Unser Leser Wilfried Münch hat zur jüngsten Bebauungsplanänderung für das Gewerbegebiet „Im Sulzhau“ folgende Meinung.
Wo ist die echte enkeltaugliche Linie in der Gewerbegebietserweiterung? Dass Wirtschaft und Unternehmertum immer mit einem Eingriff in die bestehende Natur verbunden ist, ist unbestritten. In der Regel in erster Linie im Ökologischen, aber häufig auch im Sozialen einer Stadt- und einer Landkreisentwicklung.
Es werden leider alte inhaltslose Floskeln ausgetauscht: „Global Denken lokal Handeln“; „Man muss mit der Zeit gehen“ und insbesondere diese: „Da war vorher gar kein Wald“. Also, so die unsinnige unausgesprochene Schlussfolgerung, kann der inzwischen gewachsene Wald ja wieder weg. Man möge diesen Gedanken einfach einmal auf andere Lebensbereiche übertragen – lächerlich!
Aber nach vorne – zum enkeltauglichen Zukunftsbild einige Denkanstöße: Allem voran schlage ich vor, dass Gemeinderat und Verwaltungsspitze transparent machen, welche Art von Gewerbe im Sinne der Nachhaltigkeit sie bei uns angesiedelt wissen wollen. Wenn das Bild noch nicht steht, ist es allerhöchste Zeit es zu entwickeln. Gewerbe um des Gewerbe Willens ist nicht mehr zeitgemäß. Unternehmen ist weit mehr als Produzieren und Arbeitsplätze anbieten.
Der zwangsläufige Eingriff aus unternehmerischer Tätigkeit und Gewerbeflächenerweiterung muss heute in vollem Umfang an andere Stellen qualitativ hochwertig und beispielgebend – in diesem Sinne ausgeglichen werden.
Bewerber*innen für die Gewerbeflächen und spätere Unternehmen müssen eine Selbstverpflichtung in diesem Sinne, über die gesetzlichen Nachhaltigkeitsmindeststandards hinaus, vorlegen, um zu zeigen wie ernst sie es meinen mit ihrem Beitrag nachhaltigen Wirtschaftens. Wer sich darauf zurückzieht, dazu sei er nicht verpflichtet, macht damit auch eine Aussage und darf nicht berücksichtigt werden.
Die PKW-Parkfläche der Gartenschau kann zum Beispiel mit einer PV-Fläche „überdacht“, einer intelligenten E-Ladestruktur und zumindest während der Gartenschau mit einem intelligenten Carsharing sowie Park-und-ÖPNV-Ride-System ausgestattet sein.
Wir sind in der lokalen Verpflichtung den von der Weltgemeinschaft 2015 geschlossen Klimaschutzvertrag zu erfüllen und die Biodiversität – unserer Lebensgrundlagen – zu stärken. Es braucht, enkeltaugliche Zukunftsbilder in Rat, Verwaltung und Verwaltungsspitze in der Gewerbeflächen- und Ansiedlungspolitik. In diesem Sinne wünsche ich der neuen Verwaltungsspitze gutes Gelingen, mutiges und beherztes Vorgehen. Die Menschen sind weiter als sie denken. Nutzen Sie das Potenzial. Rufen Sie einen Bürger*innenrat ein. „Oben ist nicht Vorne“.
Wilfried Münch, FreudenstadtSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.