Bürgermeister Peter Schuster bekannte sich klar zu den Windkraftanlagen. Foto: Günther

Noch in diesem Jahr erwartet die Betreiber-Firma Alterric grünes Licht vom Landratsamt: 2026 könnten sich drei Windkraftanlagen auf dem Gebiet von Herrenzimmern drehen. Unwahrscheinlich, dass es noch anders kommt, erfuhren die Besucher einer Informationsveranstaltung am Donnerstag.

Von den zweihundert Stühlen in der Turn- und Festhalle Herrenzimmern blieben etliche frei. Etwa 80 oder 90 Interessierte hatten sich eingefunden, um sich über die geplanten Windkraftanlagen auf Herrenzimmerner Gebiet zu informieren. Drei Windräder mit einer Höhe von 246 Metern inklusive Rotor will das Unternehmen Alterric auf Herrenzimmerner Gemarkung errichten, ab 2026 sollen sie Strom für rund 7500 Haushalte liefern.

Neben Bürgermeister Peter Schuster sprachen in der Halle Andre Herzberg, Direktor des Regionalverbandes Schwarzwald-Baar-Heuberg, Heiko Hogenmüller vom Regierungspräsidium Freiburg sowie Falk Burkhardt als Vertreter des Betreibers Alterric.

Fragen anonym stellen

Sie alle stellten sich auch den Fragen aus dem Publikum. Dazu hatte die von der Gemeinde engagierte Fachmoderatorin Stefanie Heng-Ruschek das Online-Hilfsmittel „Slido“ vorbereitet. Über dieses Online-Umfrage-Portal konnten Interessierte per Smartphone Fragen auch anonym stellen, ohne sich ans Saalmikro zu wagen.

Bürgermeister Peter Schuster lieferte einen Grund, warum das Interesse verhalten geblieben war: Faktisch ist die Entscheidung bereits gefallen. „Aus meiner Sicht wird der Windpark kommen“, sagte Schuster. Er selbst befürworte die Anlagen, im Gemeinderat erwartet er eine klare Mehrheit. 1,6 Millionen Euro könnte der Windpark über die Vertragslaufzeit von 20 Jahren in die Gemeindekasse spülen – oder mehr. Mit dem Betreiber werde nachverhandelt, ließ Schuster wissen.

„Überagendes öffentliches Interesse“

Würde der Gemeinderat das Vorhaben ablehnen, hätte das keine Wirkung, sagte Schuster. Eine rechtswidrige Entscheidung würde das Landratsamt aufheben.

Auch Heiko Hogenmüller vom Regierungspräsidium und Marcel Herzberg vom Regionalverband hoben es hervor: Errichtung und Betrieb von Windkraftanlagen liegen im „überragenden öffentlichen Interesse“, das ist Gesetz. Erfüllt ein Antragsteller die Voraussetzungen, hat er einen Rechtsanspruch auf Genehmigung.

Foto: Günther

Dass das für den Betreiber Alterric gilt, daran zeigte Falk Burkhardt als dessen Vertreter keine Zweifel. Er rechnet mit der Genehmigung noch in diesem Jahr, und damit, dass der Windpark im Sommer 2026 in Betrieb geht. Den Genehmigungsantrag mit 1900 Seiten hat das Unternehmen im Mai 2022 nach vier Jahren Voruntersuchungen eingereicht. 13 Gutachten habe Alterric dem Landratsamt übermittelt.

Keine Bedenken, dass der Wind nicht ausreicht

Die erwarteten Werte beim Schattenwurf lägen weit unter den Grenzwerten – anderenfalls würde eine automatische Abschaltung greifen. Die Lärmbelästigung bleibe im gesetzlichen Rahmen. Und zum Naturschutz seien umfangreiche Untersuchungen angestellt, Ausgleichsmaßnahmen geplant worden.

Bedenken, der Wind könne nicht ausreichen, zerstreute Burkhardt ebenfalls. „Die Banken wollen Gutachten sehen“, sagte er. „Die geben uns gar kein Geld, wenn zu wenig Wind weht.“

Sechs Prozent Rendite

Er kündigte zudem an, dass sich Bürger am Windpark beteiligen könnten. Mit bis zu 15 000 Euro dürfen sie demnach ab 2025 einsteigen. Burkhardt stellte eine Rendite von fünf bis sechs Prozent bei jährlicher Ausschüttung in Aussicht.

Das wäre deutlich mehr, als aktuell mit Guthaben auf Festgeldkonten erreicht wird.