Seit vielen Jahrzehnten schmückt eine Weihnachtskrippe die Kirche Sankt Bartholomäus in Oberwolfach. Ernst Armbruster, Erhard Kaiser und Erich Kessler bauten sie einst.
Seit nun achtzig Jahren gibt es die heimelige Krippe in der Pfarrkirche Sankt Bartholomäus in Oberwolfach. Das Krippenhaus wurde nach Kriegsende von den talentierten Bastlern Ernst Armbruster und Erhard Kaiser vom Grünach und Erich Kessler aus dem Mitteltal zusammengebaut.
Nachdem man es im Kellergeschoss des Elternhauses von Erich Kessler fertiggestellt hatte, musste man es allerdings wieder auseinandernehmen, weil der Türausgang für den Transport zu schmal war. Eine alte Fotografie verrät, dass man sogar mit einem kleinen Maibaum auf dem First des Häuschens ein Richtfest gefeiert hat. Aus der Zusammenarbeit mit dem damaligen Pfarrer, Josef Kuner, gebürtig aus Furtwangen, ist dann auch eine Freundschaft geworden. Diese hatte auch nach dessen Weggang im Jahr 1948 noch Bestand.
Der Kontakt mit dem Pfarrer war dadurch entstanden, dass die jungen Burschen auch als Ministranten gedient hatten und auch bereits innerhalb der Kolpingfamilie engagiert waren.
Später übernahm die Jugend den Krippenaufbau
Die passenden Krippenfiguren waren durch Josef Kuner zuvor schon beim aus Südtirol stammenden Philip Noflaner, der offensichtlich zeitweise eine Schnitzerwerkstatt in Offenburg hatte, in Auftrag gegeben worden.
Nachdem die Krippe über viele Jahre von den Krippenbauern selbst aufgebaut worden ist, kümmert sich nun nachfolgend die Jugend aus der Kolpingfamilie um das Herrichten und Schmücken der Krippe. Vorbereitet wird der eigentliche Aufbau in den Tagen unmittelbar vor dem Weihnachtsfest gegenwärtig von Mesnerin Elisabeth Bonath und von Albert Schmieder vom Mühlengrün.
Im Verlaufe der Jahre wurde der Standort vor dem rechten Seitenaltar in St. Bartholomäus immer mal wieder ein wenig verändert und auch die „Mooswiese“ um das Krippenhaus herum fiel mal größer oder kleiner aus. Zeitweise wurde die Krippe auch am Rand eines üppigen Tannenwaldes platziert. Gegenwärtig stehen die großen Bäume neben dem Hochaltar, wunderbar mit großen kunstvoll gebastelten Strohsternen geschmückt.
Nicht fehlen durfte in früheren Zeit das so genannte „Knappermale“. Ältere Kirchenbesucher vermissen diese schöne originelle Erinnerung an ihre eigene Kindheit: Die Kinder konnten gegen ein freundliches Nicken der Figur ein Zehnerle ins Kässle werfen. Und weil die Erwachsenen auch ihre Freude daran hatten, konnte man noch ein Zehnerle mehr aus Vaters Geldbeutel bekommen. Für hinterher eine Brezel vom Beck oder eine Lebkuchenschnitte von’s „Leischde“ reichte meist immer noch.
Nochmals einen Anlass zum Krippenbesuch bedeutete das Erscheinen der Weisen aus dem Morgenland. Sie sorgten mit ihren Prachtsgeschenken für Staunen. Über Weihnachten konnte man kürzlich von der Empore aus sehen, dass sie bereits auf der Brüstung der nicht mehr genutzten Kanzel in St. Bartholomäus ihrem großen Auftritt am 6. Januar von Ferne her entgegenfiebern.
Nachbauten erfreuen heute noch Familien
Eine Kopie des Krippenhauses wurde auch für die Marienkirche geschaffen. Der 2010 verstorbene Ernst Armbruster hat übrigens auf Wunsch einiger Familien die Krippe als Modell für mehrere kleine Nachbauten genommen und damit vielen eine große und bleibende Freude bereitet.
Erich Kessler hat seine Krippenbaukunst hinterher ebenfalls noch verfeinert, indem er einige so genannte Kastenkrippen gebastelt hat. Aber nun weilen alle drei Krippenbastler längst nicht mehr unter den Lebenden. Aber sie sollen nicht in Vergessenheit geraten. Dazu trägt die Krippe in der Oberwolfacher Kirche bei.
Die Berufe der Bastler
Alle drei Krippenbauer haben übrigens ihr handwerkliches Geschick auch in ihrem Berufsleben eingebracht. Zwei waren als Schreiner bei Fensterbau Schillinger und in den Möbelwerken tätig. Der dritte im Bunde arbeitete als Drechsler in Hausach.