Einen Funkmast am Rückhaltebecken zu bauen beurteilt ein Telekom-Experte als „wenig zukunftsgerecht“. Wenn moderne Technik genutzt werden soll, brauche es Masten in jedem Ort Foto: /Klaus Stopper

Die Telekom will Stetten und Boll den Mobilfunk der Zukunft bringen. Alte Ängste müssen dafür über Bord geworfen werden. Im Stettener Ortschaftsrat scheint man dazu bereit.

Das Thema interessiert offenbar. Knapp 30 Besucher – darunter auch Bollemer Einwohner – kamen, um sich den Vortrag von Daniel Eger, Experte der Telekom Technik GmBH anzuhören. Und als er fertig war, war keineswegs Proteststimmung im Saal zu spüren. Eger hatte mit seinen Erklärungen die Zuhörer zumindest nachdenklich gemacht. Um folgende Fragen ging es:

 

Warum muss die Mobilfunktechnik ausgebaut werden?

Mit Handys wird heute kaum noch telefoniert, es werden damit Filme gestreamt oder Fotos ausgetauscht. Aktuell wird an Techniken geforscht, die noch größere Datenmengen verarbeiten können, wie zum Beispiel autonomes Fahren. Dazu sind aber die Mobilfunkstandards 5G oder sogar 6G nötig. Die Telekom will in Stetten und Boll diese Art Mobilfunk ermöglichen.

Wieso müssen neue Masten möglichst mitten in den Orten stehen?

„Der beste Standort für einen Mobilfunkmast ist immer mitten in der Ortsmitte“, betonte Daniel Eger. Die Art Wellen, die für die heutigen hohen Datenmengen gesendet werden müssen, strahlen nur etwa 800 Meter weit. Beim alten Mobilfunkstandard waren es noch eineinhalb Kilometer. Um hochwertigen Mobilfunk flächendeckend anzubieten, müssen deshalb nicht nur mehr Masten erstellt werden, sie müssen auch nahe an den Siedlungen stehen. Das spricht gegen einen Standort am Wasserhochbehälter oberhalb von Stetten. „Da versorgen sie den Wald“, so Daniel Eger. Und auch ein Standort am Regenrückhaltebecken zwischen Stetten und Boll würde nur wenig bringen, wäre aber zur Not denkbar.

Schadet die Strahlung mitten im Ort den Einwohnern?

Gefährlich seien eigentlich eher Masten, die sehr weit weg stehen, erklärte Daniel Eger. Mit der Entfernung nehme zwar die Strahlung vom Mast direkt ab, dafür müsse dann aber das Handy, das man oft sehr direkt am Körper trage, umso stärker abstrahlen, um die Verbindung halten zu können. Die Gesamtstrahlenbelastung, die nach einer Aufrüstung zu erwarten sei, liege ohnehin noch unter zehn Prozent der zulässigen Grenzwerte, und ebenfalls noch unterhalb der sehr viel strengeren Schweizer Grenzwerte. In Großstädten seien da wesentlich höhere Strahlungsintensitäten üblich.

Gibt es schon Standort-Ideen für die Masten?

Hier ist man noch ganz am Anfang. Baxter sei eventuell ein geeigneter Standort für eine Dachantenne, meinte er. Gesprochen habe man mit der Firma darüber aber zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht. Ortsvorsteher Otto Pflumm schlug ein Grundstück in Richtung Heiligkreuz-Friedhof vor, das im Eigentum der Kommune ist. In Boll wären wohl Standorte in Richtung Schamental denkbar. Der Hang in Richtung Burg komme aus Denkmalschutzgründen nicht in Frage. Je höher der Standort liege, desto niedriger kann die Antenne sein, denn es darf zwischen Mast und Empfänger kein Hügel liegen, und auch Gebäude schirmen viel Sendeleistung ab. Daniel Eger bat Pflumm, in Stetten geeignete Flächen vorzuschlagen, das gilt wohl auch für seine Bollemer Kollegin Meta Staudt. Die Telekom prüfe dann, ob sich der Standort eigne.

Was ist, wenn die Ortschaftsvertreter keinen Standort nennen?

Wenn sich über die kommunalen Selbstverwaltungen keine Standortlösungen fänden, werde die Telekom private Grundstückseigentümer fragen. In Stetten hat sich wohl bereits ein Eigentümer bei der Telekom gemeldet. Als Miete für einen solchen Standort zahle die Telekom „einen niedrigen vierstelligen Betrag“, so Daniel Eger.

Wie geht es jetzt weiter?

Stettens Ortsvorsteher Otto Pflumm fasst zum Ende des Vortrags zusammen, dass er jetzt verstehe, weshalb „der Standort Hochbehälter eine rückwärts gewandte Lösung wäre“ und dass ein möglichst zentraler Standort gefunden werden müsse, um auch künftig aktuelle Möglichkeiten des Mobilfunks nutzen zu können. Bei der Standortauswahl gebe die Stadt den Ortsvorsteher hohe Entscheidungsfreiheit. Auf Antrag von Albrecht Raible fassten die Stettener Räte einstimmig den Beschluss, dass eine Zwei-Standorte-Lösung für Boll und Stetten gewünscht wird und dass Ortsvorsteher Otto Pflumm den Auftrag habe, der Telekom nun geeignete Standorte vorzuschlagen, und zwar sollen diese bevorzugt auf öffentlichen Flächen liegen.