Der Brauerei-Ausschank Hieronymus in Schmieheim ist erst einmal geschlossen. Foto: Decoux

Sichtlich bewegt hat Noch-Pächter Martin Kosny in einem Internetvideo geschildert, dass er den Brauerei-Ausschank in Schmieheim verlassen wird. Sein Pachtvertrag sei nicht verlängert worden.

Es gehe ihm um die Wahrheit und nicht um Anschuldigungen, erklärt Martin Kosny, als er sich am Sonntag über den Instagram-Account des Hieronymus-Ausschanks zu Wort meldet.

 

Der Pächter der Traditionsgaststätte habe nicht mehr die Kraft, jedem einzeln zu erzählen, dass er aufhört. Deshalb wende er sich nun auf diesem Weg an die Öffentlichkeit. Martin Kosny und Melanie Skodzik hatten 2022 den Hieronymus-Ausschank in Schmieheim übernommen. Zuvor hatten die beiden fünf Jahre lang den „Adler“ in Ringsheim betrieben, bis er verkauft wurde.

Veranstaltungen abgesagt

Am Freitag, 17. Januar, habe Kosny die Nachricht erhalten, dass sein Pachtvertrag für den Hieronymus-Ausschank nicht verlängert und aufgrund von Pachtrückständen fristlos gekündigt werde, schildert Kosny. Rechtlich sei alles korrekt gelaufen, sagte er, die Gründe für die Schulden lässt er offen. Zehn Tage später hätten er und seine Frau den genauen Termin erhalten, zu dem sie schließen müssen: 28. Februar. „Der Plan war: Wir lassen das Restaurant bis zum 28. Februar geöffnet, dann sperre ich das Restaurant ab und werde bis in zwei Wochen darauf Schmieheim verlassen“, schildert Kosny. Der Umzug ist notwendig, weil zusammen mit der Gaststätte auch die Wohnung darüber an Kosny vermietet wurde.

Doch den angedachten Plan kann er nicht mehr ausführen: Am 28. Januar habe er die 23 in der Gaststätte später im Jahr geplanten Veranstaltungen abgesagt. Das sei hart gewesen wie nichts zuvor in seiner 22-jährigen Berufstätigkeit, schildert der 38-Jährige.

Nach einer Panikattacke schließt Kosny vorzeitig

Am Tag darauf habe Kosny eine Panikattacke erlitten – es sei ihm alles zu viel geworden. „Ich erhielt E-Mails in der Spanne von ,Ich komm mit dem Anwalt, weil ich meinen 60-Euro-Gutschein nicht mehr einlösen kann‘ bis ,Ich häng’ mich auf, weil ich dein Schnitzel nicht mehr bekomme‘. Ich dachte, ich muss flüchten“, berichtet der Wirt. Seit diesem Tag sei die Gaststätte geschlossen – und werde es bis auf eine Veranstaltung für eine geschlossene Gesellschaft auch bleiben.

Wie es für Kosny nun weitergeht, weiß er nicht. „Ich werde erstmal kein Restaurant weiterführen. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich entscheiden soll, ob ich mich aus der Selbstständigkeit verabschiede oder ob ich ins Angestelltenverhältnis gehe.“

Seinen Gästen dankt der Noch-Pächter für ihre Loyalität. Und hat eine Bitte an sie: Falls jemand eine Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung vermiete, in die er mit seiner Familie umziehen könnte, bitte er denjenigen, sich direkt bei ihm zu melden. Den Instagram-Kanal werde er in den nächsten Wochen umbenennen und mit neuem Inhalt füllen.