Drei Firmen in der Region haben besonders unter den Exportkontrollen von Seltenen Erden aus China zu kämpfen – darunter auch Brugger Magnetsysteme in Hardt. Foto: Dold

China macht den Export von Seltenen Erden nach Deutschland immer schwieriger. Drei Unternehmen aus der Region trifft’s besonders.

Die Firmenchefs Horst Flaig, Thomas Brugger und Michael Dein (MS Schramberg) beziehen auf Anfrage unserer Redaktion Stellung zur kritischen Situation. Ihre Unternehmen sind dringend auf den Import der Seltenen Erden angewiesen, um ihre Produkte herstellen zu können.

 

Wie sieht es derzeit mit der Beschaffung von Seltenen Erden aus China aus?

Michael Dein: China ist nahezu Monopolist: Über 90 Prozent der weltweiten Produktion gesinterter Hochleistungs-Permanentmagnete sowie fast die gesamte Raffinierung schwerer Seltener Erden wie Dysprosium und Terbium finden dort statt. Seit April 2025 unterliegen sieben kritische Metalle sowie daraus gefertigte Magnete einer chinesischen Ausfuhrgenehmigung. Betroffen sind Anwendungen in Elektromotoren, Windkraftanlagen und der Robotik. China nutzt dieses Exportkontrollsystem gezielt als geopolitisches Instrument.

Die Genehmigungsverfahren dauern häufig deutlich länger als die vorgesehenen 45 Tage. Unternehmen müssen zusichern, dass keine Weitergabe an Länder wie die USA erfolgt. Zudem prüfen Zollbehörden alle Magnetlegierungen, auch ohne kontrollierte Elemente. Zollkontrollen von vier bis acht Wochen und Genehmigungen von rund sieben Wochen sind üblich, jedoch kaum planbar.

Der Warenfluss ist stark eingeschränkt, was zu Lieferschwierigkeiten, Mehrkosten und geringeren Abrufen führt. Gleichzeitig wächst das Interesse, die Abhängigkeit von China zu reduzieren – begrenzte Ressourcen außerhalb Chinas und das gewünschte Preisniveau setzen diesem Ziel jedoch enge Grenzen.

Thomas Brugger Foto: privat

Thomas Brugger: Im Wesentlichen sehen wir die gleichen Probleme wie MS Schramberg. Auch wir beschaffen Magnete, bei denen die exportbeschränkten Seltenen Erden nicht enthalten sind (beziehungsweise enthalten sein dürften). Kritisch sind für uns jedoch Werkstoffe mit Samarium für Samarium-Kobalt-Magnete, die offenbar besonders stark von den Exportbeschränkungen betroffen sind, da sie häufig in militärischen Anwendungen eingesetzt werden.

Unabhängig vom tatsächlichen Materialgehalt prüft der Zoll grundsätzlich, ob es sich um vom Lieferanten gemeldete Waren handelt. Hintergrund ist, dass zu Beginn der Exportbeschränkungen Produkte von einigen Lieferanten anders deklariert wurden. In der Folge wurden auch Hartferritmagnete ohne Seltene Erden kontrolliert. Teilweise warteten wir monatelang auf Sendungen, die faktisch nicht unter die Beschränkungen fielen.

Um Termine einzuhalten, sind wir häufig auf Luftfracht angewiesen. Dies führt nicht nur zu deutlich höheren Kosten, sondern auch zu einem erheblich höheren CO₂-Ausstoß gegenüber der Seefracht. Dank einer mit externer China-Beratung aufgebauten Lieferantenbeziehung kommen wir derzeit einigermaßen zurecht. Ein Chinabesuch im Oktober – zeitgleich mit einer weiteren Verschärfung der Exportbeschränkungen – brachte jedoch keine spürbare Verbesserung.

Horst Flaig Foto: Dold

Horst Flaig: Prüfungen, Lieferverzögerungen sowie Lagerkosten und weitere Logistikzuschläge an den Häfen führen zu erheblichen Zusatzkosten. Infolge dieser Entwicklung sind die Preise für Seltenerdmagnete, aber auch für andere Magnetwerkstoffe – selbst solche, die nicht vom Exportstopp betroffen sind – deutlich gestiegen. Exportbeschränkungen und Ausfuhrregeln erzeugen teils extreme Effekte: So nehmen Reedereien und Logistikdienstleister Waren unter der Magnet-Zolltarifnummer 8505… häufig nicht mehr als Containerbeiladung an. Stattdessen dürfen nur noch Container verschifft werden, die ausschließlich Produkte dieser Tarifnummer enthalten, was vielfach zu nahezu leeren Containern führt. Auch Luftfrachtunternehmen haben aufgrund des hohen Abwicklungsaufwands hohe Mindestmengen eingeführt.

