Leiterin Heike Labusga und ihr Team sind im Umzugsstress. Am 8. Mai eröffnet die moderne Mediathek in der Friedrichstraße 38. Bis dahin gibt es noch viel zu tun.
Unzählige Kartons stapeln sich in den Räumen, fleißige Hände räumen Regal für Regal aus. Ein Buch nach dem anderen packen die Mitarbeiterinnen ein, 11 954 an der Zahl. Mit 350 bis 400 Kartons rechnet die Leiterin der Stadtbücherei, Heike Labusga.
Am Donnerstag kommt das Umzugsunternehmen und lädt die erste Fuhre Kartons ein, am darauffolgenden Montag bringen die Transporteure die zweite und letzte Ladung zum Bestimmungsort. Dieser ist das ehemalige Volksbankgebäude in der Friedrichstraße 38 – dort wird die neue Mediathek eröffnet.
„Bis jetzt bin ich noch so im Umzugsstress, dass ich kaum Zeit hatte, mich mit meinen Emotionen auseinanderzusetzen“, sagt Labusga im Gespräch mit unserer Redaktion. „Alleine mit dem Transport der Bücher ist es ja nicht getan.“ Vom Papierkorb bis zur Kaffeetasse müsse alles eingeräumt, transportiert und wieder ausgeräumt werden.
Bibliothek war seit 1990 im alten Gefängnis untergebracht
Das alte Gefängnis, in der die Bibliothek seit 1990 untergebracht war, sei wie ihr zweites Zuhause gewesen. Seit 2003 arbeite sie dort und habe in dieser Zeit sehr viel erlebt. „Die Atmosphäre des Gebäudes ist eine ganz besondere – beim Gedanken daran werde ich schon etwas wehmütig“, erzählt sie. Aber gleichzeitig freue sie sich auch auf das Neue.
Die Gründe für den Umzug sind plausibel. Die alte Bücherei war nicht barrierefrei, zudem ist sie mittlerweile zu klein. Die Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen in Freiburg empfiehlt, zwei Medien pro Einwohner als Bestand in einer Bibliothek zu haben, erklärt die Leiterin.
In Ettenheim hätten sie bisher aus Platzgründen jedoch „nur“ ein Medium pro Einwohner gehabt. Das ändere sich nun. „Eine Mediathek ist ein Ort des Mediums, der Begegnung und des Austausches“, freut sich Labusga. Zukünftig werde es ein erweitertes Angebot geben – „die Bibliothek der Dinge“.
Dafür zuständig sei Anita Nuvolin, seit Oktober 2025 stellvertretende Leiterin. „Dieses Angebot gibt es in Lahr schon lange, nun auch in Ettenheim“, freut sich diese. Die Menschen könnten Dinge ausleihen, die es sich nicht zu kaufen lohne, weil man sie nur selten brauche. Im Angebot sind beispielsweise eine Popcornmaschine, ein Foto- und Diascanner, eine Nähmaschine, Jonglierbälle und Zahlenbackformen.
Auch Spielekonsolen und Brettspiele sind im Angebot
Auch eine Spielekonsole samt Spielen, eine Toniebox mit Figuren und einen interaktiven Globus könne man ausleihen. „Zwei Aspekte sind uns dabei sehr wichtig – wir wollen den Menschen anbieten, die Dinge auszuprobieren, bevor sie sie vielleicht kaufen und dann doch nicht brauchen. Und wir wollen Teilhabe bieten. Nicht jeder kann oder will sich solche Produkte leisten, daher ist unser Angebot eine hilfreiche Möglichkeit für die Bürger“, sagt die stellvertretende Leiterin. Auch Brettspiele wird es künftig geben.
„Wir stehen für bewussten Konsum“, so Nuvolin. Der Bestand sei bisher noch nicht so groß, aber nach und nach würden weitere Dinge angeschafft werden. Gehe etwas kaputt, müsse man für den Wiederbeschaffungswert aufkommen. Natürlich werde der Zustand des Produktes berücksichtigt, so Nuvolin.
2003 bis 2006 führte Labusga Stadtbücherei alleine
Ihre Chefin sei klar das Gesicht der Stadtbücherei, sagt sie und wendet sich direkt an Labusga: „Du hast die Bibliothek so viele Jahre lang alleine geführt. Alle Kinder kennen dich und sprechen dich auf der Straße an.“
Diese bestätigt das und fügt hinzu: „Viele Eltern der Kinder kennen mich auch, weil sie damals in ihrer Kindergarten- oder Grundschulzeit auch schon zu mir in die Bücherei gekommen sind. Das ist ein schönes Gefühl.“
Von 2003 bis 2016 führte Labusga die Stadtbücherei alleine, erst dann bekam sie Unterstützung. „Ich habe so viele besondere Erinnerungen an diese Zeit – zum Beispiel als das Rathaus 2005 saniert wurde und das komplette Bauamt über ein Jahr lang in unseren Räumen unterkam. Toll war auch immer die Vorlesezeit mit den Kindern auf dem fliegendem Teppich ganz oben unterm Dach. “
Ein Fitnessstudio habe sie nicht gebraucht, das Hoch- und Runtergehen habe sie fit gehalten. „Ich kenne jede Treppenstufe“, sagt sie. Ihr zukünftiger Arbeitsplatz wird barrierefrei sein.
Alles unter einem Dach
Die Mediathek zieht in das ehemalige Gebäude der Volksbank. Dort werden auch die städtische Finanzverwaltung und das Begegnungsprojekt „Heimett“ untergebracht. Letzteres vereint Altenwerk, Nachbarschaftshilfe, Seniorenrat, Volkshochschule und weitere Initiativen und soll damit einen offenen Treffpunkt für alle Generationen schaffen. Ein Veranstaltungs- und Begegnungssaal ergänzt das Angebot.