Die Sprengung eines Geldautomaten in der Nacht zum 20. November 2023 im Fachmarktzentrum hatte verheerende Folgen. Foto: Bender

Seit mehr als zwei Jahren ist im Lahrer Raum kein Geldautomat mehr gesprengt worden. Kein Zufall – Volksbank und Sparkasse haben in ihre Sicherheitstechnik investiert.

Sie kamen immer nachts und ließen es ordentlich krachen: 2022 und 2023 wurde der Raum Lahr von Bankräubern heimgesucht, die Geldautomaten sprengten und dabei mitunter böse über das Ziel hinausschossen.

 

Eine der folgenschwersten Taten wurde in der Nacht zu Montag, 20. November 2023, im Fachmarktzentrum in Mietersheim verübt. Dabei wurde durch eine heftige Explosion nicht nur ein Geldautomat zerstört, sondern auch das angrenzende Gebäude schwer in Mitleidenschaft gezogen. Wände stürzten ein, Trümmer wurden bis zu 40 Meter in die Umgebung geschleudert.

Der Fall war typisch für Automatensprengungen, bei denen der Schaden häufig größer ist als die Beutesumme. Kriminelle nutzten immer häufiger feste Sprengstoffe statt Gas. Die lassen sich gezielter einsetzen und entfalten eine deutlich größere Wucht.

In den Monaten vor dieser Tat hatten Panzerknacker es bereits bei Automaten in Sulz, Niederschopfheim, Allmannsweier, Rheinhausen, Kappel-Grafenhausen und auch schon ein erstes mal in Mietersheim knallen lassen. Nächte, in denen Anwohner von Detonationen aus dem Schlaf gerissen wurden und morgens vor zerstörten Schaufenstern standen, gehörten rund um Lahr fast schon zum gewohnten Bild.

Das Risiko ist den Tätern zu groß geworden

Doch längst ist Ruhe eingekehrt. Das Aufsprengen von Geldautomaten ist für Verbrecher unattraktiver und riskanter geworden, dank gestiegenem Fahndungsdruck und besserer Sicherungstechnik. Tatsächlich haben etwa die Volksbank Lahr und die Sparkasse Offenburg/Ortenau viel getan, um Bankräuber abzuschrecken. Bei der Volksbank weisen bereits Aufkleber auf den Automaten darauf hin, dass sich eine Sprengung nicht lohnt.

Man habe moderne Sicherheitssysteme installiert, bestätigt die Bank auf Nachfrage. Dazu gehörten Farbsysteme und Anlagen, die die nächtliche Schließung der SB-Zonen automatisieren sowie überwachen. Außerdem setze man einen Sicherheitsdienst ein.

Auch die Sparkasse schließt nachts ihre SB-Filialen. Darüber hinaus setze man auf „eine Vielzahl von aktiven und passiven Maßnahmen zum Schutz vor Sprengungen, zum Beispiel die Aufrüstung der Geldautomaten mit Einfärbetechniken“, heißt es von dem Geldinstitut.

Einfärbesysteme gelten als einfaches, aber effektives Mittel, um potenzielle Einbrecher zu verschrecken: Sollten sie Bankautomaten gewaltsam öffnen, werden alle Geldscheine in den Kassetten gefärbt. Dadurch sind sie für die Bank noch umtauschbar, für die Kriminellen aber wertlos.

Darüber hinaus haben die Geldinstitute bauliche Sicherungsmaßnahmen getroffen. Als besonders gefährdet eingeschätzte Standorte hätten Vorbaurolladen erhalten, so die Sparkasse. Von der Volksbank heißt es, dass die Automaten-Standorte kontinuierlich auf ihre Sicherheit hin gecheckt werden. „Wo es erforderlich ist, werden Maßnahmen geprüft und umgesetzt. Aus Sicherheitsgründen äußern wir uns nicht zu konkreten Details.“

Für die Schutzvorkehrungen haben die Kreditinstitute Geld in die Hand genommen. Konkrete Summen nennen Volksbank und Sparkasse nicht, teilen aber mit, dass sie nach der Welle der Bankautomaten-Sprengungen jeweils einen sechsstelliger Betrag in die sicherheitstechnische Nachrüstung gesteckt hätten. Unabhängig davon investiere man kontinuierlich in die Sicherheit der Infrastruktur, betont die Volksbank.

