Manche trinken ihn morgens, andere nachmittags, manche schwarz und manche mit Zucker und Milch.Der Kaffeepreis stieg 2025 erneut an, wie sieht die Zukunft aus?
Der Deutsche trinken viel Kaffee: gemäß einer Studie des Deutschen Kaffeeverbands durchschnittlich 163 bis 169 Liter pro Jahr, was etwa drei bis vier Tassen pro Tag entspricht. Kaffee ist neben Wasser das beliebteste Getränk. Doch ändert sich das bald?
Für Kaffee müssen die Menschen in Deutschland tiefer in die Tasche greifen. Die Verbraucherpreise für Bohnenkaffee haben sich laut jüngsten Zahlen im vergangenen April nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 12,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat erhöht.
Im Café Vanillis am Donaueschinger Rathausplatz kostet der Espresso 2,50 Euro. Hafermilch gibt es ohne Aufpreis, belegte Brötchen auch glutenfrei. Arbeiten am Laptop kein Problem: „Wir haben sehr gutes WLAN, einige kommen auch zum Arbeiten her“, so Inhaberin Vanessa Lehmann.
Vor Erhöhung eingedeckt
Die 33-jährige Donaueschingerin kauft ihre Bohnen bei J. J. Darboven, einem familiengeführten Händler mit Sitz in Hamburg und eigener Rösterei. 2024 musste sie die Preise erhöhen und auch 2025 ist der Einkaufspreis der Kaffeebohnen gestiegen. Doch Lehmann wollte die Preise nicht erneut anheben.
Ihr Lieferant hat sie rechtzeitig über die Preiserhöhung informiert und so konnte sie sich einen Vorrat Kaffeebohnen zum alten Preis sichern. „Wenn der Einkaufspreis nächstes Jahr nochmal steigt, muss auch ich die Preise erhöhen“, sagt sie. „Auch die Siebträgermaschine muss finanziert werden. Dreißig bis vierzig Prozent des Endpreises machen die Personalkosten aus, dazu kommen zehn bis zwanzig Prozent Wareneinsatz und dreißig Prozent Fixkosten. Da sieht man, dass bei dem Kaffeepreis unter dem Strich nicht mehr viel übrig bleibt“, erzählt sie.
Treffpunkt Café
Cafés sind oft Treffpunkte. Einige Mütter treffen sich regelmäßig im Café, meist für drei Stunden, um sich eine Auszeit von ihrem stressigen Alltag mit Kindern zu nehmen. „Man geht, wenn man berufstätig ist und Kinder hat, so selten ins Café, dass der Kaffeepreis keine Relevanz hat. Vor allem stört der Preis nicht, wenn man ein Café unterstützen kann, in dem so viel Liebe drin steckt – nicht so wie beim McDonalds oder Starbucks“, erzählt Kundin Saskia Seidler.
Stammkunde Thomas Peters arbeitet regelmäßig im Café Vanillis. Für den Kaffeekenner ist der doppelte Espresso dort „eine Streicheleinheit für den Gaumen.“ Den Preis bezahle er gerne.
Im Gran Café Vittoria in der Donaueschinger Innenstadt kostet ein Espresso 2,60 Euro. Inhaber Roberto Da Ros liegt die Qualität seines Kaffees am Herzen. Seine Bohnen kauft er in bei einem Händler aus Freudenstadt. „Bei der Eröffnung des Cafés hat der Espresso noch 1,80 bis zwei Euro gekostet“, erzählt Da Ros. Mit den steigenden Bohnenpreisen musste auch er die Preise schrittweise erhöhen.
Bis jetzt zahlen seine Gäste den Preis gerne, denn der Kaffee schmecke ihnen, viele kommen fast täglich, um sich mit Bekannten zu treffen, wie er berichtet.
Kaffee auch Lebensqualität
Wie sich der Preis für die Endkunden zusammensetzt, ist für Da Ros schwer zu beantworten. „An manchen Orten muss man natürlich auch für die Location mit zahlen. Ein Kaffee am Markusplatz in Venedig kann schonmal sechs bis sieben Euro kosten“, erklärt der gebürtige Venezianer.
Für ihn ist Kaffee Lebensqualität, die er seinen Kunden so lange wie möglich erschwinglich halten möchte. „Mir ist es lieber, dass mein Espresso weniger kostet und meine Kunden können es sich leisten, jeden Tag zu kommen, als dass ich meine Preise anpassen und manche nur noch einmal die Woche kommen“, erzählt Da Ros.
In dem italienischen Café hat sich eine Gemeinschaft gebildet. Beim „Rentnertreff“ sitzen Liliane Hug, Brigitte Limberger und Inge und Willi Bents fast täglich zusammen. Vier Euro – das wäre Ihre Schmerzgrenze für einen Kaffee, sind sie sich einig. Bei steigenden Preisen würden sie merklich weniger Kaffee trinken oder auf ein anderes Getränk umsteigen. Wiederkommen würden sie aber trotzdem, denn für sie ist ihr regelmäßiges Treffen eine Tradition, ganz unabhängig vom Kaffee.
Wertschöpfungskette
Kaffeepreis
Die Zusammensetzung des Kaffeepreises beginnt bei der Produktion und dem Anbau des Kaffees. Klima, Betriebskosten auf Plantagen und Kaffeesorte bestimmen den Grundpreis. Margen für Importeure, Röster sowie Groß- und Einzelhandel bilden ein weiteres Glied in der Wertschöpfungskette. In Deutschland kommt noch eine Kaffeesteuer von 2,19 Euro pro Kilogramm hinzu, außerdem fallen sieben Prozent Mehrwertsteuer auf den Endpreis an. Gehandelt wird der Kaffeebohnenpreis an der Börse, die von dem Währungswechselkurs und Spekulation beeinflusst wird. In der traditionellen Wertschöpfungskette erhalten die produzierenden Bauern nur einen kleinen Anteil.