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Indien und Pakistan Ballett der Streithähne

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Stechschritt bis zur Stirn: Die Inder machen es vor, die Pakistani brauchen keine Nachhilfe Foto: EPA

Wagah/Islamabad - Es ist ein bizarres Spektakel, das sich jeden Abend kurz vor Sonnenuntergang am pakistanisch-indischen Grenzübergang Wagah abspielt. Tausende Zuschauer haben sich auf beiden Seiten der Grenze versammelt, brüllen „Lang lebe Mutter Indien“ oder „Allah ist groß“ und verbreiten eine Stimmung wie in einem Fußballstadion. Dann schlägt die Stunde der Grenzsoldaten.

Mit stolzgeschwellter Brust und Verachtung im Blick marschieren sie im Stechschritt auf die Grenze zu. Es folgt eine auf beiden Seiten fein abgestimmte Choreografie, mit der die eigene Überlegenheit demonstriert werden soll. Befehle werden gebrüllt, Stiefel knallen donnernd auf den Asphalt, und die zahlreichen Schaulustigen bekommen ein Militärballett geboten, das an „das Ministerium für alberne Gänge“ der Comedy-Truppe Monty Python erinnert und von Monty-Python-Mitglied Michael Palin einst als „sorgfältig choreografierte Verachtung“ bezeichnet wurde.

Die in Parade-Uniformen gekleideten Soldaten – die Inder in Khaki, die Pakistaner in Schwarz –, die mit ihren fächerartigen Kopfbedeckungen wie Kampfhähne wirken, plustern sich auf, werfen der Gegenseite giftige Blicke zu, um dann, wenn die Grenztore scheppernd geöffnet werden, die Flaggen feierlich einzuholen.

Geht es nach Yashwant Sinha, soll es mit dem martialischen Zapfenstreich bald ­vorbei sein. Als hässlich, nahezu vulgär ­bezeichnete der ehemalige Außen- und Finanzminister Indiens das theatralische Schauspiel jüngst bei einem Treffen von pakistanischen und indischen Geschäftsleuten. „Ich weiß nicht, warum wir an dieser Zeremonie festhalten.“ Derzeit belaufe sich das Volumen der Wirtschaftsbeziehungen auf rund 2,4 Milliarden Euro pro Jahr. ­Sobald man die Wirtschaft von der Politik befreie, könne es auf rund 13 Milliarden Euro steigen, glaubt Sinha.

In den sozialen Netzwerken stieß der Vorschlag auf Zustimmung, indische und pakistanische Politiker hielten sich bislang mit Kommentaren jedoch vornehm zurück. Bereits 2011 hatte sich der pakistanische Generalmajor Yaqub Ali Khan dafür ausgesprochen, bei der Zeremonie künftig auf allzu aggressive Gesten zu verzichten. Ob dies in Wagah tatsächlich beherzigt wird, ist nicht überliefert.

Drei Kriege haben Indien und Pakistan seit der blutigen Trennung der beiden Länder im Jahr 1947 geführt. Bis heute kommt es in der von beiden Seiten beanspruchten Provinz Kaschmir immer wieder zu Gefechten. Wagah blieb lange Jahre der einzige Grenzübergang, der die Atommächte miteinander verband, und die Zeremonie des Flaggeneinholens war eine Möglichkeit, den Gegner, wenn schon nicht mit Waffen, so doch wenigstens mit Blicken zu töten.

Dabei ist der Schaukampf mehr als nur überschäumender Nationalismus, endet die Zeremonie doch stets versöhnlich: mit einem Händedruck über die Grenze hinweg – und das auch in Zeiten großer Krisen an jedem einzelnen Tag seit 1959. Immer kurz vor Sonnenuntergang.

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