Eine Grippewelle rollt durch Deutschland. Klassisches Symptom: hohes Fieber. (Symbolfoto) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hohes Fieber und Schmerzen – bundesweit werden immer mehr Grippe-Fälle gemeldet, und dann ist da noch eine neue Influenza-Variante. So ist die aktuelle Lage im Kreis Rottweil.

Immer mehr Influenza-Erkrankte und bereits 225 Todesfälle seit dem 24. November 2025: Das ist die aktuelle Bilanz des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Grippesaison. Auch im Kreis Rottweil steigt die Zahl der Influenza-Fälle an. Wir haben in Erfahrung gebracht, wer besonders betroffen ist, wie das Gesundheitsamt die aktuelle Lage bewertet, und welche Rolle die neue Variante „Subklade K“ spielt.

 

Während Grippesaison den Zeitraum beschreibe, in dem die saisonalen Influenza-Viren hauptsächlich zirkulieren – meist Anfang Oktober bis Mitte Mai –, beginne die jährliche Grippewelle, also der Zeitraum, in dem die Aktivität der Influenza-Viren besonders hoch sei, meist um den Jahreswechsel herum und ziehe sich über drei bis vier Monate, erklärt Andrea Schmider, Pressesprecherin des Rottweiler Landratsamtes. „Die aktuelle Grippewelle ist mit ihrem Beginn im November 2025 damit etwas früher gestartet als üblich.“

Aktuell mehr Influenza-Fälle

Obwohl der Anteil der saisonalen Influenza-Fälle an den akuten Atemwegsinfekten im Landkreis Rottweil aktuell weiter angestiegen sei, verzeichne das Gesundheitsamt keinen für die Jahreszeit ungewöhnlich starken Anstieg, klärt Schmider auf.

Im Vergleich zu den Vorwochen des Jahres 2026 sei keine wesentliche Änderung der Fallzahlen zu verzeichnen. Auch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum seien die Unterschiede nicht auffällig. „So wurden beispielsweise in der Kalenderwoche zwei in 2025 15 saisonale Influenza-Fälle gemeldet, in der Kalenderwoche zwei in 2026 waren es 21 Fälle“, berichtet sie.

Ältere und Kleinkinder vor allem betroffen

Aber: Momentan würden auch schwerere Verläufe auftreten, die eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich machen. „Betroffen von den schwere Verläufen sind insbesondere ältere Menschen über 60 sowie Kleinkinder“, teilt Schmider mit – und da vor allem ungeimpfte ältere Menschen sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem. Das deckt sich mit den Daten des RKI: Dort waren 95 Prozent der mit Influenza Verstorbenen 60 Jahre oder älter.

Wie in jeder Saison gebe es auch Patienten, die Komplikationen wie Lungenentzündungen entwickelten, erklärt Schmider. Dies könne eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig machen, insgesamt seien es jedoch bisher nur wenige Fälle im Kreis Rottweil.

Welche Rolle spielt die Subklade K?

Laut RKI lägen die Zahlen der Influenza-A- und -B-Fälle deutlich über den Fallzahlen von Rhinoviren, respiratorischen Synzytialviren (RSV) und Corona, teilt Schmider zum Verhältnis der Grippe zu anderen akuten Atemwegsinfekten mit. Allerdings müsse insgesamt mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet werden, denn längst nicht jede erkrankte Person mit einem akuten Atemwegsinfekt gehe zum Arzt oder werde getestet, gibt sie zu bedenken.

Und welche Rolle spielt die „Subklade K“ bei der aktuellen Influenza-Entwicklung im Kreis Rottweil? Sie sei momentan der vorherrschende Typ unter den kursierenden Influenza-A(H3N2)-Viren, so Schmider.

Immer wieder neue Untertypen

Die saisonale Influenza könne von verschiedenen Virus-Typen ausgelöst werden. Man unterscheide Influenza-A-Viren von B-Viren. Erstere könnten in weitere Subtypen unterteilt werden.

Laut RKI seien Influenza-A(H3N2)-Viren aktuell in Deutschland am weitesten verbreitet. „Es ist daher davon auszugehen, dass das Infektionsgeschehen auch im Landkreis Rottweil von der derzeit kursierenden Subvariante dominiert wird, auch wenn nicht immer eine Testung auf alle Subvarianten durchgeführt wird“, heißt es.

Da sich Grippeviren ständig verändern würden, entstünden immer wieder neue Untertypen. Im vergangenen Jahr habe sich eine als Subklade K bezeichnete neue Unterart des Influenza-A(H3N2)-Virus entwickelt, klärt Schmider auf.

Befürchtungen bislang nicht bestätigt

Und wie wirkt sich das auf das Thema Impfschutz aus? „Es ist bekannt, dass die Subklade K deutlich vom ursprünglichen A(H3N2)-Virusstamm abweicht. Befürchtungen, dass der aktuelle Impfstoff deshalb nicht ausreichend vor der Subklade K schützt, haben sich bisher jedoch nicht bestätigt“, heißt es von Schmider.

Auch wenn es vereinzelt trotz Impfung zu Erkrankungsfällen komme, könne davon ausgegangen werden, dass der aktuelle Impfstoff auch in dieser Saison einen guten Schutz vor Infektionen beziehungsweise schweren Krankheitsverläufen biete, so die Einschätzung des Rottweiler Gesundheitsamtes.

Weiterer Verlauf nicht absehbar

„Übrigens: Selbst wenn die Impfung vor Beginn der aktuellen Grippewelle versäumt wurde, ist es auch im Verlauf der Grippewelle noch sinnvoll, sich impfen zu lassen – es kann nie genau vorhergesagt werden, wie lange die Grippewelle andauern wird“, wird geraten.

Apropos weiterer Verlauf der Influenza-Welle: Die Zahlen zeigten, dass die Zahl der Grippeerkrankungen von Saison zu Saison stark schwanken könne. Eine Prognose ist also schwierig, macht das Gesundheitsamt deutlich. Die Einschätzung, wie schwer die Influenza-Welle war, sei deshalb generell erst nach dem Ende der Grippe-Saison möglich.