Schwere Zeiten in der Automobilindustrie – das macht sich auch bei der Mitgliederentwicklung der IG Metall in Villingen-Schwenningen bemerkbar.
Die Automobilbranche schwächelt. Das schlägt in der Region inzwischen voll durch auf viele der Zulieferbetriebe. „Wir haben viel Arbeit“, sagte Thomas Bleile, Erster Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle in Villingen-Schwenningen, im Rahmen eines Pressegesprächs.
Viel Arbeit bedeutet in diesem Zusammenhang nichts Gutes, denn die Gewerkschaft ist aktuell stark gefragt in Fragen von Kurzarbeit und Beschäftigungssicherung der betroffenen Betriebe. „In den tarifgebundenen Betrieben ist viel Bewegung“, so Bleile. Von der Verwaltungsstelle im Oberzentrum aus betreut die IG Metall 25 tarifgebundene Betriebe. Aus Sicht der Gewerkschaft ein guter Wert. Gefordert ist man derzeit bei Unternehmen wie Wehrle in Furtwangen, J.G. Weisser in St. Georgen, Walor in Vöhrenbach, Mahle in Rottweil und Dynacast in Bräunlingen.
Es geht um die Verhandlung von Ergänzungstarifverträgen, um Unternehmen finanziell zu entlasten und im Gegenzug Entlassungen zu verhindern oder zumindest zu begrenzen sowie Standorte zu erhalten. Wie Autobauer merken Automobilzulieferer die Auswirkungen der Transformation, kurz gefasst: Weg vom Verbrenner hin zu Fahrzeugen mit anderen Antrieben wie beispielsweise E-Autos. „Diese Transformation ist konkret oft nicht einfach“, sagte Uwe Acker.
Einen deutlichen Mitgliederrückgang verzeichnete die IG-Metall-Verwaltungsstelle VS im vergangenen Jahr. Die Kurve zeigt nach unten von 7440 Mitgliedern im Jahr 2023 auf 7162 (2024) und 6552 (2025). Dafür gibt es laut Thomas Bleile verschiedene Gründe. Weil die Betriebe derzeit kaum noch neue Mitarbeiter einstellten, wirke sich das negativ auf die Entwicklung bei den Neumitgliedern aus.
Deutliche Rückgänge verzeichne man bei den betriebsangehörigen Mitgliedern wegen Altersteilzeit und Rente. Außerdem habe die IG Metall den Mitgliedsbeitrag für Arbeitslose, Rentner und Bürgergeldempfänger auf drei Euro im Monat erhöht. Das habe auf der einen Seite zu Kündigungen der Mitgliedschaft geführt, auf der anderen Seite aber auch zu Aktualisierungen – noch als arbeitslos gelistete Mitglieder sind wieder in Beschäftigung und zahlen damit den regulären Beitrag. „Die Mitgliederverluste sind bundesweit bei der IG Metall zu verzeichnen, das macht es aber nicht besser.“
Tarifverhandlungen Positiv für die Gewinnung neuer Mitglieder sind meist Tarifverhandlungen, bei denen die Gewerkschaft mit Warnstreiks und auch Streiks die Muskeln spielen lässt. Der aktuelle Tarifvertrag in der Metall- und Elektroindustrie läuft noch bis zum Herbst 2026.
Forderung kommt später
Dieses Mal wolle sich die Gewerkschaft länger Zeit nehmen für konkrete Forderungen wie hoch beispielsweise das Lohn-Plus ausfallen soll. „Beim letzten Mal hat sich über die Sommermonate die wirtschaftliche Lage deutlich verschlechtert, daraus haben wir gelernt“, so Bleile. Für den Bereich Holz und Kunststoff in Baden-Württemberg gibt es bereits ein Verhandlungsergebnis 2026: 300 Euro Einmalzahlung, ab Juni zwei Prozent mehr Geld und ab Juli 2027 nochmal 2,2 Prozent mehr Geld. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 27 Monaten beginnend im April 2026. Ein Vorbild für die Metall- und Elektroindustrie? Bei der IG Metall sehe man die „schleppende Wirtschaft“.
Die Aktionen „Was das Ganze am Laufen hält ist der private Konsum, außerdem kommen die staatlichen Investitionen in die Infrastruktur langsam an“, meinte Bleile. Die ersten Aktionen in Richtung Mobilisierung laufen an. Vor Weihnachten habe es eine „Rote-Karte-Aktion für Betriebe gegeben, „die, ohne mit uns zu reden, Umstrukturierungen und Verlagerungen planen“. Am 28. Februar ist eine Kundgebung in der Stuttgarter Innenstadt geplant. Im Vorfeld der Landtagswahl in Baden-Württemberg soll der Demozug durch die Stuttgarter Innenstadt führen mit Aktion vor dem Landtag.
„Lifestyle“-Teilzeit? Jüngste Debatten um einen erhöhten Krankenstand, um eine Ende einer angeblichen „Lifestyle-Teilzeit“ und der telefonischen Krankschreibung ist nach Einschätzung der hiesigen IG-Metall-Vertreter „eine Ablenkung von wirklich wichtigen Themen und davon, dass man keine Lösungen anzubieten hat in der Industrie- und Wirtschaftspolitik“.
Richtig sei vielmehr, dass die Beschäftigten in Deutschland immer mehr Überstunden leisteten und Frauen sowie ältere Menschen oft unfreiwillig Teilzeit arbeiteten. „Richtig ist, dass der Krankenstand auf 14,8 Krankheitstage pro Beschäftigten im Jahr gestiegen ist“, sagte Thomas Bleile weiter. Die Barmer Krankenkasse berichte, dass bei ihr nur 0,8 bis 1,2 Prozent der Krankschreibung telefonisch sind. Gründe für den Anstieg sieht die Gewerkschaft vielmehr in der zunehmenden Arbeitsbelastung oder auch „Nachholeffekten von Atemwegserkrankungen nach Corona“. Der Anteil der Menschen, die sich „Lifestyle-Teilzeit“ leisten könnten, werde von der Wissenschaft als sehr gering eingeschätzt.
Betriebsratswahlen Außerdem stehen zwischen März und Mai 2026 Betriebsratswahlen an. Da zeichne sich ein Generationenwechsel ab. Bei der letzten Wahl in 2022 wählten 62 Betriebe im Zuständigkeitsbereich der IG Metall VS einen Betriebsrat, 24 Betriebe eine Jugend- und Auszubildendenvertretung und 24 Betriebe Schwerbehindertenvertreter.