Sanierung des Scala kostet 6,5 Millionen – Hälfte der Bauzeit erreicht - Summe könnte nicht reichen.
Ludwigsburg - Beim Umbau und der Sanierung des Kulturzentrums Scala hat den Bauherrn und die Nutzer die nächste herbe Überraschung getroffen. In diesen Tagen sollte mit dem neuen Anbau für den Saal begonnen werden. Doch dazu ist es nicht gekommen. Auf die Ausschreibung für die Rohbauarbeiten hat sich beim Bauherrn, der Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL), nur einer der zwölf angefragten Bieter gemeldet. Dessen Angebot lag dazu noch 50 Prozent über den Planungskosten. Eine Vergabe unter diesen Bedingungen hätte mit Sicherheit den Kostenrahmen von 6,5 Millionen Euro für die gesamte Scala-Sanierung gesprengt. WBL-Geschäftsführer Andreas Veit zog es deshalb vor, den Termin für den Baubeginn des Anbaus abzublasen und den Gemeinderat zu informieren. „Wir wollten dieses Gremium nicht vor vollendete Tatsachen stellen“, sagt Veit zu diesem Schritt.
Ins Lot bringen will Veit die aus dem Ruder gelaufenen Kosten durch Umplanungen und durch eine breiter angelegte Ausschreibung. Dass es schwer wird, den vom Gemeinderat im Juli 2011 beschlossenen Kostenrahmen einzuhalten, weiß der WBL-Geschäftsführer bereits. Noch immer sorge eine überhitzte Baukonjunktur dafür, dass die Preise in die Höhe schießen. Zum anderen sei die Sanierung des über 100 Jahre alten Gebäudes kein Bauvorhaben, das leicht zu kalkulieren sei.
Die Ergebnisse seiner neuen Ausrichtung für das Scala will Veit dem Ludwigsburger Gemeinderat noch vor der Sommerpause präsentieren. Der WBL-Geschäftsführer geht davon aus, dass dann eine 80-prozentige Kostensicherheit existiert, an der sich die Stadträte orientieren können. Die anderen Gewerke für den Scala-Anbau liegen laut Veit im Rahmen der Planungen.
Scala ein Wirtschaftsbetrieb, der vor allem auf Einnahmen aus Gastronomie angewiesen ist
Die Nutzer des Scala nehmen die Verzögerung „nicht gerade mit Begeisterung auf“, wie sich Scala-Geschäftsführer Hans Peter Jung ausdrückt. Allerdings bringt die Planänderung auch das Programmkonzept des Kulturzentrums nicht durcheinander. Seit längerem steht fest, dass für die kommende Spielsaison der Festsaal der Ludwigsburger Waldorfschule zur Verfügung steht. Das neue Programm beginnt am 4. Oktober mit dem Auftritt des Kabarettisten Bruno Jonas. Weil die Umbauphase durch die neuerliche Verzögerung bis zum Herbst 2014 dauert , ist das Scala-Management auf der Suche nach weiteren Ausweichquartieren. Unter anderem kommt die Bühne in der ehemaligen Reithalle der Karlskaserne in Betracht. Auch dieses Gebäude steht vor einer umfassenden Renovierung.
Jung geht nicht davon aus, dass der Ludwigsburger Kulturinstitution durch die alternativen Spielstätten die Zuschauer davonlaufen. Das Scala sei allerdings ein Wirtschaftsbetrieb, der insbesondere auf die Einnahmen aus seiner Gastronomie angewiesen sei. Die derzeitigen Einnahmen reichen nach Angaben von Jung nicht aus, um die laufenden Kosten des Kulturzentrums zu decken. Er fordert die WBL deshalb als Hausherrin dazu auf, dem Kulturzentrum finanziell stärker entgegenzukommen. „Abstriche bei der Miete reichen nicht aus“, gibt Jung zu bedenken. WBL-Chef Veit ist erstaunt über solche Aussagen. „Wir haben uns immer großzügig gezeigt“, weist er die Forderung zurück.
Kultur gibt es in dem Gebäude an der Stuttgarter Straße seit 1902. In seiner heutigen Form mit Musik, Theater und Kino besteht das Scala seit 1986. Die Wohnbau Ludwigsburg hat die stark renovierungsbedürftige Immobilie 2007 für 1,5 Millionen Euro gekauft. Damals wurde ein Sanierungsbedarf von rund zwei Millionen Euro festgestellt. 2011 entschlossen sich die Stadtverwaltung, die WBL, der Gemeinderat und das neue Scala-Management dazu, das etablierte Kulturhaus neu zu ordnen und dafür insgesamt 6,5 Millionen Euro auszugeben. Ein Teil des Bauprogramms ist bereits abgewickelt. Auch dabei ist es zu Verzögerungen gekommen. Derzeit ist die Sanierung des Saals und dessen Erweiterung von 500 auf 800 Besucher im Gang. Gebaut werden müssen noch das gläserne Foyer und eben der neue Anbau. Er erweitert die Bühne und schafft Platz für Künstlergarderoben.