Der tödliche Unfall auf der B 33 bei Steinach im März hat nun eine noch tragischere Dimension angenommen: Die mutmaßliche Verursacherin ist Polizistin. Sie war damals auf dem Rückweg von einem der größten Sucheinsätze, die der Kreis je gesehen hat.
Zwei Autos stoßen am 19. März kurz nach Mitternacht auf der B 33 bei Steinach frontal zusammen. Die Fahrerin eines VW ist aus noch ungeklärter Ursache in den Gegenverkehr geraten.
Sie selbst wird schwer verletzt, der Fahrer eines Dacia stirbt später im Krankenhaus, dessen Beifahrerin trägt schwere Verletzungen davon. Zudem kracht noch ein drittes Auto in die Unfallstelle.
Gut zwei Monate nach dem tragischen Unfall wurde bekannt: Die mutmaßliche Unfallverursacherin war eine Polizistin auf dem Rückweg von einem spektakulären Sucheinsatz in Hornberg.
Dort war es gelungen einen vermissten Zweijährigen ausfindig zu machen und wieder in die Arme seiner Eltern zu übergeben. Dass es sich bei der Unfallfahrerin um eine an der Suche beteiligte Beamtin handelte, bestätigt die Staatsanwaltschaft am Montag auf Anfrage unserer Redaktion.
Ob Fahrerin am Handy war, ist Teil der Ermittlungen
„Gegen die zum Unfallzeitpunkt 28 Jahre alte Fahrerin eines VW besteht der Verdacht, die im Straßenverkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen und hierdurch den Unfall und den Tod des Dacia-Fahrers verursacht zu haben“, teilt Oberstaatsanwalt Kai Stoffregen auf Anfrage unserer Redaktion mit.
Die mutmaßliche Unfallverursacherin sei Polizeibeamtin und befand sich nach dem abgeschlossenen Sucheinsatz auf dem Heimweg. Wie lange die Frau an dem Tag bereits im Dienst war, sei derzeit noch Teil der Ermittlungen.
Gegenstand der Prüfung sei auch die Frage, ob die 28-Jährige möglicherweise ihr Handy am Steuer benutzt haben könnte. Hinweise auf eine Alkohol- oder Drogenbeeinflussung gibt es laut Staatsanwaltschaft derweil nicht. Die Ermittlungen werden wegen des „Verdachts der fahrlässigen Tötung“ geführt.
Auch gegen einen weiteren Fahrer wird ermittelt
Auch gegen den Fahrer des nachfolgenden Wagens, der am 19. März auf der B 33 in die bereits verunglückten beiden Fahrzeuge hineinfuhr, wird ermittelt. Die Staatsanwaltschaft prüft den „Anfangsverdacht einer strafbaren Mitverursachung durch verspätete Bremsreaktion“.
Die Ermittlungen gegen die 28-jährige mutmaßliche Unfallverursacherin dauern an, teilt Oberstaatsanwalt Stoffregen mit. Nach ihrem Abschluss wird beurteilt, ob ein zur Erhebung der öffentlichen Klage hinreichender Tatverdacht vorliegt – dann werde über den weiteren Fortgang des Verfahrens entschieden.
„Die beschuldigte Beamtin wurde durch den Unfall schwer verletzt. Weitere Angaben zu den Beschuldigten werden zur Wahrung ihrer Persönlichkeitsrechte nicht gemacht“, so Stoffregen. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gelte die Unschuldsvermutung.
500 Einsatzkräfte und Helfer suchen Zweijährigen
Im dem einen Moment spielte der kleine Anton in Hornberg noch friedlich auf dem abgelegenen Anwesen seiner Eltern, im nächsten war er verschwunden. Was am späten Nachmittag des 18. März folgte, war eine für das Kinzigtal wohl beispiellose Suchaktion: Nachdem die Eltern ihren zweijährigen Sohn im nahe gelegenen Wald nicht finden konnten, alarmierten sie die Polizei. Am Ende suchten fast 500 Einsatzkräfte und freiwillige Helfer nach dem verschwundenen Kleinkind. Aus der ganzen Region strömten Feuerwehr, Polizei, THW und DRK in den Hornberger Teilort Niederwasser. Die hereinbrechende Dunkelheit erschwerte die Suche. Hubschrauber mit Wärmebildkamera, Spürhunde, Drohnen und Taucher wurden angefordert. Ein entscheidender Hinweis kam schließlich von einem Jagdpächter, dessen Wildtierkamera den kleinen Anton auf einer Aufnahme festgehalten hatte. Beamte fanden den unversehrten Jungen schließlich mit Unterstützung des Hubschraubers nahe eines Waldwegs, wo er – instinktiv richtig – auf Rettung wartete.