Sie wiegen etwas mehr als eine ausgewachsene Hauskatze, sind rot, flink, gelten in Märchen als schlau und sind putzig anzusehen: Füchse. In Schwenningen wurde kürzlich wieder einer gesichtet, der sich pudelwohl zu fühlen scheint. Doch benötigen die Wildtiere mitten in der Stadt menschliche Hilfe? Oder sind sie gar gefährlich?
Die Richard-Bürk-Schule in Schwenningen hatte kürzlich besonderen Besuch. Auf den Steinen vor der grauen Statue sonnt sich ein kleiner roter Fuchs und macht es sich gemütlich, scheinbar ohne Scheu vor vorbeifahrenden Autos oder Schaulustigen.
Abgelichtet hat den kleinen Fuchs ein Schwenninger Passant – in den Sozialen Netzwerken auf Facebook findet sein Post sogleich Anklang. „Ihm scheint es sehr gut zu gehen“, schreibt der Fuchs-Finder in den Kommentaren unter seinem Post. „Er hat es sich sichtlich gemütlich gemacht. Er kommt und geht.“
Andere Schwenninger sorgen sich aber auch um das Wohlbefinden von „Meister Reinecke“. „Geht es ihm gut, braucht er vielleicht Hilfe?“, fragt ein User. Manch einer rät auch dazu den Tierschutzverein oder die Tierrettung Südbaden zurate zu ziehen. Doch Füchse sind im Stadtgebiet schon längst keine Seltenheit mehr, erklärt der Leiter des Forstamtes, Tobias Kühn.
Die Füchse finden Nahrung in der Stadt
Eine genaue Zahl, wie viele Füchse in der Stadt leben, könne er nicht nennen, denn gezählt werden sie nicht. Allerdings könne er mit Sicherheit sagen, dass die Fuchsdichte in der Stadt wohl 20 Mal höher sei als „in der freien Natur“.
Der Grund für die Nähe zum Mensch sei ein simpler: Bequemlichkeit. „Tiere sind sehr energiesparend veranlagt“, erklärt der Leiter vom Forstamt. In der Stadt finden sie „viele leckere Sachen“ – angefangen bei Mülleimern, Komposthaufen oder Kleintieren in den Gärten wie Hühner oder Kaninchen. Einfach stibitzte Leckereien, die sie so in der freien Natur wohl nicht finden würden. Und die Füchse, die in der Stadt geboren werden, kennen das Leben „auf dem Land“ auch gar nicht mehr.
Von den Tieren geht keine große Gefahr aus
Nach der Immunisierung der Tollwut Mitte der 80er Jahre sei der Fuchsbestand angestiegen, wie Kühn erklärt. Deshalb gehe von den Füchsen per se auch keine Gefahr aus, erklärt Kühn. Natürlich sollte man ihnen auch nicht zu nahe kommen, immerhin sind es noch Wildtiere und ein Biss sei nicht nur schmerzhaft, sondern könne auch eine bakterielle Infektion nach sich ziehen.
Doch leider sind die Tiere dennoch nicht vor Krankheiten gefreit. Auf einem Betriebsgrundstück in Schwenningen wurde kürzlich ein anderer Fuchs gesichtet, haarlos, abgemagert, ein herzzerreißender Anblick. „Das ist ein Fall von Räude“, bestätigt Forstamtsleiter Tobias Kühn.
Tiere können an Räude erkranken
Räude sei eine Milbenerkrankung, wie Cornelia Gaigl, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Schwenningen, erklärt. „Die Parasiten bohren sich in die Haut und verursachen starken Juckreiz, so dass sich die Tiere blutig kratzen und ihr Fell verlieren. Durch das ausfallende Fell gibt es dann keinen Temperaturausgleich mehr, was großes Leid für die Tiere bedeutet“, so die Tierschützerin. Auch warnt sie: „Unsere Haustiere wie Hunde und Katzen und sogar der Mensch sind vor der Räude nicht gefreit, die können sich damit anstecken.“
Die gute Nachricht jedoch sei, dass die Krankheit bei frühzeitiger Erkennung, was bei den Haustieren ja der Fall sein sollte, so Gaigl, mit Tabletten behandelbar ist.
Jäger erlöst Tier vom Leid
Bei kranken Tieren werde der Stadtjäger informiert, so Kühn. Allerdings dürfe man im Stadtgebiet nicht schießen, so werden Lebendfallen aufgestellt. Wird das kranke Tier dann gefangen, erfolgt der Prozess „kurz und schmerzlos“, so Kühn, um den Fuchs von seinem Leid zu erlösen.
Füchse können zahm zum Menschen werden, so Kühn. Das Füttern eines Wildtiers gelte jedoch als Ordnungswidrigkeit und würde mit Bußgeldern geahndet. Und einen Fuchs in seine Wohnung zu lassen, gar adoptieren zu wollen, sei überhaupt keine gute Idee, weiß Kühn: „Das Tier markiert sein Revier sehr streng mit einem sehr übelriechenden Sekret. Das will man nicht in der Wohnung.“ Auf die menschliche Hilfe angewiesen seien die Füchse im übrigen in den seltensten Fällen – und wenn man regelmäßig Fuchsbesuch auf seinem eigenen Grundstück hat, müsse man für die Beauftragung eines Stadtjägers auch selbst aufkommen. „Das muss man selbst bezahlen. Das ist nicht die Sache der Stadt“, fügt Kühn hinzu. Am besten schütze man sich vor ungewolltem Fuchs-Besuch mit dichten Zäunen und einer geschlossenen Komposttonne.