Hunde, Katzen, Kaninchen und Co. warten im Rottweiler Tierheim auf ein Zuhause. Neue Tiere können derzeit kaum aufgenommen werden – die Einrichtung ist voll belegt.
Rottweil - Erst im Frühjahr wurde das neue Katzenhaus im Rottweiler Tierheim eingeweiht. 80 Plätze stehen dort zur Verfügung. Doch die sind derzeit alle belegt. "Wir mussten sogar das alte Katzenhaus reaktivieren, um die Neuzugänge zu versorgen. Alle Katzen, die neu zu uns kommen, müssen erst mal in Quarantäne, da sie oft auch nicht gesund sind", erklärt Tierheimmitarbeiterin Steffi Steuerwald die prekäre Situation.
Das Tierheim bräuchte dringend Quarantäneboxen, 18 Stück gebe es bereits, aber das reiche nicht aus. "Zwei Wände mit jeweils sechs Boxen, die wir dringend bräuchten, kosten 20 000 Euro, das können wir uns nicht leisten", so Steuerwald weiter. Sie und ihre Kollegen hoffen auf einen großzügigen Spender, der den Kauf der Boxen ermöglicht.
Herbst ist Wurfsaison bei Katzen
Der Herbst sei katzentechnisch immer problematisch, informiert Steuerwald, da bei den Katzen Wurfsaison sei. "Und viele Leute sind offenbar schlecht informiert, was bei der Haltung einer Katze alles beachtet werden muss. Irgendwann kommen sie nicht mehr klar und geben die Tiere ab", so die Mitarbeiterin, die vermutet, dass die vermehrten Abgaben – auch von Hunden, Kaninchen und Co. – noch immer von der Pandemiezeit herrühren, in der die Leute einfach mehr Zeit gehabt hätten.
Mittlerweile sei aber auch eine ganz andere Entwicklung zu beobachten, die ebenfalls Sorgen bereite: "Die Leute haben offenbar viel weniger Geld und können sich die Tiere schlichtweg nicht mehr leisten. Manche können nicht mal die Abgabegebühr bezahlen", schildert Steffi Steuerwald.
Futter wird immer teurer
Die allgemeine Kostensteigerung bereite aber natürlich auch dem Tierheim selbst Sorge. "Die Tierarztkosten sind enorm gestiegen und sind jetzt nahezu doppelt so hoch, und auch das Futter wird immer teurer". Das müsse erst mal gestemmt werden.
Neben den annähernd 80 Katzen sind derzeit auch zehn Hunde und sieben Kaninchen im Tierheim untergebracht. "Die Hunde, die wir haben sind so, dass sie meist doppelte Betreuung brauchen, da sie entweder nicht stubenrein sind, oder erst noch erzogen werden müssen. Wir suchen dringend Pflegestellen für die Tiere. Leute, die Zeit und Erfahrung haben und sich der Tiere für einen bestimmten Zeitraum annehmen möchten. Wer Interesse hat, der kann sich gerne bei uns melden". Traurig findet Steuerwald aber auch, dass sehr viele Junghunde abgegeben werden.
Hundeführerschein würde helfen
Sie betont, dass die Einführung eines Hundeführerscheins solche Situationen verhindern könnte. "Und bei Katzen wäre eine Kastrationspflicht wichtig", sagt sie auch im Namen von Günther Hermus, dem Vorsitzenden des Tierschutzvereins. Um das Problem der immer weiter anwachsenden Katzenpopulationen einzudämmen, schlägt der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit den ihm angeschlossenen Tierschutzvereinen eine möglichst flächendeckende Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen vor.
Mittlerweile gibt es auch immer mehr Orte mit geänderten Kommunalverordnungen. Diese können einerseits auf ordnungsrechtlicher Ebene oder auf der Basis von Zuständigkeitsverordnungen der Länder nach Paragraf 13b Tierschutzgesetz entstanden sein. Solch eine Regelung hat Schramberg bereits getroffen. "Die Kommunen können das selbst entscheiden. Und das wäre wichtig", so Steuerwald.
Auf Spenden angewiesen
Aber wie finanziert sich das Tierheim in Rottweil, das vom Tierschutzverein betrieben wird, überhaupt? Der Tierschutzverein hat einige Hauptamtliche sowie eine Vielzahl Ehrenamtlicher im Einsatz. Jährlich gibt es kommunale Finanzzuwendungen, bestätigt Bernd Pfaff von der Stadtverwaltung Rottweil auf Nachfrage. Während die Tierheime im Zollernalbkreis, im Kreis Tuttlingen und im Schwarzwald-Baar-Kreis in der Trägerschaft des Kreises sind, ist das in Rottweil anders. Hier haben sich Rottweil und die Umlandgemeinden Zimmern, Bösingen, Deißlingen, Dietingen, Dunningen, Wellendingen und Villingendorf zusammengetan.
Pro Einwohner dieser Gemeinden erhält das Tierheim etwa 2,70 Euro im Jahr. Das heißt in Zahlen: Aus Rottweil kommen 70 000 Euro und aus den Umlandgemeinden gesamt nochmals 70 000 Euro. "Wir sind investiv in der Pflicht und machen das auch gerne. Wir sind froh, dass es den Tierschutzverein gibt, und danken allen, die sich für den Tierschutz engagieren", so Pfaff. Dennoch ist das Tierheim, um alle Kosten, wie Tierarzt, Futter und Co. zu decken, auf Spenden angewiesen.
Info: "Adventszauber" im Rottweiler Tierheim
Um die Bevölkerung über die Arbeit des Tierschutzes zu informieren, und um Spenden zu sammeln, lädt das Tierheim am Samstag, 26. November, ab 15 Uhr zum "Adventszauber" ein. "Es gibt Essen und Getränke und man kann sich über unsere Tiere und unsere Arbeit informieren", sagt Steffi Steuerwald. Weitere Informationen auf der Internetseite des Tierheims.