Naturkindergarten – hier soll die Schutzhütte stehen. Foto: Biermayer

Die Schutzhütte wird kostspieliger als gedacht. Der Ostelsheimer Gemeinderat sucht Einsparmöglichkeiten. Die Einweihung ist für den 1. September geplant.

Zwischen den beiden Rasenplätzen möchte die Gemeinde Ostelsheim einen Naturkindergarten bauen. Die Idee kam im Gemeinderats erstmals vor rund einem Jahr zur Sprache.

 

Denn in der Kita Kunterbunt wird der Platz knapp. Davon geht zumindest die Verwaltung in ihrer Prognose der Kinderzahlen aus.

Vereinzelt Zweifel Im Gemeinderat gab es daran aber vereinzelt Zweifel. Besonders Klaus Richter (OFW) war immer wieder skeptisch, ob der Bedarf langfristig wirklich da ist - und es sich lohnt, dieses Geld zu investieren.

Denn einen Naturkindergarten gibt es nicht umsonst. Für den Betrieb braucht es eine Schutzhütte, die den Anforderungen der Kinderbetreuung gerecht wird.

Knapp 295 000 Euro

Im Mai vorigen Jahres wurde eine Kostenschätzung im Gremium vorgestellt. Knapp 242 000 Euro kostet das Projekt demnach.

Nun musste die Verwaltung diese Zahl nach einer neuerlichen Berechnung korrigieren - und zwar nach oben. Der Naturkindergarten soll jetzt knapp 295 000 Euro kosten.

Mehrere Auflagen Der Grund für die Steigerung liegt in der Baugenehmigung. Hier wurden mehrere Auflagen gemacht, welche die Kosten in die Höhe treiben. Die Baufreigabe hatte die Kommune im Januar erhalten.

Kämmerer Fabian Dieringer erklärte, dass dazu noch Kosten für den Elektriker von etwa 7000 Euro kämen. Im Gemeinderat sorgte das für Unmut. „Wir sollten alles rausnehmen, was Luxus ist“, sagte Klaus Richter (OFW) mit Blick auf die Kostenliste.

Ausführung aus Kunststoff Schnell war sich das Gremium einig, dass die vorgeschlagenen Fenster und Türen aus Aluminum und Holz mit 13 000 Euro zu teuer sind. Eine Ausführung aus Kunststoff sei ausreichend, so der Tenor – und billiger. Stefan Wannenmacher (UL) meinte, man könne die Akustikdecke für 3000 Euro auch erst später „nachrüsten“, wenn sich zeige, dass der Bedarf dafür wirklich da ist. Ernst-Martin Gehring (OFW) hielt die für notwendig, die Holz- und Aluminum-Fenster hingegen seien „Luxus“. Das sah auch Stephanie Schneider (OFW) so. „Es kommt immer noch was dazu. Wir müssen auf unsere Finanzen gucken“, sagte sie.

Gemäß Bauvorschriften bekommt der Naturkindergarten eine PV-Anlage auf das Dach. Geplant war zudem ein angeschlossener Batteriespeicher. Auch den wollte der Gemeinderat streichen. Denn der Naturkindergarten selbst habe eigentlich keinen großen Verbrauch, so Kämmerer Dieringer, außer einer Elektroheizung im Winter.

„Ein Speicher ist zu teuer und hat eine begrenzte Lebensdauer“, so Wannenmacher. Zudem bringe er im Winter wenig, weil die PV-Anlage da viel weniger Strom liefere. Er argumentierte für eine Volleinspeisung des PV-Stroms. Dem stimmte auch das Gremium zu.

Zwei Gegenstimmen

Verzögerung vermeiden Die Arbeiten müssen nun neu ausgeschrieben werden. Dadurch könnte sich der Bau des Naturkindergartens verzögern. Die Einweihung ist für den 1. September geplant. Bürgermeister Ryyan Alshebl schlug deshalb vor, dass die Verwaltung die Arbeiten eigenständig an den wirtschaftlichsten Bieter vergeben darf - also ohne Gemeinderatsbeschluss. Damit könne man eine Verzögerung vermeiden, weil man nicht auf den Sitzungskalender Rücksicht nehmen müsse. Bei zwei Gegenstimmen von Schneider und Richter beschloss der Gemeinderat diese Vergabeermächtigung.

Günstige Variante Alshebl war es wichtig zu betonen, dass der Naturkindergarten für die Kommune eine günstige Variante sei, um mehr Betreuungsplätze zu schaffen - trotz der Kostensteigerung. Eine normale Kindergartenerweiterung oder ein Neubau seien viel teurer. „Andernorts kostet das Millionen“, sagte der Bürgermeister. Dazu komme noch das besondere pädagogische Angebot. Etwa 40 Kinder in zwei Gruppen können hier naturnah betreut werden.

Personal fehlt

Notfallplan Ein anderes Problem löst das aber nicht. Noch immer fehlt in Ostelsheim Personal in der Kita. Wie eine Mutter im Gemeinderat erklärte, sorgte das kürzlich für die wochenweise Schließung ganzer Gruppen. Eine Notbetreuung habe es nur wenige Tage gegeben, so die Frau. „Wir haben aktuell viele Krankheitsausfälle“, so Alshebl. Gemeinsam mit dem Elternbeirat suche die Verwaltung nach einer langfristigen Lösung. Ein Notfallplan soll her. „Aber es gibt keine kurzfristige Lösung“, so Alshebl.