Im Fokus des Schmerzkongresses in Mannheim steht auch die Therapie von Endometriose-Patientinnen. Wie das Leiden gelindert werden kann und welche Maßnahmen greifen, erklärt der Kongresspräsident Joachim Erlenwein
Das Leitsymptom der Endometriose ist der Schmerz – ob während der Periode oder auch in den Zeiten dazwischen. Doch gerade hier herrscht noch eine große Versorgungsnot, beklagen Schmerzmediziner wie Joachim Erlenwein, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie an der Universitätsmedizin Göttingen: „Das Schmerzverständnis bei vielen ärztlichen Kolleginnen und Kollegen ist oft unzureichend.“ Wie Frauen mit Endometriose besser therapiert werden können, soll daher eines der Hauptthemen des Schmerzkongresses sein, den Erlenwein als Präsident am 16. Oktober eröffnet.
Wie werden Schmerzen bei Endometriose derzeit standardmäßig behandelt?
Eine hormonelle Behandlung mittels bestimmter Kontrazeptiva kann die Regelblutung unterdrücken und damit auch die Schmerzen mindern. Auch eine operative Entfernung der Endometrioseherde reduziert die Symptomlast der Betroffenen, sagt Erlenwein. Klassische Schmerzmedikamente wie Ibuprofen oder Metamizol helfen bei zyklischen Schmerzen. Wenn ein chronischer Schmerz besteht, können auch andere Substanzen – beispielsweise Antidepressiva oder Antiepileptika – genutzt werden.
Reicht das aus?
Nach Meinung von Schmerzexperten wie Erlenwein brauchen Patientinnen von Anfang an mehr Beratung, um „ein sinnvolles Krankheitsverständnis“ zu erarbeiten. Neben den klassischen Behandlungsmöglichkeiten sollten Betroffene etwa frühzeitig über Entspannungstechniken sowie physiotherapeutische Maßnahmen aufgeklärt werden. Auch psychotherapeutische Möglichkeiten, eine Ernährungsberatung und eine speziell auf Endometriose ausgerichtete Reha sollten Teil der Patientinneninformation sein. Ärzte müssen bei Endometriose zudem stets das Risiko im Blick behalten, dass die Schmerzen chronisch werden können – falls sie es nicht schon sind. Laut Erlenwein braucht es daher ein sogenanntes interdisziplinär multimodales Diagnose- und Behandlungssetting.
Geschieht das schon in den Endometriosezentren?
Dass für die Beschwerden bei Endometriose nicht nur körperliche, sondern auch psychische und soziale Faktoren eine Rolle spielen, wird in einigen Zentren schon berücksichtigt. „Dennoch gibt es bisher viel zu viele Einrichtungen, die primär auf die körperlichen Anteile in Therapiekonzepten und Krankheitsverständnis ausgerichtet sind“, sagt Erlenwein.
Wie kann die Versorgung also verbessert werden?
Erlenwein setzt große Hoffnungen in die überarbeitete Endometriose-Leitlinie, die demnächst veröffentlicht wird: Darin wird etwa empfohlen, dass Patientinnen, die eine Langzeiteinnahme von Schmerzmitteln benötigen, nicht allein von Frauenärzten behandelt werden sollen, sondern die Therapie unter anderem von Schmerzmedizinern und Psychotherapeuten unterstützt wird. Das Problem ist, dass es flächendeckend dafür nicht ausreichend Angebote gibt. „Hier ist es Aufgabe der Gesundheitspolitik, die große Zahl der Betroffenen Menschen mit chronischen Schmerzen nicht im Regen stehen zu lassen“, sagt Erlenwein.