Beim Infoabend in Blumberg dabei (von links): Tanja Wiede (Hondingen), Patricia Zier (Epfenhofen), Janette Vetter (Sophie Scholl), Anna Hogg (Sophie Scholl), Stefanie Ebertsch (St. Josef), Verena Mattes (Riedöschingen), Katharina Hübner (Buchberg Arche) sowie Tanja Fesenmeier (St. Josef). Foto: Wuttke

Der Infoabend für Eltern zum Thema Mediennutzung stößt in Blumberg auf große Resonanz. Referent Sebastian Eisele gibt Tipps für den Alltag.

Gut gefüllt war der Städtle-Saal in Blumberg am Dienstagabend, als erstmals ein gesamtstädtischer Elternabend stattfand. Acht Kindertageseinrichtungen hatten gemeinsam eingeladen – ein starkes Signal für die Bedeutung von Elternbildung und Zusammenarbeit vor Ort.

 

Im Mittelpunkt stand das Thema Medienkompetenz bei Kindern. Referent Sebastian Eisele führte die Zuhörer dabei praxisnah, unterhaltsam und zugleich fundiert durch einen Abend, der viele Denkanstöße lieferte.

Schon zu Beginn machte Eisele deutlich, dass es ihm nicht um starre Regeln gehe, sondern um Orientierung. „Es gibt kein richtig oder falsch“, betonte er mehrfach – vielmehr gehe es darum, bewusste Entscheidungen im Familienalltag zu treffen. Dabei spannte er den Bogen von wissenschaftlichen Erkenntnissen bis hin zu konkreten Alltagssituationen.

Der Städtle-Saal in Blumberg ist anlässlich des Informationsabends gut besucht. Foto: Thomas Wuttke

Ein zentrales Thema war die Rolle der Eltern als Begleiter. Medien seien längst fester Bestandteil der Lebenswelt von Kindern. Entscheidend sei daher nicht nur, was konsumiert werde, sondern auch wie. „Gehen Sie mittelfristig in Richtung Produktion statt Konsum“, riet Eisele. Kinder sollten Medien nicht nur passiv nutzen, sondern aktiv gestalten – etwa beim Erstellen eines Fotobuchs oder beim gemeinsamen Ausprobieren am Computer. So entstehe ein bewussterer Umgang und gleichzeitig wertvolle gemeinsame Zeit, neudeutsch „Quality Time“.

Besonders eindrücklich schilderte Eisele, wie stark Medien auf das kindliche Gehirn wirken. Schnelle Schnitte, grelle Farben und ständige Reize könnten dazu führen, dass Kinder Schwierigkeiten haben, sich anschließend auf ruhige Aufgaben zu konzentrieren. „Das Gehirn ist noch im Dauerfeuer-Modus“, erklärte Eisele anschaulich. Gerade im Übergang zu schulischen Anforderungen könne das problematisch werden.

Ein unterhaltsamer und interaktiver Vortrag von einem Landesbeamten und Vater zweier Kinder – Sebastian Eisele. Foto: Thomas Wuttke

Zudem warnte Eisele vor übertriebener Strenge. Medien komplett zu verbieten sei weder realistisch noch sinnvoll. Stattdessen plädierte er für klare Absprachen und transparente Regeln. Ein Beispiel aus seiner eigenen Familie zeigte, wie hilfreich solche Vereinbarungen sein können: Ein gemeinsam erarbeiteter „Medienvertrag“ habe für mehr Ruhe gesorgt. „Dann komme ich von der Geberseite – und nicht aus der Situation heraus, dass ich etwas verbieten muss“, verdeutlichte Eisele.

Auch die Vorbildfunktion der Eltern spiele eine zentrale Rolle. Kinder orientierten sich stark am Verhalten der Erwachsenen. Wer selbst ständig aufs Smartphone schaue, könne schwer glaubwürdig Grenzen setzen. „Wichtiger als technische Kontrolle ist das Gespräch“, so Eisele. Es gehe darum, Inhalte gemeinsam zu reflektieren und Kinder ernst zu nehmen.

Lebendiger Austausch beim Infoabend

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der altersgerechten Nutzung. Kinder verarbeiteten alles, was sie sehen – auch Inhalte, die sie noch nicht verstehen. Deshalb sei es wichtig, Angebote sorgfältig auszuwählen und gemeinsam anzuschauen. „Wenn ein Kind hinterher nur sagt: Boah, toll, dann war es wahrscheinlich zu viel“, erklärte der Referent.

Interaktive Elemente lockerten den Informationsabend auf. Über eine digitale Plattform konnten die Teilnehmer ihre Erfahrungen einbringen und Fragen beantworten. So entstand ein lebendiger Austausch, der zeigte: Die Herausforderungen im Umgang mit Medien sind in vielen Familien ähnlich.

Klares Zeichen für Kooperation

Organisiert wurde die Veranstaltung von acht Kindertageseinrichtungen der Stadt – unabhängig von ihrer Trägerschaft. Beteiligt waren unter anderem die katholische Kita St. Josef, die Sophie-Scholl-Kita, die Kita Stadtzwerge sowie Einrichtungen in Epfenhofen, Riedböhringen, Riedöschingen und Hondingen. Gemeinsam setzten sie ein klares Zeichen für Kooperation und die Bedeutung frühkindlicher Bildung.

Der große Zuspruch zeigte, wie relevant das Thema ist. Viele Eltern nutzten im Anschluss die Gelegenheit zum Austausch und nahmen Informationsmaterial mit nach Hause. Der Abend machte deutlich: Medienkompetenz beginnt früh – und sie gelingt am besten gemeinsam.

Medienkompetenz bei Kindern

Definition
Medienkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Medien bewusst, kritisch und verantwortungsvoll zu nutzen. Dazu gehört nicht nur das Verstehen von Inhalten, sondern auch die aktive Gestaltung. Studien zeigen, dass Kinder besonders von gemeinsamer Mediennutzung profitieren („Co-Viewing“). Wichtig sind altersgerechte Inhalte, klare Regeln und die Vorbildfunktion der Eltern. Früh erlernte Kompetenzen helfen Kindern, sich sicher in einer zunehmend digitalen Welt zu bewegen und Risiken besser einzuschätzen.