Informierten über Cannabis und die Pläne des Vereins (von links): Jörg Löser, Marina Irslinger, Stefan Kruse, Willi Erling, Lito Michael Schulte und Andreas Hauser. Foto: Holy Green Paradise

Der Lahrer Cannabis-Club Holy Green Paradise hat über seine Pläne informiert. Besprochen wurde eine 550 Quadratmeter große Produktionsfläche. Zudem tauschten sich die Mitglieder mit Experten über Erfahrungen in Bereichen wie Medizin und Recht aus.

Auf einem Infoabend des Vereins erläuterte der Vorsitzende Willi Erling, dass Cannabis stets mehr war als ein Rauschmittel. Das berichtet der Verein in einer Pressemitteilung. Cannabis habe Verwendung zur Herstellung von Papier, Seilen und Medikamenten gefunden. Die schnell wachsende Hanf-Cannabispflanze könne als Rohstoff für viele Zwecke dienen.

Der Verein werde den Anbau von Cannabis auf einer 550 Quadratmeter großen Fläche ausschließlich für seine Mitglieder zum Freizeitkonsum nutzen. Weitere 280 Quadratmeter werden als Verwaltungs-, Schulungs- und Sozialräume gebraucht.

Für Produktion, Verwaltung, Dokumentationspflicht, Sicherheit, Desinfektion, Schulung, Präventionsmaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit stehen erfahrene und geschulte Beauftragte zur Verfügung. Weiteres Fachwissen und Erfahrungen werden außerhalb eingekauft.

Bericht über Anlaufschwierigkeiten

Jörg Löser, Geschäftsführer von Cannafarm, berichtete von ersten Erfahrungen einer Indoor-Produktionsstätte für CBD und Hanföle aus Bio-Hanf in der Schweiz. Dabei sprach er auch von Anlaufschwierigkeiten mit Behörden und Anwohnern. Lösers Firma wird die Anlage für Lahr liefern, aufbauen und warten.

Lito Michael Schulte und Andreas Hauser von der Lito Law Academy unterstützen und vertreten bundesweit 70 Anbauvereine in juristischen Fragen. Sie bieten eine Plattform zur Mitgliederverwaltung, begleiten Anbauvereine von der Antragstellung bis zur Cannabis-Abgabe und laden zu Calls ein, um die Entwicklung zum Cannabisgesetz zu erläutern. Zudem unterstützen sie Vereine in verschiedenen Themen. Die Firmenvertreter dankten dem HGP als erstem Kunde in der Firmengeschichte für das Vertrauen.

Auch Anstieg psychischer Erkrankungen im Fokus

Stefan Kruse, zertifizierter Sachverständiger für die Cannabis-Medikation, berichtete aus seiner Arbeit mit Schmerzpatienten, Ärzten, Altenheimen und Krankenhäusern. Er ging auf einzelne medizinische Anwendungen ein und erläuterte verschiedene Arten des Konsums mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen.

Marina Irslinger, zertifizierte Kinder-, Jugend- und Familiencoach, ging auf den Anstieg psychischer Erkrankungen der vergangenen Jahre ein. Irslinger erläuterte Ursachen, Verlauf und Auswirkungen. Viele Erkrankte flüchteten sich in den Konsum, wobei leicht zugänglichen Drogen wie Alkohol, Lachgas oder das Schnüffeln von Chemikalien die Hemmschwelle stark reduzieren. Sie ging auf die Vorbildfunktion der Bezugspersonen ein und gab Tipps zur frühzeitigen Prävention. Michaela Haneburger, Sucht- und Desinfektionsbeauftragte des HGP, führte das korrekte Anlegen von Schutzbekleidung vor.

Der HGP beendete den Infoabend mit dem Versprechen, Cannabis in bester Qualität zu erzeugen, eine uneingeschränkte Kooperation mit allen Behörden anzustreben, den Schwarzmarkt auszutrocknen, Präventionsmaßnahmen zu organisieren und das Gemeinschaftsgefühl der Mitglieder zu stärken.

Lizenzantrag eingereicht

Der HGP hat den Lizenzantrag zur „Erlaubnis zum gemeinschaftlichen Anbau von Cannabis“ beim Referat des Regierungspräsidiums Freiburg (RP) abgegeben. In dem Dokument müssen detaillierte Angaben zur Anbauvereinigung, Vorstandsmitgliedern und Präventionsbeauftragen gemacht werden. Der HGP ist der erste Anbauverein in Baden-Württemberg, der eine Lizenz beantragt hat. Laut Mitteilung des Vereins weist das RP auf eine längere Bearbeitungszeit hin.