In Donaueschingen und Umgebung sind die nostalgischen Kästen noch zu finden. Wenn auch nicht mehr alle in Betrieb. Ein Eigentümer berichtet, ob sich das Geschäft noch lohnt.
Auf den ersten Blick ist der kleine Metall-Kasten kaum noch zu erkennen. Fast vollständig umschlungen von den Ranken des umliegenden Gebüschs scheint er sich seinem Schicksal ergeben zu haben.
Ein wenig mutet das Bild in der Adolf-Kolping-Straße an wie aus einem postapokalyptischen Dramafilm. Die Menschheit ist verschwunden und die Natur holt sich das zurück, was ihr rechtmäßig zusteht. Vom (zum Jahresende hin nicht mehr ganz so) Grün umschlungen steht hier nämlich ein Kaugummi-Automat.
Einst beliebte Anlaufstelle zum Verbrennen von Taschengeld, sind die kleinen Kästen gefühlt seltener geworden. Manche werden, wie hier, zum Teil der Natur, weitere wurden abmontiert und bei wiederum anderen fragt man sich, wie alt die süßen Kugeln eigentlich sind, die man sich für 10 oder 20 Cent ziehen kann. Schiebt man das Geäst in der Adolf-Kolping-Straße beiseite, dann präsentiert sich nur noch eine leere Box. Kein Kaugummi, keine Flummis oder Schlüsselanhänger. Auch zwei Wochen später herrscht gähnende Leere im Inneren des Kastens. Doch irgendwo muss es auf der Baar doch noch einen Automaten geben, der aktiv betrieben wird. Wir begeben uns auf die Suche.
Das weiß das Landratsamt
Wenn es noch irgendwo Kaugummi zu ziehen gibt, dann muss das Landratsamt Bescheid wissen. Immerhin werden in Kaugummi-Automaten Lebensmittel verkauft und das muss gemeldet werden.
Doch auch das Landratsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises (LRA) kann bei der Suche nur bedingt helfen. 61 Lebensmittel-Automaten sind im Kreis registriert, sagt LRA-Sprecherin Heike Frank. „Dabei wird jedoch nicht im Detail erfasst, welche Produkte dort verkauft werden. Es handelt sich nicht nur um Kaugummi-Automaten, sondern auch um Automaten für Getränke, Snacks, Eier, Fleischprodukte und Ähnliches.“ Zudem vermutet Frank auch eine hohe Dunkelziffer an nicht registrierten Geräten.
Also geht die Suche weiter. Eine kurze Internet-Recherche sagt, dass an der Neuen Wolterdinger Straße in Donaueschingen ebenfalls ein Exemplar hängen soll. An einer solch prominenten Stelle sollte ein Kaugummi-Automat vielleicht auch noch Inhalt haben.
Tatsächlich: Die Box an der Kreuzung zur Ludwig-Kirsner-Straße ist in Betrieb. Zwei der drei Körbe sind allerdings von falschen Münzen blockiert – darunter ausgerechnet der mit den „Sticky Spinnen-Netzen“.
Ein Hebel funktioniert an diesem Tag. Die Kaugummi-Kugel für 10 Cent fällt allerdings in eine ziemlich rostige Auslage. Wirklich appetitlich sieht das nicht aus. Den Eindruck hatte wohl auch eine andere Person, denn eine zweite, verkümmerte Kugel liegt bereits im Rost. Nun hat sie immerhin Gesellschaft.
In Hüfingen klappt’s
Weiter geht die Suche in Hüfingen. Dort gibt es einen Kaugummi-Automaten an der Hauptstraße, neben der Metzgerei Kramer. Dieser scheint auf den ersten Blick aktiv in Betrieb und sogar beliebt zu sein. Die Info-Bilder in den Glasscheiben sind noch nicht verblasst und der Korb mit Oktopus-Schlüsselanhängern für je einen Euro ist leer. Eigentümer dieses Exemplars ist Gerhard Jahn aus Kammeltal in Bayern. Er verdient mit solchen Kästen seinen Lebensunterhalt. „Wir haben viele Tausende Automaten“, sagt er. Und wenn man einen findet, dann sei der nächste schon in einem Radius von fünf bis zehn Kilometern zu finden. „Es gehört schon eine Menge Idealismus dazu, aber das Geschäft rechnet sich“, sagt Jahn weiter.
In der Branche ist Gerhard Jahn mit so vielen Automaten eher die Ausnahme. Dennoch, auch der Nebenverdienstler belasse es nicht nur bei einem Automaten: „Es gibt viele, die es mit 100, 200 oder 400 Automaten nebenberuflich betreiben. Das war aber noch nie anders.“ Dass der Kaugummi-Automat ausstirbt, sieht er nicht. „Der Kaugummi-Automat ist in. Wir montieren ständig neu.“ Im Schnitt nimmt ein neues Gerät pro Tag den Betrieb auf. „Viele Leute kommen auf uns zu und wollen bei sich einen Automaten anbringen lassen.“ Nachgefüllt wird alle drei Monate. Dann fahren seine Mitarbeiter die Standorte ab und bringen Kaugummis, aber auch saisonal unterschiedliche Spielzeuge. „Tendenziell laufen im Sommer die Kaugummis besser, im Herbst und Winter sind dann die Gadgets beliebter.“
Und so endet unsere Suche zwar leider ohne kleinen Oktopus-Schlüsselanhänger, dafür aber endlich mit einem großen Kaugummi-Bällchen.
Weitere Informationen
Hygienekontrollen
Die Hygiene von Lebensmittelautomaten kontrolliert das Landratsamt, um sicherzustellen, dass die Vorschriften im Bereich der Lebensmittelsicherheit eingehalten werden. Diese Kontrolle erfolgt auf Grundlage der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift, die die Grundsätze für die amtliche Überwachung festlegt. Diese Vorschrift regelt nicht nur die Einhaltung des Lebensmittelrechts, sondern auch des Rechts zu tierischen Nebenprodukten, Weinrechts, Futtermittelrechts und Tabakrechts. Die längste Kontrollfrist liegt dabei laut Heike Frank, der Sprecherin des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis, bei drei Jahren.