Die Standorte für zwei neue Wohnmodule für Obdachlose standen dieser Tage in Calw zur Debatte. Sofort regte sich Widerstand. Unter anderem das scheint eines der Probleme zu sein.
Steht jemand plötzlich ohne Dach über dem Kopf da, dürfen sich die Betroffenen bei der Stadt Calw melden und eine Unterkunft beantragen. Die Stadt wiederum muss eine zur Verfügung stellen – das gehört zu den Pflichtaufgaben, die Kommunen per Gesetz grundsätzlich übernehmen müssen.
Steht dann kein Wohnraum zur Verfügung, der auch auf Dauer als solcher dienen könnte, muss zumindest eine Notunterkunft bereitstehen.
Bedarf in der Stadt kontinuierlich gestiegen
„Ab diesem Zeitpunkt hat die wohnungslos gewordene Person die Verpflichtung, sich eine neue Wohnung zu suchen“, heißt es in den Unterlagen der jüngsten Calwer Gemeinderatssitzung. Der Bedarf in der Stadt sei in den vergangenen Jahren indes kontinuierlich gestiegen.
Seit klar war, dass die größere Obdachlosenunterkunft, die sich früher hinter dem Badischen Hof befand, mit diesem abgerissen werden würde, ist die Verwaltung daher auf der Suche nach Standorten für Unterkünfte. Die Unterbringung soll dabei dezentral erfolgen, also mit jeweils wenigen Plätze an mehreren verschiedenen Orten.
In der jüngsten Sitzung ging es nun um zwei neue Standorte – nahe des Bahnhofs Hirsau sowie im Öländerle, unweit der B 463. Gegen diese Pläne regte sich jedoch Widerstand in der Einwohnerfragestunde.
So mahnte ein Bürger, sich nochmals zu überlegen, ob die Umgebung des Hirsauer Bahnhofs wirklich geeignet sei. Dann würde dort nämlich ein „Riesen-Brennpunkt“ entstehen – weil es schon jetzt Probleme gebe. Er sehe „massive Sicherheitsprobleme auf uns zukommen“. Es müsse doch bessere Möglichkeiten im Stadtgebiet geben.
„Es ist überall schwer“, hielt Oberbürgermeister Florian Kling dem entgegen. Der Gemeinderat habe sich schon viele Gedanken gemacht. Und es dürfte nirgends in Calw einen Ort geben, an dem gebaut werden darf und es keine Gegner der Pläne gebe. Entsprechend „viele, viele andere Plätze“ seien in den vergangenen Monaten begutachtet und wieder verworfen worden.
Neun bis zwölf Obdachlose im Schnitt
Fakt sei aber: Die bereits bestehenden Unterkünfte „reichen uns eben nicht aus“. In der Regel gebe es neun bis zwölf Obdachlose, die eine Unterbringung brauchten.
Seit die Notunterkunft beim Badischen Hof aufgelöst wurde, stehen Unterbringungen im Walkmühleweg in der Kernstadt sowie in Wohnmodulen nahe der Schwarzwaldhalle in Altburg sowie im Stammheimer Feld zur Verfügung
Auch ohne Abriss des Badischen Hofs wäre dieses Problem auf die Stadt zugekommen – denn die dortige Unterkunft hatte laut Kling zwar mehr Schlafplätze, das marode Gebäude hätte aber wohl nur noch etwa ein Jahr gehalten. Zudem habe eine zentrale Unterbringung auch Schwierigkeiten verursacht. Mit der aktuell dezentralen Lösung gebe es dagegen bereits gute Erfahrungen.
„Egal wo man baut, es wird immer Proteste geben“
Peter Drenckhahn (AfD) wollte wissen, ob es denn Vorschriften gebe, wie viele Plätze eine Stadt vorhalten müsse. Kling meinte, theoretisch sei das unbegrenzt – da es immer so viele Plätze sein müssten, wie gerade für Menschen in Notlagen akut gebraucht würden.
Adrian Hettwer (Gemeinsam für Calw) fragte, ob der Bahnhof in Hirsau wirklich ein solcher Brennpunkt sei. Hirsaus Ortsvorsteherin Jaqueline Jakob entgegnete, dass sie nichts davon wisse.
Und Gabriele Pfeifer (Linke) meinte, „egal wo man baut, es wird immer Proteste geben“. Die Frage sei, wie eine Gesellschaft damit umgehe – ob die Betroffenen ausgegrenzt oder integriert würden. Sie appellierte, letzteres zu tun. „Da sind wir in einer moralischen Verpflichtung als Menschen.“
Der Gemeinderat sprach sich am Ende einstimmig für die geplanten Standorte aus.