Das Duo Jürgen Gutmann und Manuel Dempfle brachten dem Publikum Leonard Cohens Musik und Leben näher. Foto: Schillinger-Teschner

Zwei Männer, zwei Gitarren, die musikalischen Werke von Leonard Cohen und die Bereitschaft zum Zuhören: Mehr brauchte es nicht, um ein unvergessliches Erlebnis zu schaffen.

Live, unplugged und reduziert auf die lyrischen Worte und deren Vertonung wussten die Musiker Jürgen Gutmann (Gitarre, Gesang) und Manuel Dempfle (Gitarre, Gesang) den Zuhörern in der ehemaligen Synagoge Kippenheim ein Bild des Musikpoeten Leonard Cohen zu vermitteln.

Der Titel eines frühen Studio-Albums des kanadischen Singer and Songwriters „Songs of love and hate“ („Lieder von Liebe und Hass“) zog sich als roter Faden durch das dreistündige Konzert der Gruppe „Leonard-Cohen-Project“, welche, mit einer schmerzlich schöne Hommage an den Künstler, das Publikum zu berühren wusste.

Die Zerrissenheit Cohens, die sich in seinen Werken widerspiegelt, wurde durch Rezitieren des Liedtextes immer wieder verdeutlicht und durch Erzählungen zur Entstehungsgeschichte des einzelnen Liedes ergänzt. Eindringlich wurde vermittelt, wie sich das Leben des Künstlers in Text und Melodie eingebracht hat.

Eigene Liebesbeziehungen in zahlreichen Songs verarbeitet

„Musiker, ach die wollen doch immer nur Musik machen. Nichts macht so glücklich, wie das Schwärzen eines Blatt Papiers“, so Cohen. Er war immer an erster Stelle Poet und schwärzte zum Glück viele Blätter mit seinen Gedichten, die er erst später mit Noten unterstrich. Beides exzellent zu verknüpfen gelang dem 1937 geborenen und 2016 verstorbenen Kanadier immer wieder, was die im Konzert gespielten Lieder belegten.

So eröffneten Gutmann und Dempfle das Konzert auch stimmig zunächst mit dem Poem „A thousand kisses deep“, eine Ode an reine Liebe, ohne musikalische Begleitung. Zum zweiten Song „Suzanne“ setzte das schwäbische Duo dann auch die Gitarren ein und erzählte von einer mystischen Kraft, die Menschen in eine Liebesbeziehung zusammen-bringt und wieder trennt. „Sisters of mercy“ hat Cohen an einem einzigen Abend, inspiriert von einer Begegnung mit zwei jungen Mädchen, geschrieben. Diese waren in einer Nacht im strömenden Regen in Miniröcken unterwegs und hatten für die Nacht keine Bleibe. Cohen hatte Erbarmen mit den beiden und überließ ihnen sein Hotelzimmer.

Foto: Schillinger-Teschner

In den 1960er-Jahren lebte Cohen auf der griechischen Insel Hydra und traf dort Marianne Ihlen, die schönste Frau die er je gesehen hatte. Ihr widmete er den Song „So long, Marianne“ und „Hey that’s no way to say goodbye“ und Jahre nach der Trennung die Zeilen „Liebste Marianne, ich bin nur ein kleines Stückchen hinter dir. Nah genug, um deine Hand zu nehmen. Mein alter Körper hat aufgegeben, ganz so wie es deiner getan hat. “ Cohens Ahnung sollte sich erfüllen, er verstarb 2016 wenige Monate nach Marianne Ihlen.

Auch Terrorismus und Konzentrationslager immer wieder Thema

Dazwischen führte das Leben Cohen in die Arme anderer Frauen und weg von Griechenland. Mit „famous blue raincoat“ verarbeitet Cohen eine ménage à trois in der er schließlich seinem „Nebenbuhler“ verzeiht und die geliebte Frau freigibt, da dieser ihr die Traurigkeit genommen hat. Eine weitere Liebesbeziehung, diesmal mit Janis Choplin, geht Cohen im New Yorker „Chelsea Hotel“ ein.

Jürgen Gutmann, der die Texte rezitierte, wies auch auf andere Aspekte des Wesens von Leonard Cohen hin. Viele seiner Liedtexte setzen sich mit Faschismus, Holocaust, Terrorismus und all den anderen Grausamkeiten auseinander, welche ein Mensch einem anderen Menschen antun kann.

„The Partisan“, das im Original aus der Feder von Anna Marly/Emmanuel dÁstier de La Vigerie stammt und während der Französischen Restistance seinen Ursprung hat, ist ein Lied, das zum Widerstand gegen Unterdrückung aufruft. Es lancierte später zur Hymne der polnischen Solidarność Bewegung. Bereits 1988 hat Cohen mit seinem Song „First we take Manhattan“ Terrorismus und die Aktivierung eines sogenannten „Schläfers“ durch ein Signal thematisiert.

Geigen, die brennen, und Kinder, die nie geboren werden

„Und wenn Leonard Cohen in seinem Lied von brennenden Violinen singt, dann meint er das nicht als Metapher“, führte Gutmann die Zuhörer zum nächsten Lied „Dance me to the end of love“. Dieses rechnet mit der Grausamkeit ab, die in Konzentrationslagern herrschte: Geigen die brannten, Kinder, die nie geboren wurden und Menschen, die den letzen Gang ihres Lebens mit Würde gehen wollten und im Angesicht des Todes die verzweifelte Bitte um Hilfe dabei äußern. Das alles deutet Cohen mit der passivform des Verbes im Liedtext an „Dance me to.......“: „Tanze mich dorthin, ich selbst habe keine Kraft mehr dazu“.

Abgerundet wurde das Konzert mit zwei Songs befreundeter Künstler. „The sound of silence“ von Simon and Garfunkel und Bob Dylans „You belong to me“ erklangen.

Drei Zugaben

Die Intonation der unvergleichlichen Musik Cohens und die begleitenden Texte haben die Zuhören zu jeder Sekunde erreicht und berührt. Das Duo „Leonhard-Cohen-Project“ hat mit seiner geradlinigen Kombination aus Musik, Gesang und Lesung auf ganzer Linie überzeugt. Die Darstellung der Komplexität des Musik-Poeten und Menschen Leonard Cohen ist geglückt und hat Gänsehautmomenten erzeugt. Nach drei Zugaben „Hymn“ von Barclay James Harvest, „If it be your will“ und dem, der Allgemeinheit wohl bekanntesten, Cohen Song „Hallelujah“ ernteten Jürgen Gutmann und Manuel Dempfle langanhaltenden Applaus und wohlverdiente „Standing Ovations“.