Die Stadtbibliothek Lörrach wird längst nicht mehr nur zum Ausleihen von Büchern genutzt. Junge Leser haben daran einen großen Anteil. Auch andere Faktoren gibt es.
Wenn von einer lebendigen Innenstadt die Rede ist, darf nach Einschätzung von Sabine Dietrich die Stadtbibliothek nicht vergessen werden. Die Lörracher Einrichtungsleiterin unterstreicht: „Bibliotheken haben ein großes Potenzial, um Innenstädte zu beleben.“ Mit den Punkten kostenfrei, konsumfrei und niederschwellig würden die Menschen ins Zentrum gelockt – besonders die Jugend nimmt einen hohen Stellenwert ein.
In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Stadtbibliotheken von reinen Ausleihorten zu einem über mehrere Stunden genutzten Aufenthaltsraum entwickelt, schildert Dietrich ihre Erfahrungen. Dieser sei ein Lernort für alle Generationen, besonders bei Freistunden und in der heißen Lernphase ist er von Schülern stark genutzt worden. „Jugendliche kommen aber auch zum Chillen.“
Unter den gut 93 000 Besuchern (Vorjahr knapp 88 000 Besucher) befindet sich ein großer Querschnitt der Bevölkerung, wie die Einrichtungsleiterin beim „Kulturfrühstück“ ausführte: „Mich fasziniert, dass die Bibliothek von ganz unterschiedlichen Schichten und Menschen besucht wird.“
Dietrich spricht in diesem Kontext von einem „dritten Raum“ neben dem Arbeitsplatz und dem Zuhause, wo ein offener Begegnungsort ohne kommerziellen Zwang zur Verfügung gestellt werde. Sie setzt hier auf die Förderung von sozialem Austausch, Integration und Teilhabe von allen gesellschaftlichen Gruppen.
Für verschiedene Generationen
Mit verschiedenen Veranstaltungsformaten würden diese Gruppen auch angesprochen. Von regelmäßigen Spieletreffs bis zu Terminen mit politischen und literarischen Themen reicht die Bandbreite. Veranstaltungen und Vorträge würden einen zusätzlichen Raum für das Miteinander schaffen und Kultur erlebbar machen. Die Leiterin spricht von einem „sozialen Treffpunkt und Integrationsmotor“. Auch der Einsamkeit von Menschen könne durch den Treff entgegengewirkt werden.
Die Stadtbibliothek sei auch „ein Ort gelebter Demokratie“. Es würde das Grundrecht auf Informationsfreiheit bedient. Nutzer wird aufgezeigt, welchen Mehrwert gesicherte und geprüfte Informationen bieten. Dietrich: „Wissen und Teilhaben machen den mündigen Bürger aus.“
Junge Menschen sollen sich genau dahin entwickeln. So freut es die Einrichtungsleitung, dass mit 17 Prozent die Kinder zur größten Nutzergruppe gehören. Dies resultiert zum Teil auch aus Kooperationen mit Schulen und Kindergärten. Mit einem stufenweisen Konzept wird der Nachwuchs angesprochen. Eltern sollen Kindern im Grundschulalter vorlesen. Weiter gehe es im Grundschulalter mit spielerischen Angeboten bis zu den weiterführenden Schulen als Teil der Demokratiebildung und dem Thema Unterschied von seriösen Quellen und Fake News.
Die Jugend liest mehr
Optimistisch stimmt Dietrich als Stadtbibliotheksleiterin nicht nur, dass die Zahl der Ausleihen im vergangenen Jahr von gut 265 000 auf rund 275 000 gestiegen ist, sondern der Bestand von fast 70 000 Medien verstärkt von Jugendlichen nachgefragt wird. „Jugendliche entdecken das Lesen wieder.“ Dietrich bemerkt eine „erstaunliche Wende“. Für die Stadtbibliothek sei dies eine „tolle Entwicklung, die wir gerne aufgreifen“.
Doch auch in der Buchhandlung Osiander in Lörrach zeige sich dies. Denn dort sei die Jugendabteilung aufgrund der gestiegenen Nachfrage ausgebaut worden. Diese Entwicklung wird auch vom Lörracher Kultur-Fachbereichsleiter Lars Frick begrüßt. Denn beim Lesen von Büchern sei es generell eine andere Aufmerksamkeitsspanne als bei der Nutzung an Smartphones.
Höhere Gebühren
Auf eine etwa zehnprozentige Gebührenerhöhung müssen sich die Nutzer der Stadtbibliothek angesichts der Ebbe in der städtischen Kasse einstellen. Auch Bücher würden mehr kosten, erklärt OB Jörg Lutz. Gleichzeitig wissen er und Frick um nur bedingte Möglichkeiten, nennenswerte Mehreinnahmen in diesem Kulturbereich zu erzielen.