Das Projekt, auf dem Industriegelände ein „Urbanes Quartier“ zu errichten, schreitet voran. Eigentlich kommt das Vorhaben gut an. Eine Lärmschutzwand, Parkplätze und der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum sorgten aber doch für kleinere Diskussionen.
Knapp eineinhalb Jahre sind vergangen, seit die ersten Pläne für eine Neugestaltung des alten Bauknecht-Areals publik wurden.
Die PE Area Development als Eigentümer sowie das beauftragte Planungsbüro Re2area GmbH präsentierten damals Entwürfe, was auf dem Gelände dereinst entstehen soll. Etwa ein halbes Jahr später legten sie ein leicht verfeinertes Konzept vor, das wiederum unter anderem von den Behörden begutachtet wurde.
Das Konzept
Und dieses Konzept kann sich sehen lassen: Insgesamt rund 227 Wohneinheiten, autofreie Wohnhöfe dank Tiefgaragen, ein Boarding-House (eine Art Hotel oder Pension) mit rund 70 Appartements, Büroräume, ein Kindergarten und ein Pflegeheim mit rund 60 Pflegeplätzen könnten im besten Fall hier ihren Platz finden. Dazu reichlich Grünflächen und ein Kinderspielplatz.
Auch „die Billard Factory ist willkommen“, sagte Carina Kappes von Area Development. Diese könnte einen Platz in einem der Neubauten bekommen.
Die Lärmschutzwand
Im Grunde gab es daran in der jüngsten Sitzung des Calwer Bauausschusses nicht viel auszusetzen. Das Gremium empfahl am Ende entsprechend auch einstimmig, den Bebauungsplan als Entwurf zu beschließen und die Öffentlichkeit zu beteiligen. Kommende Woche entscheidet der Gemeinderat darüber.
Zu einigen Punkten gab es dann aber dennoch Gesprächsbedarf – allen voran zur geplanten Lärmschutzwand, die im Süden des Gebietes errichtet werden soll, schräg zur B 296, die von Stammheim kommt. Denn diese soll bis zu 8,5 Meter hoch werden.
Zum Schall, so erklärte Sabine Bockhacker vom Büro Re2area in der Sitzung, habe man sich „ziemlich intensive Gedanken machen müssen“.
„Wir hätten gerne darauf verzichtet“
Ein Lärmgutachten habe ergeben, dass sowohl in Richtung der Märkte Lidl und Aldi, als auch in Richtung das großen Parkplatzes zwischen Bauknecht-Gelände und ATU Maßnahmen notwendig seien – wegen des Gewerbelärms. Darum sei bis zum jetzigen, nächsten Schritt auch so viel Zeit verstrichen.
Und Richtung Parkplatz blieb offenbar nur die Möglichkeit einer hohen Wand. „Wir hätten gerne darauf verzichtet“, erklärte Bockhacker. Und meinte auf Nachfrage von Adrian Hettwer (Gemeinsam für Calw): „Eine Begrünung aus Hecken reicht leider nicht aus.“
Bauwerk bei Heumaden fällt kaum noch auf
Dieter Kömpf (Freie Wähler) störte sich allerdings daran, dass in der Sitzung nicht genau der Abschnitt näher gezeigt wurde, nach dem er bereits im Ortschaftsrat Stammheim gefragt hatte. Wenn solche Anliegen nicht bearbeitet würden, wirke das schnell, als gebe es etwas zu verbergen. Und er sorge sich um den Anblick, der sich dann von der Bundesstraße aus biete.
Die Planerin versicherte dagegen, es habe sich um ein Missverständnis gehandelt und versprach, die gewünschten Ansichten nachzuliefern.
Jürgen Ott (Gemeinsam für Calw) erinnerte in diesem Zusammenhang an die Lärmschutzwand von Heumaden, die entlang der B 295 steht. Bevor diese gebaut worden sei, habe es auch große Aufregung gegeben – die Anwohner seien froh gewesen. Und durch die Begrünung falle das Bauwerk heute kaum noch auf.
Auch kein schöner Anblick
Man müsse sich eben überlegen, ob man das Vorhaben auf dem Bauknecht-Areal unterstützen wolle oder nicht.
Oberbürgermeister Florian Kling ergänzte, dass derzeit von der Bundesstraße aus eine „Bauknecht-Ruine“ zu sehen sei, was auch keinen schönen Anblick darstelle.
Kömpf verteidigte sein Anliegen indes. „Wir haben nicht oft die Möglichkeit, einzuwirken“, sagte er. Nicht zuletzt ging es in Sachen Optik um die Frage, ob die Mauer auch bepflanzt werde.
„Wenn das ihr Wunsch ist, kein Problem“, meinte Bockhacker. Dieser Punkt werde in die verbindlichen Unterlagen aufgenommen.
Die Nutzung
Hettwer wollte noch wissen, ob sich am Nutzungskonzept – also Wohnen, Arbeiten, Pflegeheim, Hotel, Kindergarten – etwas geändert habe. Dazu erklärte Kappes, dass noch alles beim Alten sei und es Gespräche gebe.
Kling ergänzte dazu aber an Hettwer gewandt: „Das können Sie nicht (in einem Vertrag, Anm. d. Red.) festlegen.“
Die PE Area Development entwickelt zwar das Gebiet, sucht allerdings nach Investoren, die die verschiedenen Vorhaben dann umsetzen.
Johannes Schwarz (Grüne) überlegte, ob sich nicht auch eine Quote für bezahlbaren Wohnraum fordern lasse. Kling erwiderte, „Sie dürfen alles fordern, was das Recht hergibt“ – allerdings sei das Vorhaben dann wohl gestorben. Dies sei nicht zuletzt wegen des nötigen Abrisses ohnehin wirtschaftlich schwierig und das auch noch in schwierigen Zeiten.
Die Parkplätze
Ein altbekanntes Fass öffnete schließlich Rainer Burkhardt (Grüne) – wenn auch nur ein wenig. Der meinte, vielleicht ließe sich ja der Parkplatzschlüssel auf 1,0 Plätze (statt 1,5) pro Wohneinheit senken. Immerhin sei die Anbindung an Bus und später Bahn hier besonders günstig.
Dass es Disput um die Parkplatzanzahl gebe, meinte dazu der Oberbürgermeister, sei fast schon ein „Gemeinderats-Gesetz“. Meist fordere Ott mehr, andere weniger, am Ende einigten sich alle auf 1,5. Dabei blieb es dann auch.
Der Zeitplan
Weiter unklar ist indes in weiten Teilen der Zeitplan. Kappes erklärte dazu aber, alles solle so schnell wie möglich weitergehen. Es werde sich sicher niemand „auf die faule Haut legen“. Aber, immerhin: Der städtebauliche Vertrag zwischen der Stadt und dem Eigentümer könnte bis November fertig sein, um im Gremium darüber abzustimmen.