Der Geldautomat in Sulz wurde nicht ersetzt

Die Frage unserer Redaktion, ob sie aus Angst vor Panzerknackern auch Geldautomaten abgebaut habe, verneint die Sparkasse. Das sei nicht nötig gewesen, heißt es. Die Volksbank Lahr gibt eine differenzierte Antwort: Man überprüfe das Automatennetz regelmäßig unter wirtschaftlichen und sicherheitsrelevanten Gesichtspunkten. Nach den Sprengungen in Sulz und Rheinhausen habe man die dortigen Automaten nicht ersetzt. Gleichwohl sei die Zahl der Geldautomaten der Volksbank Lahr in den vergangenen Jahren nahezu gleich geblieben – derzeit seien es 46.

Die Volksbank betont auch, dass die Automaten einen hohen Stellenwert hätten. „Gerade im ländlichen Raum, wo die Wege meist etwas länger sind, tragen sie dazu bei, die Versorgungssicherheit und die Nähe zur Kundschaft zu gewährleisten“, heißt es. „Auch, wenn der Unterhalt und Betrieb einen großen Kostenfaktor darstellen, halten wir an unserem Angebot fest. Damit unterscheiden wir uns deutlich von Mitbewerbern ohne Filialnetz und ohne eigenen Bargeldservice“, so die Volksbank. Ähnlich äußert sich die Sparkasse: Die hohen Investitionen in Neuausstattungen und Aufrüstungen der SB-Geräte zeigten, dass diese nach wie vor eine hohe Bedeutung haben.

Mit der Sicherung ihrer Automaten wollen die Kreditinstitute nicht nur das eigene Geld, sondern vor allem auch Anwohner und Kunden schützen – die sollen nicht auf Kriminelle treffen. In den beiden vergangenen Jahren hat das geklappt, es wurden keine Automaten mehr gesprengt – doch was ist mit den Tätern?

Jahrelang hatten vor allem aus den Niederlanden stammende Banden für eine Welle von Detonationen gesorgt. Sie fuhren nachts nach Deutschland, jagten Geldautomaten in die Luft und rasten mit dem erbeuteten Bargeld zurück. Das dichte Autobahnnetz und die hohe Bargeldnutzung hatten Deutschland attraktiv für sie gemacht.

In Baden-Württemberg bearbeitet das Landeskriminalamt (LKA) mit Sitz in Stuttgart zentral alle Fälle von Geldautomatensprengungen, aber die organisierte Struktur der meist international agierenden Täter macht die Ermittlungen komplex. Trotzdem gibt es Fahndungserfolge, im Februar 2023 wurden etwa in den Niederlanden – auch dank der Ermittlungen des LKA Stuttgart – mehrere Verdächtige im Zusammenhang mit Geldautomaten-Sprengungen verhaftet.

Die Täter, die am 20. November einen Automaten der Sparda-Bank in Mietersheim mit so verheerenden Folgen in die Luft gejagt hatten, wurden dagegen nie gefasst.

Die Zahl der Sprengungen geht zurück

Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) wurden im Jahr 2025 bis November deutschlandweit rund 115 Geldautomaten gesprengt; neuere Zahlen liegen nicht vor. Das ist ein Rückgang von fast 80 Prozent gegenüber dem Höchststand von 496 Fällen im Jahr 2022. Die sinkenden Zahlen in Deutschland haben laut BKA eine Kehrseite: Die Täter weichen zunehmend ins benachbarte Österreich aus, wo sich die Zahl der Sprengungen im vergangenen Jahr verdoppelt hat.