Der Zweckverband, der sich um das Industrie- und Gewerbegebiet in Winterlingen kümmert, hat nun Erschließungsarbeiten für mehr als eine Million Euro ausgeschrieben.
„Das ist eine riesige Summe“, erklärte Markus Zeiser zu Beginn der Sitzung. Der Bürgermeister von Straßberg ist Vorsitzender des Zweckverbands „Interkommunales Industrie- und Gewerbegebiet Vogelherd Längenfeld“. Und als solcher hatte er in der jüngsten Sitzung des Verbands, das aus Winterlinger und Straßberger Vertretern zusammengesetzt ist, so einiges zu besprechen.
Allen voran die anstehenden Erschließungsarbeiten für die Erweiterung. „Die geplante Erschließungsstraße verläuft von der bestehenden Wendeplatte der Straße Kreuzsteig bis zur Straße Bei der Steinmauer“, heißt es konkret in der Sitzungsvorlage.
Aber noch mal zurück zur Summe: 1,43 Millionen Euro werden die beiden Kommunen in die Hand nehmen, um das Gebiet weiter zu erschließen. Die Details stellte Peter Czerwenka vom gleichnamigen wie zuständigen Planungsbüro vor.
Zwei 90-Grad-Kurven geplant
Grundlage für die Maßnahmen ist der inzwischen rechtskräftige Bebauungsplan „Interkommunales Gewerbegebiet Längenfeld-Süd“. Ziel sei es, die ausgewiesenen Flächen vollständig verkehrlich und technisch zu erschließen und damit neue Gewerbegrundstücke zu schaffen.
Geplant ist eine rund 495 Meter lange Erschließungsstraße. Diese setzt sich aus einer etwa 425 Meter langen durchgehenden Straße sowie einem rund 70 Meter langen nördlichen Stich zusammen, der einer späteren möglichen Gebietserweiterung dienen soll. Die neue Straße führt über eine bisherige Wiesenfläche und soll zwei 90-Grad-Kurven erhalten. Der Ausbau orientiert sich am bestehenden Kreuzsteig: Die Fahrbahn wird 6,35 Meter breit, mit beidseitigen Bordsteinen aus Granit, jedoch ohne Gehweg.
Neue Fahrbahn etwa 40 Zentimeter über dem Gelände
Zum Gehweg, das warf der Straßberger Schultes an dieser Stelle ein, wolle er später noch etwas sagen. Um den Erdaushub möglichst gering zu halten, fuhr Czerwenka fort, liegt die neue Fahrbahn etwa 40 Zentimeter über dem bestehenden Gelände. Der anfallende Aushub soll zwischengelagert und später wieder zur Geländeangleichung verwendet werden.
Das abgetragene Material, man hatte im Vorfeld Probeschürfungen veranlasst, ist zwar leicht mit Schwermetallen belastet, das liegt aber am Gestein selbst und nicht ein einem Schadstoffeintrag von außen, weshalb eine Wiederverwendung kein Probleme darstellen sollte.
Neben dem Straßenbau sind auch umfangreiche Leitungsarbeiten vorgesehen. In der Straßenmitte wird ein Mischwasserkanal mit Durchmessern zwischen 300 und 500 Millimetern verlegt, der an den bestehenden Kanal im Kreuzsteig anschließt.
Neue Hauptwasserleitung entsteht
Sämtliches Oberflächenwasser der Straßen wird in diesen Kanal geleitet. Entlang der gesamten Trasse entsteht zudem eine neue Hauptwasserleitung, die an beiden Enden an das bestehende Netz angeschlossen wird und so eine Ringverbindung schafft. Sechs Hydranten sind hier vorgesehen.
Darüber hinaus werden Stromleitungen, Straßenbeleuchtung sowie Breitbandleitungen zur späteren Glasfaserversorgung der Grundstücke verlegt. Für die Beleuchtung kommen dieselben Leuchten zum Einsatz wie im bestehenden Gewerbegebiet, mit einem Lampenabstand von mindestens 30 Metern, ist aus der Vorlage des Planungsbüros weiter ersichtlich.
Gehweg „ins Nichts“
Doch jetzt noch mal zurück zu den Gehwegen, die es im Gebiet nicht geben soll und zur Frage nach dem „Warum?“. Für den Vorsitzenden Markus Zeiser ein klarer Fall: „Würden wir Gehwege setzen, dann hätten wir dafür 740 Quadratmeter Fläche verbraucht, die wir weniger an Gewerbefläche vermarkten können.“ Außerdem bringe es wenig, wenn der Gehweg „ins Nichts“ führe, weil anderswo im Gebiet ebenfalls keiner vorhanden ist.
Das Gremium folgte dieser Argumentation schlussendlich auch und stimmte der Erschließungsplanung einstimmig zu. Die Kosten teilen sich übrigens auf rund 1,27 Millionen Euro für Tief- und Straßenbau, etwa 120.000 Euro für die Wasserversorgung sowie rund 45.000 Euro für die Straßenbeleuchtung auf.
Zwar gilt eine Förderung als eher unwahrscheinlich, vorsorglich wurde dennoch ein Antrag im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) gestellt. Um einen zügigen Start der Arbeiten zu ermöglichen, ermächtigte die Verbandsversammlung den Vorsitzenden weitergehend dazu, nach Abschluss der öffentlichen Ausschreibung den Auftrag an den wirtschaftlichsten Bieter zu vergeben. Der geplante Baubeginn ist für Anfang April vorgesehen.