In der Welt ist er bekannt – in seiner Heimat Freudenstadt weniger: Maler, Autor und Historiker Albrecht Behmel. Unsere Redaktion hat ihn getroffen.
Seine Bilder hängen in Hollywood, Miami, Peking, Tokio, Manila und im Dienstzimmer des Freudenstädter Oberbürgermeisters. Und doch ist Albrecht Behmel, Maler, Historiker und Buchautor, in seiner Heimatstadt nur Wenigen bekannt.
Liegt es an seiner sprichwörtlichen Bescheidenheit, am Desinteresse oder gilt tatsächlich der Prophet im eigenen Land nichts? „Vielleicht von allen drei etwas“, meint lächelnd der 53-Jährige, der mit diesem Umstand ganz zufrieden scheint.
Immerhin stand er dieser Tage im Mittelpunkt seiner Kirchengemeinde, als ein Triptychon im Gemeindesaal der katholischen Taborkirche öffentlich vorgestellt wurde oder als er kürzlich in einer Kunstaktion mit Kindern der Caritas und dem Internationalem Bund (IB) in seinem Atelier malte und Bilder erklärte.
Viel gefragt
Überhaupt ist er derzeit viel gefragt. In der renommierten Ulmer Galerie von Bernd Geserik wird im September eine Behmel-Ausstellung mit biblischen Themen eröffnet. Gerade kommt er aus Salzburg von einer Vernissage zurück. Dort wurde seine Serie mit Arbeiten über den Krieg in der Ukraine vorgestellt. Fünf große Bilder über die Schrecken des Krieges, doch mit friedlichen, hoffnungsvollen Symbolen.
„Ich mal keine Kriegsbilder, sondern ethische Betrachtungen“, sagt Behmel, der diese Ausstellung mit dem ukrainischen Friedensnobelpreisträger Roman Nekoliak vom Center for Civil Liberties konzipiert hat. Die Ausstellung war unter anderem schon in Düsseldorf, Wien und Frankfurt zu sehen. Die Werke sind letztlich für die Reha-Klinik „Unbroken“ in Lviv bestimmt, die Prothesen für Kriegsverletzungen herstellt.
Behmel malt seine Gemälde oft in Serien. Zumeist im abstrahierten Stil, der entfernt an Wimmelbilder erinnert, in denen es auch immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Seine großflächigen farbenfrohen Arbeiten aus dickflüssigem Acryl und Lack erzählen Geschichten, werfen mit Symbolen Fragen auf und fordern den Betrachter heraus.
Und sie sind langfristig konzipiert. „In jedem Bild stecken sechs bis sieben Bücher und mindestens ebenso viele Gespräche. Es sind vielfach gemeinsam entwickelte Projekte, an denen ich dann drei bis vier Wochen male“. Oft holt er sich dazu Fakten und Hintergrundwissen von Hochschulen, oder auch von Experten wie dem Nobelpreisträger Steven Weinberg (1933-2021) oder dem Physiker Matthias Bartelmann.
Atelier mit viel Platz
In Freudenstadt hat er bei der Firma ML Metall Concept von Bernd Staudenmeier in der ehemaligen Druckerei Schlott einen großen Raum gefunden, in dem er sich ausbreiten und seine Bilder zeigen kann. Dort finden seine Bilder in einer eindrucksvollen Rundum-Schau Platz, werden Ausstellungen vorbereitet. Es gibt immer wieder Vernissagen, Gruppenveranstaltungen und Aktionen mit Kindern und Senioren, der Caritas, dem Bruderhaus, der Kirchengemeinde oder Schulklassen. „Ich würde gern mehr in und für Freudenstadt machen“, sagt der Künstler.
Albrecht Behmel ist in Stuttgart und Freudenstadt als Sohn des Geologen Hermann Behmel aufgewachsen und war oft bei seinem Großvater Paul Behmel, einst Hochbauamtsleiter bei der Stadt. Albrecht Behmel studierte Philosophie und Geschichte in Heidelberg und Berlin und arbeitete lange für Film, Fernsehen, Radio und Printmedien in Berlin. 2012 zog er mit Frau und Kindern ins großväterliche Haus nach Freudenstadt. „Das habe ich nie bereut, es war unsere beste Entscheidung“, so Behmel.