Zudem ist die Fertigung von Kleinserien oder Mustern mit Magneten spezieller Güten oder Abmessungen außerhalb Chinas inzwischen sehr schwierig bis nahezu unmöglich. Dies behindert die Entwicklung neuer und zukünftiger Produkte erheblich.

Dauern die Probleme an?

Michael Dein: Die Lage verschärft sich weiter. China hat zeitweise den Export von Magneten mit Seltenerd-Elementen vollständig gestoppt. Dies führte und führt weiterhin zu erheblicher Unsicherheit bei Kunden und Lieferanten. Die damit verbundenen Engpässe treiben die Preise, die jedoch nur begrenzt an die Kunden weitergegeben werden können. Auch nach der teilweisen Erteilung von Exportlizenzen bleibt die Situation angespannt: Testlabore in China sind überlastet, und die Kontrollen gelten weiterhin für sämtliche Magnetprodukte. Mehrere Seltenerd-Elemente sind kaum substituierbar, eine kurzfristige Produktionsausweitung außerhalb Chinas ist nicht realistisch.Wir fertigen überwiegend Magnete aus alternativen Materialien bzw. aus Werkstoffen ohne exportverbotene Elemente. Dennoch unterliegen auch diese Produkte den Kontrollen und sind entsprechend von Lieferverzögerungen betroffen. Kurzfristig ist keine Entspannung absehbar. Aufgrund unserer hohen Fertigungstiefe und technologischen Kompetenz verfügen wir jedoch über Ansatzpunkte, um bestmöglich zu reagieren.

Thomas Brugger: Ja, die Probleme dauern an. Zwar gibt es Ankündigungen zu möglichen Generallizenzen, die eine Entlastung bringen könnten, bislang sind diese jedoch nicht wirksam geworden.

Horst Flaig: Seitens der Politik sind keine Lösungsansätze sichtbar. Der Besuch des US-Präsidenten im Oktober 2025 führte zunächst zur Aufnahme eines weiteren Elements (Holmium) in die Ausfuhrverbotsliste, das später wieder gestrichen wurde. Die eingeführte Prüfpflicht blieb jedoch bestehen und verursacht zusätzliche Kosten und Verzögerungen. Die Industrie setzt nun auf eine Initiative aus Brüssel sowie auf verlässliche Lieferzusagen.

Welche Auswirkungen hat das Ganze auf die Produktion, beziehungsweise Auftragslage?

Michael Dein Foto: Fritsche

Michael Dein: Die Produktion ist derzeit nur eingeschränkt planbar. Lieferverzögerungen und notwendige Sondertransporte belasten die Abläufe zusätzlich. Zudem wirkt sich die insgesamt schwächere Auftragslage in der Wirtschaft auch auf MS Schramberg aus.

Thomas Brugger: An sich ist unsere Beschäftigungssituation gut. Mit einer verlässlicheren Versorgung hätten zusätzliche Aufträge realisiert werden können. Trotz der widrigen Rahmenbedingungen zeigt man sich insgesamt zufrieden.

Wie wirken sich die Zölle mit den USA und China aus?

Michael Dein: In der globalen Wirtschaft führen unplanbare regulatorische Anpassungen sowie anhaltende Diskussionen zu Zoll- und Handelsfragen zu erheblicher Verunsicherung an den Märkten. Wir arbeiten kontinuierlich daran, mögliche Auswirkungen frühzeitig zu erkennen und geeignete Lösungen zu entwickeln, um einen möglichst reibungslosen Ablauf sicherzustellen.

Thomas Brugger: Wir verkaufen relativ wenig in die USA und auch nach China nicht. Insofern kann ich die Frage mit Nein beantworten.

Horst Flaig: Es gibt viele Probleme – zum Beispiel, wenn die USA ankündigen, neue Zölle zu erheben. Dann herrscht in der Logistikbranche Chaos, weil alle hoffen, noch rechtzeitig ihre Lieferungen in die USA einführen zu können. Das führt zu unplanbaren Zuständen, abseits der drohenden Kosten.

Wie ist der Stand bei Kurzarbeit?

Michael Dein: Wir haben im vergangenen Jahr eine freiwillige temporäre Arbeitszeitreduzierung für alle Mitarbeiter mit dem Betriebsrat verhandelt. Diese wurde ab November eingeführt. Leider hat sich aus den Jahresgesprächen mit unseren Kunden zum Ende des letzten Jahres ergeben, dass dies nicht ausreichend ist, um auf die Nachfrageschwäche ausreichend zu reagieren. Somit mussten wir diese Vereinbarung teilweise revidieren und sind aktuell wieder in einigen Bereichen in Kurzarbeit. Wir befinden uns in der Detailplanung für 2026. Wir prüfen Maßnahmen zur Optimierung unserer Kostenstrukturen – sowohl im Bereich der betrieblichen Aufwendungen als auch im Personalbereich. Es ist nicht auszuschließen, dass es zu Anpassungen kommt. In welchem Umfang dies erforderlich sein wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht konkret abschätzen.