eine belastbare Wirtschaftlichkeitsberechnung. Diese sei derzeit wegen der großen Preisschwankungen schwierig. Man müsse noch abwarten, wohin sich der Gaspreis entwickle, zudem stiegen die Hackschnitzelpreise. Erfahrungen aus der Vergangenheit hätten gezeigt, dass für die Wärme aus dem Nahwärmenetz ungefähr die gleichen Kosten wie bei Öl oder Gas anfielen, sagte Pfeifer.

Die Betriebsführung des Nahwärmenetzes in Dornstetten übernehmen die Stadtwerke Freudenstadt. Diese verfügten über 20-jährige Erfahrung im Bereich Wärmenetze, sagte deren Vertreter Harald Rothfuß. Die Stadtwerke brächten sich gerne in das Projekt ein.

Fragerunde: Zweifel an Hackschnitzel-Nachschub

Die anschließende Fragerunde begann mit deutlichen Worten: "Mir platzt der Kragen! Wo bekommen Sie die Hackschnitzel her? Bekommen Sie die aus Russland?", fragte Dieter Mahler auch mit Blick darauf, dass überall Wärmeanlagen gebaut würden. Das sei kein Problem, antwortete Konrad Nübel. Es gebe immer noch einen Riesenüberschuss bei diesem Material. Bürgermeister Bernhard Hass zeigte sich verwundert, dass die Kritik auf Holz abzielte: Er habe eher gedacht, dass es Einwände gegen das gasbetriebene Blockheizkraftwerk gebe.

Zur Frage von Erwin Wetzel, ob der Zeitplan für die Heizzentrale realistisch sei, erklärte Haas, dass die ersten Wärmelieferungen wohl über das Blockheizkraftwerk, um das die Heizung beim Schulzentrum erweitert wird, kommen werde. Es sei sozusagen eine Übergangslösung, da es nicht realistisch sei, dass die Heizzentrale oben an der B 28 bis 2024 fertig sei.

Wasserstoff vorläufig keine Option

Willi Henssler fragte nach der Möglichkeit, das Blockheizkraftwerk anstatt mit Erdgas über Wasserstoff zu betreiben. "Bitte verabschieden Sie sich von dem Gedanken", bat "Endura kommunal"-Geschäftsführer Rolf Pfeifer. Dies sei zwar möglich, Wasserstoff stehe aber in absehbarer Zukunft nicht für die Wärmegewinnung zur Verfügung. Dazu brauche man Strom, und der fehle.

Nach Fragen von Bürgern, ob ihre Häuser in einem der Bauabschnitte lägen, verwies Hass auf die Homepage der Stadt, wo unter dem Stichwort Nahwärme eine Übersicht zu finden ist.