Drei Kantoren stellten im Pressegespräch das Mammut-Projekt vor. Foto: Schnidrig

Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach wird in der Weihnachtszeit in sechs Teilen in Freudenstadt und Alpirsbach aufgeführt. Die Proben laufen auf Hochtouren.

„Das allein kann man schon als wahres Mammut-Projekt bezeichnen“, meinte Jörg Sander, Kantor an der Stadtkirche Freudenstadt, beim Pressegespräch über die bevorstehenden Konzerte in der Weihnachtszeit. Flankiert wurde Sander von den Kantoren Thomas Müller von der Taborkirche und Christian David Karl von der Alpirsbacher Klosterkirche.

 

Vor ihnen lag ein langer Probentag. Mehr als 100 Sänger sollten an diesem Tag in den Ringhof kommen. Dreimal zweieinhalb Stunden Probe waren angesagt für das Mammut-Projekt: vom ersten Weihnachtstag bis zu Epiphanias wird in sechs Gottesdiensten das ganze Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach aufgeführt.

Letztes Kantorenjahr

Sechs Kantaten, alle mit Chor, Orchester und Solisten, können dort gehört werden, wo sie zu Bachs Zeiten hingehörten. Damit sind nicht die Thomas und St. Nikolai Kirche in Leipzig gemeint, in denen vom 25. Dezember 1734 bis zum 6. Januar 1735 die Uraufführungen stattgefunden haben, sondern die Statdtkirche Freudenstadt mit dem ersten und dem vierten Teil, die Taborkirche mit dem zweiten und fünften Teil und die Alpirsbacher Klosterkirche mit dem dritten und sechsten Teilen.

Jörg Sanders Wunsch, dieses Projekt in seinem letzten Kantorenjahr nochmals verwirklichen zu können, stieß auf offene Ohren und beherztes Miteinander. 11 Solisten braucht es für die sechs Kantaten. Den Orchesterpart übernimmt für alle sechs Teile das „Barockorchester WO‘25“ mit der Konzertmeisterin Renate Harr – in verschiedenen Besetzungen, so wie es die einzelnen Kantaten erfordern.

Proben laufen seit September

Die Chöre mit ihren Kantoren proben seit September. „Das alleine ist schon ein Mammut-Projekt“. Ja was soll denn da noch dazukommen? Am Freitag, 26. Dezember, erklingt in der Klosterkirche Alpirsbach die Weihnachtshistorie von Heinrich Schütz. Sie gilt als die Vorläuferin der musikalischen Weihnachtsgeschichten, vertonte doch Schütz dabei zum ersten Mal den Evangelistenpart, der somit viel eindrücklicher und emotional erfassbarer an die Zuhörer heran kam.

Das Werk besticht auch mit seinen unterschiedlichsten Besetzungen in Chor und Orchester; vom vierstimmigen Männerchor über den dreistimmigen Frauenchor und zur vollen Chorbesetzung. Mit dem zweichörigen Magnificat von Schütz und weiteren Vertonungen wird in der Klosterkirche Alpirsbach die ganze Weihnachtsgeschichte von der Verkündigung bis zur Geburt erklingen.

Nachklang am 11. Januar

Den Anfang dieses großen vertonten Weihnachtsgeschichtenprojektes in Freudenstadt und Alpirsbach macht die Capella vivace der Stadtkirche Freudenstadt unter der Leitung von Jörg Sander mit der Weihnachtsgeschichte von Hugo Distler. Durch das 1933 geschriebenen A cappella Werk ziehen sich wie ein roter Faden sieben kunstvolle Choralvariationen über „Es ist ein Ros entsprungen“.

Als „Nachklang“ des Mammut-Projektes erklingen am 11. Januar in der Martinskirche Freudenstadt in leichter Form Teile des bachschen Weihnachtsoratoriums, getanzt unter der Leitung von Christa Wilms.

Informationen zu den einzelnen Terminen gibt es unter www.ev-kirche-freudenstadt.de/aktuelles/veranstaltungen