Was bedeutet der Bruch der Ampel-Koalition für das bestehende Gebäudeenergiegesetz? Wie sieht die Zukunft der Energieversorgung aus? Antworten darauf gab es bei einem Infoabend der Sparkasse Pforzheim Calw.
Puh! Da haben die Köpfe im Auditorium ganz schön geschwirrt, als die Referenten Rüdiger Pfrommer und Thomas Börsig ihre Vorträge beendet hatten. Schließlich ging es um ein komplexes Thema, das zudem politisch umstritten ist: die Energiewende.
„Wir bringen Licht ins Dunkel“ hatte die Sparkasse Pforzheim Calw anlässlich ihres Infoabends versprochen. Und dem Chef der Pfrommer Gebäudetechnik GmbH in Würzbach und dem stellvertretenden Direktor des Förderkreditgeschäfts der Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart, ist das gelungen. Zumal in einer anschließenden Talkrunde, in die Moderator Andreas Franik auch die Sparkassen-Berater Patrick Breil und Marcus Neher einbezog, die Inhalte aufgearbeitet und vertieft wurden.
Kein Grund zur Panik
Die wichtigste Nachricht: Zur Panik besteht nach Börsigs Auffassung kein Anlass. Fördermittel seien nach wie vor vorhanden, eine Unterbrechung wegen des Rücktritts der Ampel-Regierung erwartet er nicht. Und ganz gleich, wer nach dem 23. Februar Deutschland reagieren wird: Wer die Klimaziele einhalten will, kommt am bestehenden Gebäudeenergiegesetz (GEG) nicht vorbei. Börsig: „Dieses Gesetz wird niemand stoppen. Sonst könnte niemand mehr bauen.“ Allenfalls an den Stellschrauben lasse sich drehen. Das ist auch bislang schon durch mehrere Novellierungen geschehen.
Auch für Rüdiger Pfrommer ist das GEG eine wesentliche Hilfe, die Energiewende umzusetzen und damit dem Pariser Klimaabkommen ein Stück nachzukommen. Auch wenn Deutschland nur zwei Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen beiträgt: Wer, wenn nicht die Industrieländer, soll mit der Energiewende beginnen, so Ralph Günthner, Marktdirektor Süd der Sparkasse, bei der Begrüßung der voll besetzten Calwer Schalterhalle.
Lohnt sich das?
Die Zukunft der Energieversorgung trifft viele: ob Käufer oder Verkäufer von Immobilien, ob Hausbesitzer oder Mieter. Lohnt sich das? So lautet für Andreas Franik, den manche vielleicht noch als Moderator der ntv Telebörse kennen, die Kernfrage. Hinzu komme das Hin und Her der Politik. Immer wieder werden neue Förderprogramme aufgelegt. Günthner sprach von unerforschtem Terrain.
Die Zehn Gebote umfassen 250 Wörter, die Unabhängigkeitserklärung der USA 1400 und das GEG 12000. Das liegt nicht allein am Hang der Deutschen zur Bürokratie; wie die Referenten zeigten, ist die Materie nun mal komplex. Fest steht, dass bis 2028 mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie für neu eingebaute Heizungen vorgeschrieben ist. Das bedeutet laut Pfrommer das Aus für die Ölheizung bis spätestens 2045. Mit Gas wird noch länger geheizt, allerdings auf Dauer nur mit Hybridtechnik, da ja 65 Prozent aus erneuerbarer Energie kommen müssen. Bei der Fernwärme sei man vom Anbieter abhängig. Heizen mit Biomasse, also mit Pellets, Stückholz oder Holzschnitzel, sei aufwendig.
Die eleganteste Lösung heißt Wärmepumpe
Die Wärmepumpe ist technisch die eleganteste Lösung. Seit rund 20 Jahren hat Pfrommer eine in seinem Haus: „Sie funktioniert so zuverlässig wie der Kühlschrank, nur umgekehrt.“ Und die Wärmepumpe lässt sich wiederum umkehren, mit ihr lässt sich im Sommer das Haus auch kühlen. Der Nachteil: Es ist teuer. Da kommt schnell ein fünfstelliger Betrag zusammen.
Woher kommt also das Geld?
Das war nun Börsigs Part. 70 Prozent, teilweise auch bis zu 78 Prozent, können gefördert werden. Er bezog in seine Ausführungen die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ein, bei der es um Maßnahmen zur Wärmedämmung geht. Hierfür müssen die Anträge beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt werden. Geht es um die Förderung einer neuen Heizung, ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zuständig.
Einkommensabhängig lassen sich auch noch Anträge auf Förderkredite stellen, die wiederum über die Hausbank laufen. Ganz wichtig: Bevor mit irgendeiner Maßnahme begonnen wird, müssen die entsprechenden Anträge gestellt werden. Hilfen beim Weg durch den Förderdschungel bieten Energie- und Bankberater.