Sie versuchte sich „erfolgreich in der Kunst des Bierbrauens: Die alte Garde vom „Ergenzinger Treffle“. Foto: Ranft

Die seit 2021 geschlossene Ochsenbrauerei in Ergenzingen hat vorübergehend eine neue Bestimmung erhalten: Der „Ochsen-Pils-Fanclub“ braute in ihren Räumlichkeiten ein Kellerbier.

Über Jahrhunderte hinweg war Ergenzingen ein Eldorado für Biertrinker. Sage und schreibe fünf Brauereien sorgten immer wieder für den Nachschub des edlen Gerstensaftes. Am guten Schluss blieb nur noch die Ochsenbrauerei übrig und diese stellte den Betrieb Ende 2021 ebenfalls ein.

 

Zum tiefen Bedauern des örtlichen „Ochsen-Pils-Fanclub“ und der alten Garde vom „Treffle“. So wurde der letzte Sud im September des Jahres zum Alarmsignal für Johannes Baur und seine rund zehn Kumpels, die alle zur alten Garde vom „Treffle“ (Jugendraum im Adolph-Kolping-Saal) gehörten. Das darf doch nicht wahr sein, sei damals die erste Reaktion gewesen, erinnerte sich Baur und weiter: Man sei sich aber während der Coronazeit schnell darüber einig geworden, dass das Bierbrauen wohl nicht so schwer sein könnte, dass man das nicht hinkriegen würde. Darum habe man beschlossen: „Wir brauen selbst“.

Wo, das war natürlich klar, in der Ochsenbrauerei der Familie Digeser, die allerdings die künftigen Bierbrauer darauf hinwies, dass das alles nicht ganz so einfach sei. Kurz vor Weihnachten 2021 habe man dann Besuch von der Schwäbischen Alb gehabt, so Baur. Zwei Herren, die von der ganzen Geschichte Wind bekommen hätten, schlugen vor, die ganze Geschichte in einem Projekt mit künstlicher Intelligenz abzuwickeln. Das Projekt sollte zwei Jahre dauern und werde auch staatlich gefördert. Also wurde auch noch ein Förderverein gegründet. Der Förderantrag sei allerdings abgelehnt worden. Zwischenzeitlich war dann auch klar, dass man die Räume und das ganze Drumherum der Brauerei nicht so einfach nutzen könne. Dazu hätte es umfangreiche Investitionen gebraucht.

Dennoch ließ sich vor allem Johannes Baur nicht entmutigen. Wir wollten einfach ein „Ochsen-Kellerbier“ brauen, haben einen Braumeister gesucht und sind auch fündig geworden, sagte er.

Bier aus Ergenzinger Wasser

Dieser habe seine „Mini-Brauerei“ gleich mitgebracht und zusammen habe man dann in der Ochsen-Brauerei 50 Liter Bier hergestellt. Die Zutaten habe man einfach von einem Hektoliter auf 50 Liter heruntergerechnet. Diese bestanden aus Ergenzinger Wasser, einem Teil Hopfen der Ochsen-Brauerei und einem weiteren Anteil, den Baur selbst besorgte, zusammen mit dem Malz. Wichtig sei gewesen, dass man das Bier in der Ochsen-Brauerei und vor allem auch in Ergenzingen hergestellt habe. Denn nur dann dürfe dieses auch „Ergenzinger Ochsen-Kellerbier“ heißen“.

Rechtlich gesehen sei man auf der sicheren Seite, so Baur, denn seit 2025 dürfen Hobbybrauer 500 Liter pro Jahr steuerfrei brauen. Beim samstäglichen Fassanstich, verbunden mit einem zünftigen Vesper und einer Blindverkostung verschiedener Biere kündigte Baur an, dass man noch in diesem Jahr einen weiteren Sud in der Ochsenbrauerei herstellen wolle. Ob das dann klappt, bleibt abzuwarten, denn das letzte Wort in dieser Angelegenheit obliegt der Familie Digeser.