Wie der Dorfladen als eG funktionieren kann und wie der aktuelle Stand der Planungen ist, darüber informierten sich Interessierte. Die Verantwortlichen zeigen sich optimistisch.
Der Dorfladen in Welschensteinach geht mir große Schritten weiter seiner Wiedereröffnung entgegen. 2017 hatte das Geschäft eröffnet; 2022 lief der Pachtvertrag mit dem damaligen Betreiber aus, der Laden schloss. 2024 wurde bei einer Ratssitzung bekannt gegeben, dass Gespräche geführt würden, die darauf abzielten, das Geschäft mit einer Genossenschaft weiterzuführen. Bei einer Informationsveranstaltung im März stellten Betreiber aus Gündlingen ein Konzept vor, mit dem sie nach einer solchen Struktur einen Laden betreiben. Desweiteren wurden Gedanken in den Raum gestellt, wie es in Welschensteinach umsetzbar wäre. Nun wurde über den aktuellen Stand informiert und das weitere Vorgehen dargelegt. Wenn alles gut geht, soll der Laden spätestens im Februar 2026 eröffnet werden.
Steinachs Bürgermeister Nicolai Bischler erklärte anfangs, dass sich seit dem jüngsten Treffen viel getan habe. „Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass der Dorfladen uns alle angeht. Und so steht der Abend heute auch unter dem Motto ,Gemeinsam für unseren Dorfladen’“, sagte Bischler. „Wenn das nicht klappt, würde das einen großen Rückschritt für Welschensteinach bedeuten“, mahnte auch Ortsvorsteher Xaver Rockenstein. „Nur gemeinsam können wir ihn Wirklichkeit werden lassen.“
Nach der Infoveranstaltung im März hätten die Telefone geglüht, blickte Rockenstein zurück, und eine Interessengemeinschaft als Verantwortliche für den Laden hätten sich herauskristallisiert: Er selbst, Ortschaftsrat Christian Schätzle, Susanne Zahn und Manuel Hummel. Rockenstein übergab das Wort an seine Mitstreiter, damit diese sich kurz vorstellen konnten. Schätzle ist Betriebswirt und arbeitet derzeit als Vertriebsleiter. Zahn ist gebürtige Welschensteinacherin ist ausgebildete Kauffrau im Einzelhandel.
Nach erster Veranstaltung glühten die Telefone
Sie leitete jahrelang die Edeka-Filiale in Haslach, bevor sie Kinder bekam und danach als Teilzeitkraft wieder in den Einzelhandel einstieg. „Das Leiten einer Filiale hat mir aber immer großen Spaß gemacht und deswegen möchte ich mich gerne im Dorfladen einbringen“, so Zahn. Hummel kommt ebenfalls gebürtig aus Welschensteinach, ist Diplom-Betriebswirt und Unternehmer. Da er das im März vorgestellte Dorfladen-Konzept sehr interessant gefunden hätte, habe er sich mit Rockenstein in Verbindung gesetzt, erklärte Hummel.
Hummel gab hiernach einen kleinen Überblick über die Schritte, die seit März in Richtung Dorfladen gegangen wurden. Im März seien Zielsetzung, Machbarkeit und Partnerschaften geprüft worden. Die Gruppe habe sich Referenzobjekte angeschaut und begonnen, weitere Personen für die Mitarbeit zu akquirieren. Ziel für den Ladens sei es, den alltäglichen Bedarf zu decken. Aus diesem Grund soll er Back- und Metzgerwaren anbieten. Für eine maximale Verfügbarkeit ist ein Sieben-Tage-Betrieb mit Öffnungszeiten von 5 bis 23 Uhr angedacht. Der Betrieb soll kostendeckend laufen, die Verkaufspreise fair sein. Für die Form einer Genossenschaft (eG) und gegen eine Gemeinschaft bürgerlichen Rechts (GBR) habe man sich entschieden, weil eine eG zwar mehr Aufwand bezüglich Formalitäten bedeute, aber die Möglichkeit biete, dass alle sich am Projekt beteiligen. „Eine GbR wäre nur eine weitere Firma“, befand Hummel.
Für den weiteren Ablauf sei nun geplant, den Geschäftsplan und die Satzung zu erstellen, dann folge die Gründungsversammlung und schließlich müsse die Genossenschaft ins Registerheft eingetragen werden. Die eG werde einen Aufsichtsrat erhalten, dem optimaler Weise Gemeinde-, Vereins- und Dorfladenvertreter angehören. Zahn und Schätzle zeigten am Beispiel von „s’Lädele“ in Bad Rippoldsau-Schapbach, wie der Welschensteinacher aufgebaut sein könnte. Für die Backwaren habe sich die die Bäckerei Waidele bereit erklärt, Waren täglich frisch anzuliefern. Molkerei- und Tiefkühlprodukte werden vom Edeka-Großhandel C und C kommen, und war zwei Mal pro Woche. Welcher Metzger seine Wurstwaren liefert, stehe noch nicht fest. Es würden aber Gespräche geführt und es gebe ein Angebot. Auch Obst, Gemüse und Süßwaren sollen zwei Mal pro Woche geliefert werden.
Genossenschaftsanteile sollen 200 Euro kosten
Hummel gab weitere Infos zur Genossenschaft. Die Idee sei, dass ein Anteil 200 Euro kosten werde. Die anfänglichen Kosten für den Laden würden etwa 80 000 Euro betragen; so müssten mindestens 400 Anteile verkauft werden. Hummel zeigte sich optimistisch ob der Rentabilität. So müsste der Laden 2026 dafür 280 000 Euro einnehmen. Das wären 770 Euro pro Tag. „Ich gehe nicht aus, dass jeder Welschensteinacher seinen Wocheneinkauf im Dorfladen erledigen wird“, meinte Hummel, „aber diese Zahlen wurden schon beim vorherigen Betreiber Herr Thiem erzielt. Wir arbeiten hier also nicht mit Luftschlössern“, fasste Hummel zusammen. Er betonte außerdem: „Wenn wir Gewinne erwirtschaften, gehen diese zurück an die Anteilseigner.“
Zeitplan
Bis Mitte August soll die Absichtserklärung unterzeichnet sein und bis November könne die Genossenschaft eingetragen sein. Die Eröffnung des Ladens sei grob für Februar 2026 geplant.