Die Kinder waren mit Eifer bei der Sache. Foto: Weiger-Schick

Wer braucht Halloween aus Übersee, wenn es den Brauch der Rübengeister gibt? In Nusplingen wird die Tradition des Futterrüben-Schnitzens seit einigen Jahren wieder gepflegt.

Bereits im Frühjahr hatten die Kinder unter fachgerechter Anleitung von Zunftmeister Richard Braun die Runkelrüben auf einem weitläufigen Acker am Ortsausgang ausgesät. Über das Jahr wurden sie liebevoll gehegt und gepflegt. Vor einigen Tagen stand die Ernte an. Prächtige Runkelrüben lagen also in der Zunftstube bereit. Sie warteten geradezu darauf, in kunstvolle Geistergesichter verwandelt zu werden.

 

Seit dem Jahr 2017 pflegt die Nusplinger Narrenzunft diesen schaurig-schönen Brauch wieder. Sogar während der Coronazeit wurde geschnitzt: Es gab „Rüben-to-go“. Die Familien holten sich die Schnitz-Rüben für die Kinder ab – fürs gemeinsame Werkeln daheim.

Gruselige Fratzen Foto: Weiger-Schick

Doch wie viel schöner ist es, dabei zusammenzusitzen. Kein Wunder also, dass die Einladung in diesem Jahr bei den kleinen Fasnetsfreunden wieder gut ankam. Eine aufgeregte Kinderschar versammelte sich in der Zunftstube, um aus den Rüben und einigen Kürbisse kunstvolle Geister zu fertigen.

Organisiert hatte den gemütlichen Nachmittag der Jugendausschuss der Narrenzunft. Eingeladen waren wohlgemerkt nicht nur die kleinen Hansele, Gardemädchen und Westerbergteufel der Tannenburg-Zunft, sondern alle Kinder, die Lust zum Mitmachen hatten.

Zur Assistenz standen den Kids genügend Erwachsene bereit. Es ist gar nicht so leicht, die harten Rüben zu schneiden oder die Kürbisse auszuhöhlen, das merkten die kleinen Künstler schnell. Dennoch hatten sie viel Spaß: Nach getaner Arbeit gab es die verschiedensten Unikate zu bestaunen.

Voller Einsatz beim Schnitzen Foto: Weiger-Schick

Rübengeister werden übrigens vor allem in Süddeutschland geschnitzt. Es handelt sich um einen alten Herbstbrauch, der eng mit Allerheiligen, Allerseelen, der Ernte und Geisterbräuchen verbunden ist.

Früher, also lange bevor Kürbisse auf deutschen Feldern angebaut wurden, schnitzten die Kinder furchteinflößende Fratzen aus ausgehöhlten Futter- oder Steckrüben. Versehen mit einer kleinen Kerze, sorgten sie einerseits für gruseliges Flair und brachten andererseits ein wenig Licht in die dunkle Jahreszeit. Häufig zogen die Kinder mit ihren Rübengeistern von Haus zu Haus, um Leckereien wie Süßigkeiten oder etwas Obst zu ergattern.