Über die angebotenen Information wurd engagiert diskutiert. Foto: Jeanette Tröger

Unwetter und Starkregen werden nach Prognosen künftig häufiger stattfinden – da ist es gut, vorbereitet zu sein. Wie das geht, wurde von Fachleuten in der Festhalle erläutert.

Zahlreiche Bürger waren interessiert an der von der Gemeinde angebotenen Veranstaltung zum Starkregenrisikomanagement, das vom Ingenieurbüro Heberle für die drei Althengstetter Ortsteile ausgearbeitet worden war. Vor allem der zweite Teil, in dem es neben dem kommunalen Handlungskonzept darum ging, was jeder selbst zum eigenen Schutz in der Vorsorge wie auch im Fall eines Starkregenunwetters tun kann, gab nach den Worten eines Teilnehmers wertvolle Impulse.

 

„Die Althengstetter wissen, wie schnell es geht, dass Straßen unter Wasser stehen, Hagel die Kanäle verstopft und Keller volllaufen“, sagte Bürgermeister Rüdiger Klahm zu Beginn der Veranstaltung und hatte dabei das Unwetter am 12. Juli im Blick.

Helfer stundenlang im Einsatz

Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Althengstett, Benjamin Jones, gab dazu einen kurzen Abriss zu dem Ereignis, bei dem 35 Kameraden der beiden Abteilungen Althengstett und Ottenbronn mehr als sechs Stunden an 15 Einsatzstellen tätig waren, sowohl bei betroffenen Bürgern als auch zum Beispiel beim Räumen der Hagelmengen vor dem Rathaus unter Mithilfe des Bauhofs. „Dafür möchte ich den Kameraden in aller Öffentlichkeit Dank sagen.“ Dafür gab es großen Applaus des Publikums, denn diesen Dienst leisteten die Feuerwehrler, bevor sie sich dann um eigene Schäden daheim kümmerten, so Jones.

Mit mobilen Barrieren lässt sich Wasser vom Grund und vom Haus fernhalten. Foto: Jeanette Tröger

Ziel des Infoabends war es nach den Worten von Ingenieur Markus Heberle vom Ingenieurbüro Heberle aus Rottenburg am Neckar und seinem Mitarbeiter Janosch Brinkmann, ein Bewusstsein für potenzielle Gefahren zu schaffen und den Besuchern Mittel an die Hand zu geben, das eigene Risiko analysieren und bewerten zu können. Und zum zweiten ging es darum, dass die Teilnehmer Möglichkeiten zur Schadensminderung kennenlernen, ihren Eigenschutz überprüfen und für sich ein Schutzziel entwickeln können.

Kartenmaterial gibt für jedes Gebäude Aufschluss

Heberle und Brinkmann hatten zahlreiche Karten an Stellwänden in der Festhalle ausgehängt. Dieses Kartenmaterial dokumentiert die Untersuchungen zu Auswirkungen von modellierten Starkregenereignissen. Dargestellt ist darauf, welche Bereiche jedes Ortsteils bei einem seltenen Szenario (das mit circa 50 Millimeter Niederschlag in einer Stunde qualifiziert ist), bei einem außergewöhnlichen Szenario (63 Millimeter in einer Stunde) und einem extremen Szenario (128 Millimeter in einer Stunde) besonders betroffen sind. So konnte jeder Besucher für sein Anwesen das dafür ermittelte Risiko finden. In Kürze wird das Material für alle einsehbar auf der Gemeindehomepage zur Verfügung gestellt, versprachen Heberle und auch der Schultes. Heberle betonte jedoch auch, dass Starkregenmanagement eine Daueraufgabe ist und es einen 100-prozentigen Schutz nicht gibt.

DLRG, Feuerwehr und Handwerker haben Tipps parat

In der Pause nach dem ersten Vortragsblock wurde an diesen Karten eifrig diskutiert. Ebenfalls standen verschiedene Firmen und örtliche Handwerker für individuelle Fragen zur Verfügung und informierten über Flutboxen und Pumpsysteme, Rückstaueinrichtungen, mobilen wie automatischen, fest eingebauten Hochschutzwasserschutz oder druckwassersichere Fenster und sonstige bauliche Schutzmaßnahmen. Auch die Freiwillige Feuerwehr und die DLRG hatten Informationen zur Selbstvorsorge parat.

Beispiele aus der Praxis

Heberle und Brinckmann hatten viele Praxis-Beispiele für die Eigenvorsorge dabei, unter anderem zeigte ein animierter Film der Reutlinger Stadtverwaltung, mit welchen oftmals einfachen Mitteln wie Rückstauklappen das eigene Haus und Anwesen vor eindringendem Wasser geschützt werden kann. Sie zeigten auch auf, was im abgeleiteten kommunalen Handlungskonzept künftig für die Gemeinde zu tun ist und hatten dafür ebenfalls viele Beispiele aus ihrer Praxis dabei. So können wieder geöffnete verdolte Gewässer für einen schnelleren Abfluss von Oberflächenwasser bei Starkregen sorgen.

Stimmen aus dem Publikum

Ein Besucher wollte von den Fachleuten wissen, welche Niederschlagsmengen die Starkregen-Unwetter 2021 in Neuhengstett und jetzt 2024 in Althengstett hatten – Heberle konnte diese nicht genau nennen. Ein anderer Besucher hatte eine Antwort, er hat im Juli auf seinem Grundstück 38 Liter in einer Viertelstunde gemessen. Was allerdings nicht auf eine Stunde hochgerechnet werden könne, so Heberle, weil es sicher nicht eine ganze Stunde so stark geregnet hat.

Ein weiterer Besucher berichtete, dass bei dem Starkregen 2021 in Neuhengstett die Kanalisation stark überlastet war und diese Gefahr immer noch bestehe. „Jetzt ist das Handlungskonzept für die Gemeinde da und diese Schritte muss man jetzt gehen“, sagte Heberle dazu und der Bürgermeister ergänzte: „Wir sind in der Planung, dafür braucht es Beschlüsse des Gemeinderats, eine Zeitschiene und die Umsetzung sind die nächsten Schritte.“