Die Bäckerei Selig öffnet am Donnerstag, 7. August, letztmals ihre Türen. Bäckereimeister Walter Selig und seine Frau Katharina hören aus Altersgründen und der Gesundheit wegen auf.
Kommende Woche endet im Hechinger Stadtteil Stein eine mittlerweile 69 Jahre andauernde Tradition: Bäckermeister Walter Selig und seine Ehefrau Katharina öffnen am Donnerstag, 7. August, ein letztes Mal die Türen für ihre Kundschaft. Bis 17 Uhr können an diesem Tag die leckeren Backwaren, die weit über die Grenzen Steins bekannt sind, gekauft werden. Dann ist Schluss – aus gesundheitlichen und altersbedingten Gründen, wie die beiden im Gespräch mit unserer Redaktion betonen.
„Natürlich fällt uns der Abschied schwer“, betont Katharina Selig. Seit dem Jahr 1992 haben sie und ihr Mann tagtäglich die Verantwortung für den Bäckereibetrieb getragen. Gegründet wurde dieser im Jahr 1956 von Emil Selig, dem Vater von Walter Selig. Im Jahr 1997 wurde dann groß umgebaut, eine neue Backstube, neue Lager und neue Sanitäranlagen wurden installiert.
16 Stunden Arbeit am Tag sind normal
Die Arbeit hat Walter und Katharina Selig mit Freude erfüllt und Spaß gemacht. Tradition hat beispielsweise auch der allmorgendliche Männerstammtisch in der Bäckerei. Doch nun sei der Zeitpunkt gekommen, in den Ruhestand zu gehen.
Denn: Selbstständig eine Bäckerei zu betreiben, sei „ein Knochenjob“. „16 Stunden Arbeit pro Tag sind normal“, sagt der 61-jährige Walter Selig, der seine Ausbildung bei der Bäckerei Mesam in Rangendingen absolviert und in den Jahren 1990 und 1991 den Meistertitel auf der Abendschule gemacht hat.
Walter Selig hat stets alleine den Großteil der Aufgaben in der Backstube übernommen, seine Frau unterstützt ihn bei einzelnen Tätigkeiten und ist dazu hauptsächlich im Verkauf tätig. Den Ruhestand haben die beiden nach zahlreichen Jahren harter Arbeit mehr als verdient.
Ebenfalls in der Bäckerei Selig tätig sind Cordula Bulach und Sieglinde Kurz, denen Walter und Katharina Selig einen besonderen Dank aussprechen möchten. Insbesondere Cordula Bulach habe sich über 23 Jahre hinweg als zuverlässige Mitarbeiterin erwiesen, ohne die der Betrieb in der gewohnten Form nicht aufrechterhalten werden hätte können.
Einen Nachfolger haben die beiden bewusst nicht gesucht. Die Töchter sind beruflich in anderen Branchen tätig. Einen Zwang, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, habe es nie gegeben.
Mehr Zeit für Familie, Freunde und Minigolf
Auch wenn das Geschäft nach wie vor sehr gut läuft, bedeute die Arbeit in der Bäckerei doch „Stress pur“, erklärt die 64-jährige Katharina Selig. Ganz aufhören möchte Walter Selig aber noch nicht. Seine Lieferungen an Metzgereien, Betriebskantinen und Pflegeheime wird er weiter bedienen. Diese Tätigkeit sei im Gegensatz zum Alltag im Steinemer Geschäft planbar.
Künftig wollen die Seligs die Tage ruhiger angehen lassen. Mehr Zeit für Freunde und Familie haben, sich um die Enkel kümmern, Minigolf spielen und Fahrradfahren. Das Familien- und Privatleben soll nach der arbeitsreichen Zeit in den Vordergrund rücken.
Für die jahrzehntelange Treue möchten sich die Eheleute ausdrücklich bei ihren Kunden bedanken – auch wenn bei diesen die Ankündigung der anstehenden Schließung auf große Trauer gestoßen sei.