Christa Zierden-Kollmer geht in den Ruhestand – und Glatten verliert zum Jahresende ein weiteres Geschäft.
Egal, ob man einen individuellen Blumenstrauß, Samen, Salat- oder Krautsetzlinge, ein Adventsgesteck oder einen Trauerkranz braucht – in Glatten bekommt man es im „Blumelädle“ – und wird dort seit 45 Jahren bestens bedient. Allerdings nicht mehr lange: Inhaberin Christa Zierden-Kollmer geht zum Jahresende in den Ruhestand.
Ein tiefer Einschnitt für ihre vielen treuen Kunden – und eine gewaltige Umstellung für Zierden-Kollmer selbst. Prägten doch Blumen und Pflanzen sowie der freundliche Umgang mit ihren Kunden ihr gesamtes Berufsleben, ob als Gärtnerin bei der Gärtnerei Ziefle in Freudenstadt oder als Inhaberin des Glattener „Blumelädle“, das sie 1981 gegründet hat.
In ihrem Geschäft war sie seither an sechs Tagen in der Woche aktiv, am Mittwoch- und Samstagnachmittag konnte man sie auch auf dem Friedhof bei der Grabpflege antreffen. Während der Pflanzsaison fuhr sie zudem mehrmals wöchentlich frühmorgens zum Einkauf im Pflanzen-Großmarkt.
Die Kunden und die Arbeit werden ihr fehlen
Stundenweise wurde Zierden-Kollmer im Laden von Sonja Zipperer unterstützt. Angesichts der bevorstehenden Schließung stellt ihre treue Helferin bedauernd fest: „Wir können es gut miteinander – so eine Chefin bekommt man nie wieder.“
Auch Zierden-Kollmer bedauert es, dass die Lichter im „Blumelädle“ bald ausgehen. Besonders ihre Kunden würden ihr fehlen, weiß sie schon jetzt. „Wir haben fast nur nette Kunden gehabt. Für deren Vertrauen in meine Arbeit und die jahrelange Treue bedanke ich mich bei allen von tiefstem Herzen.“ Erfüllend und sehr schön sei aber auch die Arbeit mit Blumen und Pflanzen – auch die werde ihr fehlen.
Eine Arbeit, die durch den Wechsel der Jahreszeiten und Feste geprägt war: Von Frühlingsblumen über Gestecke für Konfirmationen und andere Feste, Muttertags- und Brautsträuße bis zu Adventskränzen – stets war Kreativität und Handwerkskunst gefragt. Sie habe dies mit Freude gemacht, sagt Zierden-Kollmer mit Blick auf ihr liebevoll dekoriertes Geschäft und die vielen Gestecke im Nebengebäude.
Bei der Gartenschau im Einsatz
Freude habe auch der Einsatz auf der Gartenschau „Tal X“ bereitet: „Wir haben die ganze Zeit in der Tuchwalke mitgemacht. Da konnten wir Dinge verwirklichen, die man sonst nicht machen kann.“ Die Verwirklichung ihres Traums vom eigenen Blumenladen war dagegen anstrengend und schweißtreibend, erinnert sie sich. Mit enormer Eigenleistung und dank der Hilfe treuer Freunde hat sie aus einem alten Bauernhof ein Schmuckstück geschaffen.
Ehe damals mit dem Ausbau begonnen werden konnte, mussten zunächst die Futterschneidemaschine, das Heugebläse und vieles mehr ausgebaut werden. Aus der alten Scheune entstand so der große Verkaufsraum, der Kuhstall ist heute ihre Blumenwerkstatt, aus dessen Bodendielen entstand die Verkaufstheke „Ein Jahr lang habe ich jeden Tag nach Feierabend hier weitergearbeitet“, erinnert sich Zierden-Kollmer.
Über Zukunft des Ladens noch nicht entschieden
Und wie geht es nun mit dem Verkaufsraum weiter? Zwar gebe es Interessenten für passende Nutzungen, aber noch sei nichts entschieden. Sie selbst werde auf alle Fälle in Glatten bleiben.
Und hofft, dann endlich Zeit zu haben für all die Bücher, die ungelesen im Regal stehen. Sie freut sich darauf, keinen Wecker mehr stellen zu müssen, und auf Radtouren, Wanderungen und kulturelle Veranstaltungen und Konzerte. All dies muss allerdings noch etwas warten, denn bis zum 31. Dezember garantiert Christa Zierden-Kollmer im „Blumelädle“ noch den vollen Service.
„Blumelädle“ auf Tour durch Glatten – das waren die Stationen
Die Anfänge
Am 6. Februar 1981 eröffnete Christa Zierden-Kollmer in den leerstehenden Räumen des ehemaligen Lebensmittelgeschäfts Schlaich in der Dornstetter Straße einen kleinen Blumenladen. Eigentlich ihrer zwei kleinen Kinder wegen, denn diese konnte sie parallel im Laden mitbetreuen. Vorher hatte sie als Gärtnerin bei der Gärtnerei Ziefle in Freudenstadt gearbeitet.
Der Umzug
Ihr „Blumelädle“ florierte, weshalb 1986 die größeren Räume eines ehemaligen Textilgeschäfts in der Neunecker Straße 10 bezogen wurden.
Die dritte Station
Zeitgleich konnte die junge Familie den leerstehenden Bauernhof Seeger-Kalbacher in der Dornstetter Straße 14 erwerben. Nach großen Umbauarbeiten wurde zunächst nur das Wohnhaus bezogen, seit 2014 befindet sich dort aber auch das „Blumelädle“.