Rangendingen trauert um den Kunstmaler Josef Haug, der im Alter von 82 Jahren gestorben ist.
Die Starzelgemeinde verliert eine ihrer prägenden künstlerischen Persönlichkeiten: Der Kunstmaler Josef Haug ist im Alter von 82 Jahren nach langer, schwerer Krankheit verstorben.
Mit ihm geht ein Mann, der die Landschaften seiner Heimat nicht nur malte, sondern lebte – und dessen Werk weit über die Grenzen des Zollernalbkreises hinaus Anerkennung fand. Viele kennen ihn als ruhigen, freundlichen Mann, der seine Inspiration aus der Natur schöpfte.
Geboren wurde er am 27. März 1943. Die Wiege stand im elterlichen Wohnhaus von Dora und Erasmus Haug in der Lehmgrubenstraße, wo er zusammen mit den Brüdern Helmut und Karl Haug aufwuchs, die beide verstorben sind. Nach dem Schulbesuch im Ort erlernte er mit 14 Jahren den Beruf des technischen Zeichners bei der Firma Tubex – eine Ausbildung, die sein präzises Arbeiten sichtbar prägte.
Ein Mensch, der offen auf andere zuging
Danach arbeitete Josef Haug in seinem erlernten Beruf noch in anderen Betrieben, zuletzt bei der Firma Büschel Kontaktbau in Jungingen, wo er bis zu seiner Rente Geschäftsführer war. Als Mitglied im Prüfungsausschuss der Industrie- und Handelskammer Reutlingen nahm er Gesellenprüfungen ab.
Haug war zweimal verheiratet und blieb trotz persönlicher Höhen und Tiefen stets ein Mensch, der offen auf andere zuging. Freunde und Wegbegleiter beschreiben ihn als ruhig, humorvoll und zutiefst heimatverbunden.
Aus seiner ersten Ehe gingen die Kinder Rasmus und Stephan hervor, denen er ins Grab schauen musste. Aus der zweiten Ehe mit Franziska gingen Tochter Viktoria und Sohn Christian Haug hervor. Ein ehemaliges Fabrikgebäude „Am Turnplatz“ baute das Ehepaar zu einem Wohnhaus um.
Im Atelier im eigenen Haus
Schon früh zog es ihn zur freien Kunst. Sein Zuhause an der Stafette wurde zum Lebensmittelpunkt seines Schaffens: Im Atelier im eigenen Haus verbrachte er den Großteil seiner Freizeit, oft bis spät in die Nacht hinein, vertieft in Farben, Leinwände und Skizzen. Haug war vor allem für seine eindrucksvollen Berg-, Baum- und Naturbilder bekannt. Auch das Malen von historischen Gebäuden gehörten zu seiner Leidenschaft. Seine Gemälde waren begehrt. Sie fanden ihren Weg in zahlreiche Privatsammlungen, Wohnzimmern und Ausstellungen in der Region.
Viele Kunstfreunde schätzten seine Fähigkeit, die Ruhe und Kraft der Natur einzufangen – ein Talent, das ihn zu einem gefragten Maler machte. Volksschullehrer Miksch habe ihn auf sein zeichnerisches Können aufmerksam gemacht, schreibt Bergmaler Haug in seinem herausgebrachten Buch „Wanderung, Inspiration und Leidenschaft“.
„Mein Augenmerk war immer, mein Wissen und Können weiterzugeben“, schreibt er weiter. So gab Josef Haug etliche Kurse. Mit dem Künstlerstammtisch Rangendingen war als Gründungsmitglied eng verbunden, organisierte und bereicherte die Jahresausstellungen mit. Außerdem gehörte er der Schweizer Berggilde an.
Ortswappen gestaltet
Auch nach dem Tod lebt sein Wirken vor allem in zwei zentralen Symbolen des Dorfes weiter: dem Ortswappen und dem Dorfbrunnen. Beide Werke tragen seine Handschrift. Josef Haugs tiefe Verbundenheit zur Heimat prägte nicht nur seine Kunst, sondern auch sein Engagement: Haug arbeitete über Jahrzehnte hinweg an der Heimatchronik, erforschte die Geschichte Rangendingens und trug mit akribischer Leidenschaft historische Details zusammen.
1971 bis 1973 brachte er die Rangendinger Heimatchronik zusammen mit Lambert Heck in Heftchen heraus. Des Weiteren arbeitete er am Heimatbuch Rangendingen zur 1200-Jahr-Feier mit. Letztes Jahr widmete sich Haug der Aufarbeitung der Geschichte des Klosters Rangendingen. Sie soll in einem Buch dokumentiert werden.
Bürgermeister Manfred Haug bezeichnet den Tod von Josef Haug als einen herben Verlust. „Er hat sehr viel für die Gemeinde getan und große Verdienste erworben“, so Haug. Kaum einen Bereich habe es gegeben, wo der Verstorbene nicht beteiligt gewesen sei. Rangendingen verliere einen Chronisten, Heimatforscher und leidenschaftlichen Gestalter.