Aromatische Schätze aus aller Welt: Im historischen Drogenlager der Firma Preiser wurden Zutaten wie Ceylon-Zimt oder Vanille aus Madagaskar für die Herstellung von Essenzen und Spirituosen aufbewahrt. Foto: Stadtarchiv VS

Zimt, Zitrone, Vanille: Historische Werbeschilder erzählen von der Villinger Essenzenfabrik Preiser. Das Stadtarchiv zeigt, wie aus Düften regionale Klassiker wurden.

Es duftet wieder weihnachtlich in Häusern und Gassen. In der Bahnhofstraße in Villingen roch es über ein Jahrhundert lang ganzjährig nach Gewürzen und Früchten.

 

Das „Archivale des Monats“ Dezember der Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen führt anhand historischer Werbeschilder in die Welt der Villinger Essenzen- und Spirituosenfabrik Adolf Preiser – dort, wo aus Zitronen, Zimt und Vanille die Grundlage für Limonaden und Liköre entstand.

Das Stadtarchiv Villingen-Schwenningen bewahrt nicht nur wichtige Unterlagen der Stadtverwaltung. Um Stadtgeschichte und Zeitgeist lebendig zu dokumentieren, sammelt es auch Quellen anderer Herkunft – darunter den Firmennachlass der Essenzen- und Spirituosenfabrik Adolf Preiser.

Nur mit natürlichen Rohstoffen

Historische Werbeschilder, Markenanmeldungen und Rezepturdokumente erzählen von Innovationsgeist und internationalen Rohstoffwegen. In den kupfernen Kesseln von Preiser wurde ausschließlich mit natürlichen Rohstoffen gearbeitet.

Ein regionaler Hit der Nachkriegszeit: Das historische Werbeschild für „Mexi-Kola“, eine der erfolgreichsten Limonaden der Villinger Firma Preiser. Foto: Stadtarchiv VS

Essenzen entstanden durch Mazeration und Destillation – mit Zutaten, die erntefrisch aus aller Welt eintrafen: Zitronen per Zug aus Messina, Lavendel aus Frankreich, Vanille aus Madagaskar, Ceylon-Zimt aus Sri Lanka. Im sogenannten Drogenlager warteten die aromatischen Schätze in Holzfässern auf ihren Einsatz. Die Firmengeschichte beginnt 1906 mit Fruchtsäften und Mostessenzen.

Zwei Weltkriege prägen die Entwicklung: Firmengründer Adolf Preiser wird im Ersten Weltkrieg eingezogen und stirbt kurz darauf; 1939 muss auch sein Sohn Hermann in den Militärdienst. Ein alliierter Bombenangriff auf den Villinger Bahnhof zerstört das Firmengebäude in der Bahnhofstraße fast vollständig.

Neustart gelingt

Dennoch gelingt nach 1945 der Neustart: Mit Limonaden und Spirituosen, gesichert durch zahlreiche Markenregistrierungen, gewinnt Preiser wieder Profil. Der Mühlengeist, ein außergewöhnlicher Flambierlikör, kreiert für die Mühlenklause in Kappel, ist in aller Munde und findet sogar in Norddeutschland Anklang. 1959 wird „Mexi-Kola“ eingetragen und avanciert ebenfalls zum regionalen Hit. „Winelli“ ist seiner Zeit voraus und macht alkoholfreie Wein-Limonade salonfähig, während „Romäus Selekta“ als prickelnde Alternative in der Sektflöte die feierlichen Momente ohne Promille versüßt.