Der Indus-Vorstand bei der Hauptversammlung mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Abromeit (Zweiter von links) und dem Vorstandsvorsitzenden Johannes Schmidt (Mitte). Foto: Moritz

Aufsichtsrat und Vorstand der Indus Holding AG haben auf der Hauptversammlung von den Ergebnissen des vergangenen Geschäftsjahres, der aktuellen Lage und den Erwartungen für die weitere Entwicklung berichtet.

Aichhalden/Bergisch-Gladbach/Köln - Auch in diesem Jahr fand die Hauptversammlung wieder virtuell statt. Übertragen ins Internet wurde sie aus dem Rheinsaal des Congress-Centrums Nord der Koelnmesse GmbH, dem traditionellen Veranstaltungsort der Aktionärsversammlungen der Indus.

Abhängigkeit von Russland und China

"Die Pandemie und der Krieg haben alles auf den Kopf gestellt", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Abromeit in seiner Eingangsrede. Nichts sei mehr selbstverständlich, auch wegen "riesiger Fehler von Politik und Wirtschaft". Er spielte damit an auf die Abhängigkeit von russischer Energie und Rohstoffen oder auch von Chips aus China. "Man hätte schon viel früher diversifizieren müssen", folgerte Abromeit. Andererseits wäre jetzt aber auch die Zeit, den Aufbruch vorzubereiten und Pläne zu schmieden: "Krisen machen auch neue Türen auf".

Der Ausgangspunkt dafür sieht für Indus und seine 48 Beteiligungsfirmen gar nicht schlecht aus. Denn der Indus-Vorstandsvorsitzende Johannes Schmidt konnte für das vergangene Geschäftsjahr trotz der Krisen gute Zahlen vorlegen: Der Umsatz stieg um rund zwölf Prozent auf 1,74 Milliarden Euro. Ausgehend vom niedrigen Niveau des Corona-Jahres 2020 vervierfachte sich das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) auf rund 115 Millionen Euro. "Trotz der Personalengpässe durch Corona, trotz der Lieferkettenprobleme. Das ist eine gute Leistung", erklärte Schmidt. Die EBIT-Marge lag mit 6,6 Prozent leicht über der Prognose. "Nach wie vor streben wir zehn Prozent plus x an. Vier von fünf Segmenten haben dieses Ziel in Summe schon erreicht", bekräftigte Schmidt. Die Fahrzeugtechnik bliebe die Herausforderung, bedingt durch den Strukturwandel in der Autoindustrie.

Simon Group

Beim Thema Nachhaltigkeit erwähnte Schmidt den Unternehmensbereich Betek der Simon Group in Aichhalden, die im Segment Metalltechnik tätig ist: "Das Thema Ressourcenschonung wird uns zunehmend begleiten. Hier sind wir bereits aktiv: Betek recycelt selbst teures Hartmetall. Das Unternehmen hat dazu ein neues Verfahren entwickelt und industrialisiert". Bis zu 300 Tonnen jährlich werde Betek aus alten Hartmetallwerkzeugen wiedergewinnen und damit Emissionen senken, Abhängigkeiten reduzieren und Geld sparen.

Prognose

Im März habe Indus, sagte Schmidt, für 2022 eine Prognose abgegeben, damals noch, ohne die Auswirkungen des Krieges einschätzen zu können. Die Unsicherheiten durch den Ukraine-Krieg oder die Pandemie blieben hoch. "Dennoch gehen wir aufgrund der guten Entwicklung im ersten Quartal unverändert von einem Umsatz von 1,8 bis 1,95 Milliarden Euro aus. Das EBIT erwarten wir zwischen 115 und 130 Millionen Euro". Der Mittelstand im Allgemeinen und die Indus-Unternehmen im Besonderen seien resilient. Ein hoher Cashflow und eine stabile Dividende zeigten das auch in Krisenzeiten. "Das war in der Finanzkrise und in der Corona-Zeit so. Und das gilt auch heute", machte Schmidt Mut. Auch die mittelfristigen Ziele für 2025 habe Indus klar im Blick: "Deutlich über zwei Milliarden Euro Umsatz. Die EBIT-Zielmarge von zehn Prozent wird wieder zuverlässig erreicht".

Dividende

Für das Geschäftsjahr 2021 hatten Vorstand und Aufsichtsrat eine Dividende von 1,05 Euro vorgeschlagen, was einer Dividendenrendite von 3,2 Prozent entspricht. Die Aktionäre bestätigten den Vorschlag. Außerdem stimmten sie der Wahl von Barbara Schick in den Aufsichtsrat zu. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der Versicherungskammer Bayern und wird Nachfolgerin der scheidenden Isabella Pfaller.

Ukraine und Russland

Zum Thema Ukraine-Krieg nahm der Indus-Vorstandsvorsitzende Johannes Schmidt Stellung: "Unmittelbar sind wir nur gering betroffen. Unser Umsatzanteil in Russland und der Ukraine lag in den Vorjahren bei rund 1,2 Prozent. Aber es gibt vielfältige makroökonomische Auswirkungen.

Bei den Lieferketten: Die Verfügbarkeit vieler Rohstoffe und Vorprodukte ist eingeschränkt. Nicht nur durch den Krieg, sondern weiter auch durch die Pandemie. China schließt die Häfen, und bei uns fehlen Chips und andere Vorprodukte

Bei den Energiekosten: Diese steigen stark. Wir haben zwar selbst keine energieintensive Produktion. Aber wir brauchen Vorprodukte. Zum Beispiel aus Aluminium oder Edelstahl. Diese verteuern sich massiv. Der Mangel sorgt zusätzlich für steigende Preise.

Das gilt auch für die Verpackungs- und Transportkosten. Das alles führt zu kräftiger Inflation. Diese wird sich auch auf die Arbeitskosten auswirken. Die Zinsen werden steigen. Und damit die Finanzierungskosten".